27.01.2026

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Genauso handlich wie ein heutiges „Navi“: Ein Locograph von 1898
Bild: ReithGenauso handlich wie ein heutiges „Navi“: Ein Locograph von 1898

Navigation

Die Blechbox zum Ziel

Der Locograph – Als die Österreicher das Ur-Navigationsgerät und den Vorläufer eines Fahrrad-GPS erfunden haben

Wolfgang Reith
27.01.2026

Im Jahr 1898 wurde im Österreichischen Patentblatt ein Gerät mit dem Namen Locograph registriert. Dabei handelte es sich um einen sogenannten Radfahr-Karten-Automaten, der heute als das erste Fahrrad-Navigationssystem der Welt gilt. Der an der Lenkstange des Fahrrads angebrachte Apparat, eine Blechbox, enthielt eingelegte Kartenstreifen zur automatischen Ortsbestimmung. Über eine Spindel am vorderen Rad übertrug sich die Vorwärtsbewegung auf ein Zahnrad, das die in dem Gerät aufgerollten detaillierten Karten analog zur Geschwindigkeit vorwärts spulte.

Anfang August 1898 lagen zunächst zwei Serien zu je vier Streckenkarten vor, im Monat darauf folgte eine dritte Serie mit erneut vier Kartensätzen, die zum Beispiel von Wien bis nach Brünn in Mähren oder Triest an der Adria reichten. Alle Blätter enthielten zugleich die betreffenden Rückfahrstrecken, außerdem die gefahrenen Kilometer, die an den Straßen sich jeweils befindenden Kilometer-Markierungen, die eine stete Kontrolle des richtigen Ganges des Apparates bildeten und etwaige Fehlfahrten bekannt gaben, sodann die zu fahrende Strecke selbst in vielfachen Fragmenten dargestellt, welche die Pläne der Ortschaften, Straßenabzweigungen, Bahnübergänge, Brücken, Flüsse etc. enthielten, schließlich die Namen der Ortschaften oder sogar auch einzelner Gehöfte samt darin befindlicher Post-, Telegraphen- und Telefonstationen, empfehlenswerte Hotels, Gast-, Wirts- und Kaffeehäuser, die in Kilometern angegebenen Entfernungen zwischen den Ortschaften, die Straßenprofile mit Angabe der Straßenverhältnisse und der Seehöhe sowie alle Sehenswürdigkeiten an den Strecken wie Schlösser, Ruinen, Klöster, Wallfahrtsorte, Fabriken und zuletzt Anmerkungen zu möglichen Mautstrecken, Vorsichtsmaßnahmen und Fahrordnungen. Hergestellt wurden die Karten, die auch ohne Apparat zu haben waren, von der Firma Ladislaus Grumm in Wien, die auf Morse-Apparate spezialisiert war. Das mechanische Navigationsgerät selbst präsentierte sich in Anzeigen als „Locograph“, zugleich „einfachster und bester Cyclometer der Welt (paten­tirt in den meisten Culturstaaten)“.

Die Zeitung „Der deutsche Radfahrer“ (Stuttgart) stellte in ihrer Ausgabe vom 8. Juli 1899 die „Grumm's Radfahrer-Streckenkarten ..., welche in Verbindung mit dessen patentiertem automatischen Apparate ‚Locograph' gedacht sind“, als Kuriosum vor, denn es wurde behauptet, dass schon viele einen solchen Gedanken gehabt, ihn jedoch „nach genauer Ueberlegung“ wieder fallengelassen hätten, „weil diese theoretisch hübsche Idee in der Praxis nicht durchführbar“ sei.

Der Apparat, so wurde bezweifelt, könne nur bei einer auf Schienen laufenden Maschine funktionieren, wenn das Verhältnis zwischen Bahnstrecke und Rad-Entwicklung genau mit dem der Karten-Reduktion und dem Cyclometer übereinstimme. Unmöglich aber werde eine auch nur annähernde Richtigkeit „trotz der richtigsten Karten-Reduktion“, weil der Radfahrer nicht maschinenmäßig fahre noch fahren könne, da er mitunter ausweichen und etwa beim Durchfahren von Ortschaften nicht immer den in seinem Apparat berechneten Weg nehmen, sondern hier und da eine Biegung machen müsse, wodurch sich eine Differenz ergebe, die unter Umständen mehrere Kilometer betragen könne.

Man sei daher neugierig zu erfahren, so hieß es in dem Zeitungsbericht weiter, „wie Herr Grumm hier eine durchaus nötige Kompensierung der unvermeidlichen Differenzen ermöglicht“, denn nur dann sei sein Apparat praktisch nutzbar.

Es ist nicht bekannt, ob die Nutzbarkeit des seinerzeitigen „Rad-Navi“ nachfolgend zu etwaigen Einschränkungen geführt hat, weshalb man davon ausgehen darf, dass es sich damals durchaus bewährt hat.


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