20.05.2024

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Albrechtsdorf

Die bewegte Geschichte einer Gemeinde

Gründung durch den Deutschen Orden – Im Besitz von Gutsherren – Häufiger Wechsel der Eigentumsrechte

Wolfgang Kaufmann
15.04.2024

In Ostpreußen gab es nicht nur 89 Städte, sondern auch eine Vielzahl von Dörfern – allein im Kreis Preußisch Eylau existierten am Ende 112 davon. Hierzu zählte Albrechtsdorf [Wojciechy], das um 1880 zur zweitgrößten Landgemeinde des Kreises avancierte und auf eine ebenso wechselvolle wie typische Geschichte zurückblicken konnte, die ihre letzte abrupte Wende nahm, als die Ortschaft nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges unter polnische Verwaltung geriet.

Albrechtsdorf war wie viele andere Dörfer im heutigen Ostpreußen eine Gründung des Deutschen Ordens. In diesem Fall ging die Initiative von Heinrich von der Mauer alias Muro aus, dem Kommandanten der ältesten Ordensburg in der Region, Balga. Als erster Schulze der Siedlung, die wohl nach einem Bar-tensteiner Ordensbruder benannt wurde, fungierte Lambert Krumm. Schon bald nach der Gründung im Jahr 1335 verlor Albrechtsdorf seine Unabhängigkeit und geriet in den Besitz der Gutsherren von Groß Peisten – das geschah spätestens im Jahr 1362. Erster Lehnsherr war sicher ein Ritter des Deutschen Ordens, der hiermit für seine Dienste abgefunden wurde.

Gründer war Heinrich von der Mauer
Die Gutsherren wechselten sehr oft, und manchmal teilten sich auch mehrere Personen die Eigentumsrechte. Zunächst gehörte Albrechtsdorf der Familie Malgedin, dann dem prußischen Ritter Santunge und ab dem Ende des 14. Jahrhunderts wiederum den Malgedins. Aus späterer Zeit sind fünf Teileigentümer überliefert: der Vogt zu Preußisch Eylau, der Söldnerführer Hans Ponnau, Melchior von Kreytzen, Georg von Aulack und Hans von Kalckstein, ein Hofdiener des brandenburgischen Kurfürsten und Markgrafen Johann Georg. Um etwa 1600 gelang es Albrecht von Kreytzen auf Groß Peisten, Albrechtsdorf zu seinem alleinigen Besitz zu machen. Anschließend blieb das Dorf bis 1820 in den Händen der Familie von Kreytzen. Allerdings musste diese Albrechtsdorf zeitweise an die Herren von Lehndorff verpfänden. 1794 hob Erdmann von Kreytzen die Erbuntertänigkeit für alle seine Dörfer auf.

In der Zeit bis 1820 erlebte Albrechtsdorf wie etliche andere Gemeinden in der Region viel Ungemach. So kam es während des Dreizehnjährigen Krieges von 1454 bis 1466 zwischen den preußischen Ständen und dem Deutschen Orden zu schweren Verwüstungen und Plünderungen. Das wiederholte sich im Reiterkrieg, der 1519 ausbrach und eine Folge der Bestrebungen des letzten Ordenshochmeisters in Preußen Albrecht von Brandenburg-Ansbach war, den Deutschordensstaat von der Vormundschaft Polens zu befreien.

Die Reformation führte 1525 dazu, dass keine Gottesdienste mehr in der ab 1335 errichteten Kirche stattfanden, die den Mittelpunkt von Albrechtsdorf bildete. Der erste evangelische Pfarrer traf nicht vor 1577 ein, um in dem schlichten Bau aus Feldsteinen zu predigen.

Anschließend suchten mehrere Pestwellen Ostpreußen und damit auch Albrechtsdorf heim, so zum Beispiel 1610 und 1709 bis 1711. Im Jahr 1807 brachte die feindliche französische Armee die Ruhr in die Region um Preußisch Eylau. Laut Kirchenbuch starben damals 157 Einwohner von Albrechtsdorf, während es sonst im Jahresdurchschnitt nur um die 20 Todesfälle gab.

Ab 1820 führte die Bauernbefreiung im Zuge der Stein-Hardenbergschen Reformen in Preußen zu einer Übertragung des Landes rund um Albrechtsdorf an insgesamt 18 Bauern. Diese zahlten den ehemaligen Lehnsherren in Groß Peisten eine jährliche Rente von 665 Talern sowie den einmaligen Betrag von 1829 Talern für das erhaltene Vieh und Saatgut sowie die Arbeitsgeräte. Außerdem waren nun auch Grundsteuern in Höhe von 136 Talern pro Jahr zugunsten der Kreiskasse fällig.

Durch die Neuregelung der Eigentumsverhältnisse erlebte Albrechtsdorf einen erheblichen Aufschwung. So verdoppelte sich die Einwohnerzahl bis 1846 auf 646. 1885 lebten dann sogar 1214 Menschen in den 156 Wohnhäusern des Ortes. Danach kam es zu einem leichten Rückgang, weil manche nach Westdeutschland oder in die Ukraine auswanderten.

Aufschwung im 19. Jahrhundert
Rund um Albrechtsdorf lagen zum Ende des 19. Jahrhunderts 922 Hektar Ackerland und 183 Hektar Wiesen. Im Dorf selbst befanden sich eine dreiklassige Schule für bis zu 250 Kinder und drei Wirtshäuser. In denen verkehrten nicht nur die Bauern, sondern auch etliche Handwerker, die wegen der guten Infrastruktur nach Albrechtsdorf gezogen waren. Auf Initiative des Gemeindevorstehers Friedrich Krause wurden beispielsweise zwischen 1876 und 1879 die Dorfstraßen erneuert und sogar ein Bürgersteig angelegt. Dazu kamen später der Neubau der Schule und der Anschluss an die Chaussee von Landsberg nach Bar-tenstein. Außerdem gab es seit Oktober 1912 eine freiwillige Feuerwehr mit 20 Mitgliedern.

Ab 1928 war Albrechtsdorf das Zentrum eines Amtsbezirkes im Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichtes Barten-stein. Im Februar 1945 besetzte die Rote Armee Albrechtsdorf, das später wie der übrige südliche Teil Ostpreußens unter polnische Verwaltung kam. Dem folgte 1946/47 die Vertreibung aller deutschen Bewohner.


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