05.10.2022

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Ein reger Erfahrungsaustausch hat stattgefunden: Gruppenbild der Arbeitstagung der Deutschen Vereine in Sensburg
Foto: D. WierzchowskiEin reger Erfahrungsaustausch hat stattgefunden: Gruppenbild der Arbeitstagung der Deutschen Vereine in Sensburg

Südliches Ostpreußen

Deutschunterricht war Thema

In Sensburg haben sich Vertreter der Deutschen Vereine zu einer Arbeitstagung der Landsmannschaft Ostpreußen getroffen

Damian Wierzchowski
27.04.2022

Am 23. und 24. April 2022 hat die Arbeitstagung Deutscher Vereine in Sensburg stattgefunden. Die Landsmannschaft Ostpreußen organisiert diese Veranstaltung jährlich für die Vorsitzenden und die Delegierten der Deutschen Vereine im südlichen Ostpreußen und die Mitglieder des Dachverbandsvorstandes. An der diesjährigen Arbeitstagung haben auch Vertreter des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen, Präsident Bernard Gaida, als Referent Michał Schlueter und die Geschäftsführerin Maria Neumann teilgenommen.
Am Anfang des Seminars führten Stephan Grigat, Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, und Ulf Püstow, Mitglied des LO-Bundesvorstandes, in die Thematik der Arbeitstagung ein.

Das weitere Programm umfasste aktuelle Themen, die zurzeit die Deutsche Minderheit in Ostpreußen bewegen. Ein Ziel der Arbeitstagung war es, die Teilnehmer dazu zu bewegen, ihre Erfahrungen und eigenen Meinungen auszutauschen.
Als erste Referentin konnte die Neidenburger Vorsitzende Sabina Reguła die aktuelle Situation und die Finanzierung der Minderheitensprache Deutsch darstellen. In diesem kurzen Vortrag führte sie aus, dass die polnischen Bürger deutscher Abstammung, die der Deutschen Minderheit angehören, diskriminiert werden. Man hat den Kindern zum Teil das Recht genommen, die Sprache ihrer Vorfahren zu erlernen. Von allen in Polen anerkannten neun nationalen und vier ethnischen Minderheiten dürfen nur die Kinder aus der Deutschen Minderheit ab dem 1. September 2022 nicht mehr 3 Unterrichtsstunden Deutsch als Minderheitensprache pro Woche nehmen, sondern nur noch eine Stunde. Der Widerstand gegen diese Maßnahme ist spürbar. Der Verband der deutschen Gesellschaften in Oppeln hat eine Klage gegen den polnischen Staat bei der Europäischen Kommission eingereicht.

Ein weiteres wichtiges Thema für die Deutsche Minderheit, in das Michał Schlueter einführte, ist die Volkszählung in der Republik Polen. In seinem Beitrag sprach er von den Schwierigkeiten, von Erfahrungen und Perspektiven für die Minderheiten. Die Endergebnisse der Volkszählung wurden bislang noch nicht vollständig erarbeitet, deshalb kann man nur ahnen, was schließlich veröffentlicht werden wird. Deutsche Verbände haben viel unternommen, um den Bedürftigen Hilfe beim Ausfüllen des Formulars im Internet zu geben. Es gab Informationsanzeigen, im Internet waren kurze Filme veröffentlicht, die den Mitgliedern Mut machen sollten, um sich zu ihrer Nationalität zu bekennen. Jeder, der sich als Deutscher fühlt oder deutsche Wurzeln hat, soll das Recht haben, sich als Teil der deutschen Geschichte, Kultur und Tradition zu betrachten. Man muss betonen, dass das Beherrschen der deutschen Sprache keine Voraussetzung war, um bei der Frage nach der Nationalität “Deutsch“ angeben zu können.

Neben den Themen, die vor allem die deutsche Minderheit ausmachen, darf man den Krieg in der Ukraine nicht vergessen. Darüber, welche Auswirkung die Ukrainekrise auf das südliche Ostpreußen hat, berichtete der Repräsentant des Verbindungsbüros der Landsmannschaft Ostpreußen in Allenstein, Damian Wierzchowski. In ganz Europa gibt es ca. 5 Millionen Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine, darunter über 2 Millionen in Polen und über 300.000 Menschen in Deutschland. Die Kinder und deren Mütter bekommen vom polnischen Staat große Hilfe. Das Sondergesetz gibt ihnen viele Rechte. Mit der Vergabe der polnischen Sozialversicherungsnummer „PESEL“ wurde ihnen der Zugang zum Arbeitsmarkt, zum Gesundheitssystem und zu Sozialleistungen gewährt. Die Schulaufsichtsbehörde von Ermland und Masuren verkündete am 22.04.2022, dass man in 60 Schulen Vorbereitungsklassen eröffnet hat. Die Kinder werden dort 6 Unterrichtsstunden Polnisch pro Woche haben, neben anderen Schulfächern. Der Einfluss von Flüchtlingen wird in der nahen Zukunft auch einen Einfluss auf die zwischenmenschlichen Beziehungen in der Region haben. Hier müssen die Polen lernen, mit Menschen, die andere Erfahrungen gemacht haben, zusammen zu leben. Aus eigener Erfahrung hat Frau Irena Wissuwa erzählt, wie das Zusammenleben mit einer ukrainischen Familie aussieht. Auch im Hotel, in dem die Arbeitstagung stattfand, haben über 100 Flüchtlinge eine Unterkunft gefunden.

Einen interessanten Einstieg in seinen Vortrag wählte der Sensburger Vorsitzende Sebastian Jabłoński. Er sprach über die Auswirkung der Coronapandemie auf die Vereinsarbeit. Wegen der Maßnahmen, die zur damaligen Zeit in Polen galten, hat der Verein versucht, neue Wege zu gehen, damit das Zusammenleben der Mitglieder des Vereins gestärkt werden kann. An der frischen Luft war etwas mehr möglich als in geschlossenen Räumen: eine Gruppe von Vereinsmitgliedern hat die Gräber auf einem Friedhof in Mertinsdorf (Marcionkowo) gepflegt. Es gab auch zwei Fahrradtouren für Freiwillige, eine von Peitschendorf (Piecki) - nach Kleinort (Piersławek) und zurück und eine andere von Sensburg (Mrągowo) nach Peitschendorf (Piecki) und zurück. Schließlich hat der Chor Masurenklang die Früchte seiner Arbeit präsentiert. Die Gruppe hat ein paar Lieder gesungen, die sie während der Pandemie geübt hat.

Am zweiten Tag der Arbeitstagung gab Herr Heinrich Hoch, Vorsitzender des ostpreußischen Dachverbandes, eine umfangreiche Einführung ins Thema „Strukturen und Nachfolgeproblematik der Deutschen Vereine am Beispiel des DV Osterode“. Im Anschluss berichtete Ulf Püstow über die Bruderhilfe der Landsmannschaft Ostpreußen.

Zum Abschluss der Veranstaltung präsentierte Damian Wierzchowski den Veranstaltungskalender der LO-Repräsentanz in Allenstein. Das Sommerfest findet am 25. Juni dieses Jahres in Hohenstein statt. Eine Woche später (01.-03.07.) ist die Sommerolympiade der deutschen Jugend in Ermland und Masuren in Osterode geplant. Wenn die Situation es zulässt, werden noch andere Veranstaltungen organisiert, etwa ein Volkstanzseminar für Kinder und Jugendliche im Herbst.



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