27.09.2021

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Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen: Saalfeld – Geschichte der Stadt. Eine Ausstellung des Kulturzentrums Ostpreußen in Ellingen/Bayern/Zalewo – Dzieje Miasta, 2021, geheftet, 30 Seiten, 4 Euro
Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen: Saalfeld – Geschichte der Stadt. Eine Ausstellung des Kulturzentrums Ostpreußen in Ellingen/Bayern/Zalewo – Dzieje Miasta, 2021, geheftet, 30 Seiten, 4 Euro

Stadtchronik

Die Geschichte der Stadt Saalfeld

Das Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen veröffentlicht eine zweisprachige Publikation

01.05.2021

Am 23. Januar 1945 kamen sowjetische Truppen und am 24. Januar 1945, genau 640 Jahre nach der Stadtgründung, schien das Ende Saalfelds gekommen zu sein“ – Kirche, Schule, Feuerwehrhaus und weitere 60 Häuser überstanden die sowjetische Zerstörungswut, 75 Prozent der Stadt waren vernichtet. Dieses Fazit zum Kriegsende beschreibt das Heft des Kulturzentrums über die vom Deutschen Orden gegründete Stadt im Südwesten Ostpreußens, im Oberland, das auch den Namen Hockerland trug. Das Gebiet mit dem Ewing-See und dem Geserich-See gehört zur Eylauer Seenplatte. In der Stadt mit dem mittelalterlichen Stadtkern auf etwa 115 Meter über dem Meeresspiegel kreuzten sich zwei Landstraßen: von Christburg nach Osterode und von Rosenberg nach Mohrungen.

Vom Deutschen Orden gegründet

Um das Jahr 1000 bewohnten die Prußen die Gegend, bis nach 1230 der Deutsche Orden in die Region kam. Es entstanden Burgen und Siedlungen, darunter Christburg, Rosenberg und 1305 auch Saalfeld. Komtur Sieghard von Schwarzburg verlieh Saalfeld in diesem Jahr die Handfeste und am 24. April 1334 erhielt der Ort die vollen Stadtrechte. Zuerst wurde eine Wehrkirche errichtet, dann entstanden Stadtmauern mit zwei Toren, die ein Quadrat von 8,4 Hektar umschlossen und an drei Seiten von einem Graben geschützt wurden.

Die Grundsteinlegung für die St. Johannis-Kirche fand 1331 statt, am 4. Dezember 1351 wurde sie eingeweiht. 1559 wurde ein Anbau, die „polnische Kirche“, erstellt, in dem bis 1802 Messen in polnischer Sprache stattfanden. Die nach Westen orientierte Kirche aus gefugtem Backstein und im gotischen Verband erbaute evangelische Kirche wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der katholischen Kirche übernommen.

Unter Hochmeister Winrich von Kniprode begann ein „goldenes Zeitalter“ in Saalfeld. 1395 hatte die Stadt etwa 700 Einwohner. Allerdings sank nach der Schlacht von Tannenberg der Einfluss des Ordens und polnische Truppen fielen ein. 1455 wurde die Stadt, die nicht mehr vom Orden zu halten war, niedergebrannt.

Nach dem Zweiten Thorner Frieden 1466 lag die Stadt direkt an der Grenze zu Polen, die folgende Pestepidemie entvölkerte das Land. Um 1475 kamen neue Siedler, 1480 wurde ein Kloster der Barfüßer gegründet, das bis 1527 bestand und im Zuge der Reformation aufgelöst wurde. Durch die „Preußische Huldigung“ wurde 1525 der Ordensstaat in ein weltliches Herzogtum umgewandelt. Dieses wurde in drei Kreise aufgeteilt, Hauptstadt des „Oberländischen Kreises“ wurde bis 1752 Saalfeld. 1587 wurde eine Fürstenschule des Herzogtums eingerichtet, die bis 1805 bestand. Im 16. Jahrhundert zogen evangelische Siedler aus Polen in die Region.

1626 wurde das Herzogtum Preußen in den polnisch-schwedischen Krieg hineingezogen. Ruhe in der Region zog erst 1660 wieder ein, aber Saalfeld war völlig zerstört. Kaum aufgebaut, vernichtete ein großer Stadtbrand 1688 wieder einen Großteil der Stadt. Friedrich Wilhelm I. förderte durch Steuerbefreiung eine lange Aufbauphase, 1726 wurden 139 Häuser und 199 Einwohner verzeichnet. Wenige Jahre später im Siebenjährigen Krieg wurde der Ort durch die Russen besetzt, denen wiederum die Pocken folgten und 73 Personen den Tod brachten.

Die Stadt wurde viermal zerstört

1807 rückten französische Truppen ein, und ein französisches Lazarett wurde eingerichtet, das für die folgende Typhus-Epidemie nicht ausreichte. Nach dem Befreiungskampf gegen die Franzosen folgte 1831 die Cholera, die auch die Stadt heimsuchte.

Die jüdische Gemeinde erbaute 1838 ein Bethaus, das 1844 zu einer Synagoge ausgebaut wurde. 1852 wurde eine allgemeine Stadtschule und 1854 eine Privatschule für Mädchen errichtet.

1334 wurde der Weinsdorfer Kanal erbaut, der 760 Meter lang war und über den das Frische Haff erreicht werden konnte. Beim Bau des Oberländischen Kanals bis 1861 wurde er vertieft, verbreitert und verlängert, sodass Saalfeld einen vollwertigen Anschluss an diese wichtige Wasserstraße bekam.

1883 wurde die Kaiserliche Post fertiggestellt, am 12. Oktober 1898 hatte die neu gegründete Feuerwehr beim Brand des Gerichtsgebäudes in der Klosterstraße ihre Bewährungsprobe. Die erste Eisenbahnstrecke zwischen Elbing und Osterode wurde am 1. September 1893 in Betrieb genommen, 1902 nahm das Elektrizitätswerk seine Arbeit auf. 1905 wurde das 600-jährige Stadtjubiläum gefeiert, die Stadt hatte 2587 Einwohner, davon waren 2436 evangelischen, 72 katholischen und 69 jüdischen Glaubens.

Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte die Stadt weiter zum Deutschen Reich. 1928 wurde eine Stadtrandsiedlung gebaut, um die Wohnungsnot zu lindern. In der Stadt waren eine Molkerei, zwei Dampfmühlen, eine Lederwarenfabrik, zwei Landmaschinenfabriken, eine Ziegelei sowie mehrere Sägewerke vorhanden.

Nach der Machtübernahme durch die NSDAP 1933 wurde die Bevölkerung durch die neue Politik beeinträchtigt. In der Pogromnacht brannte die Synagoge nieder, die Feuerwehr durfte auf Anordnung der Parteileitung nur die anliegenden Häuser schützen. Die Ruine wurde in den nächsten Tagen abgetragen und alle Spuren beseitigt.

Bei Kriegsausbruch 1939 wurden fast alle waffenfähigen Männer Saalfelds eingezogen. 1944 näherten sich die Sowjets und am 21. Januar 1945 wurde der Räumungsbefehl gegeben – zu spät, um der Roten Armee zu entkommen. Am 22. Januar kamen die sowjetischen Panzer, die Menschen in der Stadt wurden zusammengetrieben, es folgten zahlreiche Erschießungen.
Am folgenden Tag plünderten die Truppen die Stadt und steckten sie in Brand, wobei 75 Prozent der Bausubstanz zerstört wurde. Nach der Übernahme der Macht durch die Polen am 31. Mai 1945 kamen Umsiedler aus Ostpolen in die Stadt, die noch verbliebenen Deutschen wurden fast alle nach Westen abtransportiert. Ende 1945 wohnten in Saalfeld nur noch etwa 500 Personen, meistens Polen.

Im November 1945 verlor Zalewo die Stadtrechte und 1947 wurde die erste Buslinie nach Mohrungen eingerichtet. Ein staatlicher Betrieb für Traktoren und landwirtschaftliche Maschinen wurde eingerichtet, es folgten eine Poststelle, eine Bank und ein Gesundheitszentrum. Die Einwohnerzahl erhöhte sich von 650 in 1948 über 1450 in 1956 auf 1960 im Jahre 1970.

42 Jahre ohne Stadtrechte

Nach der Instandsetzung der Wasserleitungen und Kanalisation um 1979 wurde 1984 ein Kulturzentrum errichtet und am 1. Januar 1987 erfolgte die erneute Verleihung der Stadtrechte. Nach mehreren Jahren guter Beziehungen wurden Saalfeld in Thüringen und Zalewo am 29. Juni 2001 Partnerstädte.

Die 30-seitige, auf hochwertigem Kunstdruckpapier hergestellte Stadtbeschreibung enthält zahlreiche historische, teilweise farbige Abbildungen. Der gesamte Text ist zweisprachig in Polnisch und Deutsch.

Das Heft kann vom Kulturzentrum Ostpreußen Ellingen in der Schloßstraße 9, 91792 Ellingen, Telefon (09141) 86440, Fax (09141) 864414, E-Mail: info@kulturzentrum-ostpreussen.de zum Preis von vier Euro zuzüglich Porto und Versandkosten bezogen werden. Weitere Informationen gibt es unter
Internet: www.kulturzentrum-ostpreussen.de



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