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Den Linken ist sie schon lange ein Dorn im Auge: Doch die Bibliothek des Konservatismus in Berlin will nicht aufgeben
Im Berliner Stadtteil Charlottenburg, nur ein paar Gehminuten vom Bahnhof Zoo und von der Universität der Künste entfernt, liegt eine heftig umkämpfte Bildungseinrichtung: die Bibliothek des Konservatismus (BdK). Sie ist Linken und Grünen schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Von außen wirkt die Bibliothek ganz unscheinbar, ein graues Bürogebäude mit einer Glas- und Betonfassade. In den ersten Januartagen, als Berlin unter den Folgen des Stromausfalls nach einem mutmaßlich linksextremen Brandanschlag litt, war es hier ruhig und friedlich. Doch ruhig und friedlich ist hier derzeit nichts.
Seit einigen Monaten eskaliert der Kampf um die 2012 eröffnete Bibliothek. Ihre Büchersammlung mit mehr als 35.000 katalogisierten Werken, die größte Spezialsammlung im deutschen Raum zum Thema Konservatismus, macht sie in den Augen der Linken verdächtig. Zudem werden hier regelmäßig Seminare und Vorträge zu konservativen oder „rechten“ Themen abgehalten. Zu den Rednern, die in der BdK vorgetragen haben, gehörten etwa Thilo Sarrazin, der Staatsrechtler Ulrich Vosgerau oder die ehemalige BdV-Präsidentin Erika Steinbach. CDU-Mitglieder hielten hier Vorträge, aber auch AfD-Chefin Alice Weidel. Dazu eine lange Reihe Professoren und Publizisten. Die BdK, die im Kern auf eine Stiftung des Publizisten Caspar von Schrenck-Notzing zurückgeht, bietet einen Ort für Debatten, die sonst nur schwer möglich sind.
„Die wollen nicht nur lesen“, ätzte der „Spiegel“ schon vor einigen Jahren, und nannte die BdK eine „Denkfabrik rechter Kreise“. Die linke „taz“ wetterte, die Bibliothek sei „ein extrem rechter Vernetzungsort“. Antifa-Aktivisten warfen Farbbeutel oder schmierten Parolen an die Fassade. Der Grünen-Abgeordnete Ario Mirzaie nannte die Bibliothek „eine rechtsextreme Kaderschmiede mit akademischem Anstrich“. Aus seiner Sicht ist sie wohl die gefährlichste Bibliothek Deutschlands. Seit Jahren fordert er, dass die BdK aus dem öffentlichen Bibliotheksverbund ausgeschlossen werden soll.
Aktivisten wie der Berliner Abgeordnete Mirzaie dürften derzeit gute Laune haben. Denn der staatliche Gemeinsame Bibliotheksverbund (GBV), dem alle öffentlichen Bibliotheken in Norddeutschland angehören, hat die Mitgliedschaft der BdK gekündigt und will sie aus dem Verbundkatalog herausschmeißen.
„Damit wären die Bestände der Bibliothek nicht mehr zu recherchieren – weder von außen noch von innen. Die Bibliothek würde praktisch unsichtbar“, sagt Wolfgang Fenske, ein promovierter evangelische Theologe. Der öffentlich-rechtliche GBV-Verband weigert sich, die Kündigung zu begründen. Zahlreiche Medien haben vergeblich nachgefragt. BdK-Leiter Fenske geht von politischen Gründen aus. Die konservative Einrichtung soll ausgegrenzt werden.
Dieser Akt, durch eine digitale Löschtaste mehr als 35.000 Bücher verschwinden zu lassen, hat republikweit Debatten ausgelöst. Die „NZZ Deutschland“ nannte das „ein Armutszeugnis für Deutschland“. Das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit protestierte in einem Offenen Brief an die Chefin des GBV-Verbands, Regine Stein. Mehr als 300 Wissenschaftler unterzeichneten ihn. Die unbegründete Kündigung einer langjährigen Mitgliedsbibliothek sei „ein schwerwiegender Eingriff in die Wissenschaftsinfrastruktur und mithin die Wissenschaftsfreiheit“, kritisierten die Professoren.
Eine Welle von Solidarität
Ob die Kündigung wirksam wird, ist noch in der Schwebe. Die Bibliothek klagt dagegen. Anfang Januar waren die BdK-Bücher im OPAC-System der öffentlichen Hochschulbibliotheken noch recherchierbar. Vielleicht wartet der GBV ab, was das Göttinger Gericht zur Kündigung sagt. Aber der digitale Stecker könnte jetzt jederzeit gezogen werden.
Drinnen in der umkämpften Einrichtung sieht es aus wie in jeder ganz normalen Bibliothek: lange Reihen mit Regalen bis an die Decke, dicht bestückt mit Büchern. Das inhaltliche Spektrum umfasst die konservative Gegenbewegung nach der Französischen Revolution, Werke des 19. Jahrhundert, eine große Sammlung von Autoren der sogenannten Konservativen Revolution aus der Zwischenkriegszeit 1918 bis 1939. Dazu viele Tausende Bücher der neueren Zeit. Auch Kritiker des Konservatismus sind vertreten.
Fenske betont die enorme Bandbreite der Bibliothek: „Sie bildet die gesamte konservative Geistesgeschichte seit 1789 ab, nicht nur als politik-geschichtliche Bewegung, sondern auch Literatur, Kunst, Architektur, Philosophie, Theologie.“ Es gibt einige kostbare frühe Ausgaben. Manche sehr seltenen Bücher besitzt nur die BdK und finden sich in keiner öffentlichen Hochschulbibliothek.
Getragen wird die Charlottenburger Einrichtung von der Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung (FKBF). Deren Stiftungsratsvorsitzender ist Dieter Stein, der Chefredakteur der Wochenzeitung „Junge Freiheit“. Er zeigt sich empört über die Versuche, die Bibliothek aus dem öffentlichen Raum zu drängen. „Die Linke will die Trennung der Öffentlichkeit in verschiedene Zonen, die respektablen, salonfähigen Institutionen und die ausgegrenzten Institutionen“, sagt Stein.
Seit Jahren betrachte es die politische Linke als Ärgernis, dass die Konservatismus-Bibliothek in den wissenschaftlichen Verbund eingegliedert war. „Die BdK ist ein einzigartiges Projekt“, betont Stein, „so eine große Bibliothek mit einer unübersehbaren Fülle an Schriften zur konservativen Denkrichtung gibt es in ganz Europa nicht nochmal.“
Die Bibliothek steht nicht nur Konservativen, sondern auch Kritikern offen, wie die „Süddeutsche Zeitung“ („SZ“) bemerkte. Selbst der linksliberale Autor der „SZ“ zeigte sich irritiert, dass versucht werde, Bücher zu verbannen. Es sei besser, die „bösen Bücher“ zu lesen und zu studieren.
Jedes Jahr kommen Hunderte Interessierte, Forscher und Studenten, erzählt BdK-Leiter Fenske. „Zudem ist die BdK einer der wenigen Räume, wo man frei tagen kann, Veranstaltungen und Seminare abhalten kann“, betont FKBF-Vorsitzender Stein. Sie leiste „Bildung für eine junge konservative Generation“.
Genau das will die politische Linke verhindern. Sie hat in den Jahrzehnten nach 1968 die geistige Dominanz an den Universitäten errungen. Doch jetzt spürt sie, dass der politische Wind in der Republik sich dreht. Umso gereizter reagiert sie. FKBF-Chef Stein sieht in der ganzen Aufregung um die Kündigung der Bibliothek auch etwas Gutes. „Es gab eine enorme Welle von Solidarität, Tausende Spenden und neue Interessenten für die BdK, die dadurch enorm an Bekanntheit gewonnen hat.“ Das immerhin habe die von Linken und Grünen betriebene Kampagne gegen die „gefährliche Bibliothek“ schon sicher erreicht.