21.09.2023

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Keine Spur mehr von der einstigen Pracht: Sonnenuhr in Rauschen
Foto: J.T.Keine Spur mehr von der einstigen Pracht: Sonnenuhr in Rauschen

Rauschen

Der „Sonnenuhr“ droht die Zerstörung

Seit 1974 ein Anziehungspunkt am Strand – Promenadenneubau macht die vorübergehende Entfernung des Tierkreises notwendig

Jurij Tschernyschew
19.09.2023

In diesem Sommer hat das Königsberger Gebiet einen noch nie dagewesenen Zustrom von Touristen erlebt. Die Strände an der Küste waren überfüllt, zumal einer der Strände in Rauschen wegen des groß angelegten Baus einer neuen Promenade fast vollständig geschlossen war. Die Hälfte der Strandpromenade sowie die meisten Zugänge zum Meer waren gesperrt. Das gesamte Küstengebiet hat sich in eine große Baustelle verwandelt, die sich über Jahre hinziehen kann.

Die Bauarbeiten haben nicht nur den Zustand der Strände beeinträchtigt, sondern sie gefährden auch den Fortbestand eines der bekanntesten Symbole der Region – den aus Mosaiken zusammengefügten Tierkreis der bekannten Sonnenuhr. Aufgrund ihrer einzigartigen Genauigkeit und Größe wurde diese in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen. Sogar in die Liste der denkmalgeschützten Objekte des regionalen Kulturerbes hielt die Sonnenuhr bereits Einzug.

Das Mosaik wurde 1974 von einer kreativen Gruppe um den Bildhauer Nikolaj Frolow geschaffen. Die Sonnenuhr wurde in der römischen Mosaiktechnik hergestellt. Das Ziffernblatt der Uhr trägt die Abbildungen der zwölf Sternbilder. 

Neben dem „Zodiak“ (Tierkreis) hat Frolow in Rauschen auch die Skulptur „Meeressymphonie“ und ein Basrelief einer Sonnenuhr am Wasserturm im Zentrum des Kurorts geschaffen. Ein weiteres Mosaik befand sich an der Wand des Bahnhofs Svetlogorsk-2. Doch als das alte Gebäude durch einen Neubau ersetzt wurde, ging das Mosaik unwiederbringlich verloren. Es wird befürchtet, dass die Sonnenuhr das gleiche Schicksal ereilen könnte.

Die Sonnenuhr soll bis Oktober 2024 repariert sein, doch Fachleute sagen, dass die Balken unter den Mosaiken und die Platte, auf der sie liegen, Risse aufweist. Es sei unmöglich, eine neue Promenade zu bauen, ohne die Mosaiken zu entfernen. Die Arbeiten sollen in mehreren Etappen erfolgen. Zunächst werden die Mosaikplatte, der Gnomon (ein vertikaler Stab, dessen Schatten die Zeit auf der Sonnenuhr bestimmt) und die Kugel in die Werkstatt gebracht. Alle Elemente werden gereinigt und beschädigte Teile des Mosaiks ersetzt.

Das Denkmal wird erst wieder an seinen Platz zurückkehren, wenn der Bau einer neuen Promenade abgeschlossen ist. Es ist schwer zu sagen, wann dies der Fall sein wird. Frolow selbst kommentierte die Entscheidung, das Mosaik abzubauen: „Ein Mosaik ist immer mit dem Untergrund verbunden, auf dem es liegt. Es ist kein Gemälde, das man in die Hand nehmen und übertragen kann. Es ist ein sehr komplexes Element, das sich aus Tausenden von kleinen Elementen zusammensetzt. Ich kann mir keine dümmere und törichtere Lösung vorstellen, als sie zu verschieben. So etwas wird von Leuten vorgeschlagen, die keine Ahnung haben.“


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