27.09.2021

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Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen

Die Elche sind los

Das Wildtier ist Heimatsymbol, Werbeikone und ist Protagonist der neuen Veröffentlichung aus dem Deutschordensschloss

Manfred E. Fritsche
12.07.2021

Der Elch – Wildtier, Heimatsymbol und Werbeikone“ – so heißt eine soeben erschienene Veröffentlichung des Kulturzentrums Ostpreußen in Ellingen. Das Heft entstand als Begleitheft der neuen gleichnamigen Kabinettausstellung, die noch bis Ende August im Kulturzentrum zu sehen sein wird.

In dem Heft wird der Elch mit den anderen Hirscharten verglichen, die zoologische Einordnung des wissenschaftlich „Alces alces“ genannten Tieres vorgenommen sowie auf seinen Lebensraum und seine Nahrung eingegangen. Erläutert werden die biologischen Zyklen der Fortpflanzung, beschrieben werden die Elchschaufel und die Kommunikation der Tiere untereinander.
Ein großes Kapitel nimmt die Geschichte der Elche in Ostpreußen ein, die seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts im Deutschen Reich nur noch dort zu finden waren. Durch Kultivierung des Landes und zunehmende Jagd waren die Tiere bereits im 16. Jahrhundert in anderen Landesteilen ausgerottet worden. In Sachsen und Schlesien wurden die letzten Tiere zwischen 1745 und 1780 erlegt.

Aus dem Jahr 1728 ist ein Bestand von 705 Elchen überliefert, die auf Befehl von König Friedrich Wilhelm I. geschont werden sollten. 1731 wurde ein Schutzgebiet mit 90 Kilometern Umkreis um Königsberg eingerichtet und jeglicher Abschuss ohne königliche Erlaubnis untersagt. Durch den Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1740) schrumpfte der Bestand auf sieben Tiere. Der sich erholende Bestand litt in den Napoleonischen Kriegen sowie durch Hochwasser und Seuchen erneut.

1851 wurde in der Oberförsterei Ibenhorst ein Elchschonrevier eingerichtet, es folgten die Reviere Tawellningken und Nemonien. Ab 1897 war die Jagd auf weibliche Tiere vollständig untersagt, männliche Tiere durften nur im September bejagt werden. Dem Bestand von 800 Tieren im Jahre 1914 setzte der Erste Weltkrieg erneut zu, sodass nur das Eingreifen des Militärs die Elche vor der Ausrottung retten konnte. Der ostpreußische Oberpräsident Ernst Ludwig Siehr erklärte 1920 den Elch zum „Naturdenkmal“ und verfügte Schonzeiten. Bis 1930 wuchs der Bestand wieder auf über 1000 Tiere an. 1937 wurde unter der Bezeichnung „Deutscher Elchwald“ ein über 46.000 Hektar großes Gebiet zum Reichsnaturschutzgebiet erklärt. Dadurch erreichte der Elchbestand bis 1945 seinen höchsten Wert mit über 1500 Tieren.

Die Eroberung Ostpreußens durch die Rote Armee 1944/45 überlebten nur wenige Tiere. Durch Schutzgesetze aus dem 1950er Jahren ist der Bestand bis 2020 wieder auf etwa 3100 Tiere gestiegen, weitere Exemplare leben in Naturschutzgebieten südlich von Lyck und nordwestlich von Warschau sowie im Königsberger Gebiet mit rund 1000 Tieren.

Die folgenden Kapitel beschreiben den Elch als Landessymbol, das vielfach wie etwa auf den Kurenwimpeln Verwendung fand. Erwähnt werden die Elchschaufel, die als Brandzeichen der Trakehner dient, Lieder und Gedichte über den Elch sowie als Motiv für Kunst und Fotografie. Für viele Menschen, die Ostpreußen als Lebensraum verloren haben, ist der Elch das Heimatsymbol. Zahlreiche Handelsprodukte verwenden ihn auf Aufklebern, Bierflaschen, Spirituosen und Kleidungsstücken. Weltweit ist er auf Briefmarken zu finden, und als Plüschtier ist er allgegenwärtig.

Abgeschlossen wird das Heft „Der Elch – Wildtier, Heimatsymbol und Werbeikone“ mit der Geschichte „Peter, der zahme Elch“, ein Auszug aus dem Buch von Lothar Graf zu Dohna „Ostpreußen – ein verlorenes Paradies“.

Das 34-seitige, auf hochwertigem Kunstdruckpapier hergestellte Druckwerk, das unter Mitwirkung des „Förderkreises Ostpreußisches Jagdmuseum – Hans-Ludwig Loeffke Gedächtnisvereinigung“ entstand, enthält zahlreiche historische Fotografien, farbige Abbildungen von Kunstwerken und Briefmarken sowie Schaubilder über das Leben der Elche.

• Das Heft kann vom Kulturzentrum Ostpreußen Ellingen in der Schloßstraße 9, 91792 Ellingen, Telefon (09141) 86440, Fax (09141) 864414, E-Mail: info@kulturzentrum-ostpreussen.de zum Preis von fünf Euro zuzüglich Porto und Versandkosten bezogen werden. Weitere Informationen gibt es auch unter Internet: www.kulturzentrum-ostpreussen.de.



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