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Der Wochenrückblick

Die Kolonien der „Antikolonialisten“

Warum die Grünen zwei Chefs benötigen, und wie wir dem „globalen Süden“ auf die Finger klopfen

Hans Heckel
11.03.2023

Warum haben die Grünen eigentlich gleich zwei Parteivorsitzende? Die immer noch weitaus mitgliederstärkere CDU schafft es schließlich, mit nur einem Chef durchs Leben zu kommen. Ach ja, wegen der Quote, hätte man früher gesagt – ein Mann, eine Frau. Aber das zieht nicht mehr, seitdem man im grünen Lager entdeckt zu haben meint, dass es nicht zwei, sondern zahllose Geschlechter gibt.

Also warum immer noch zwei? Vielleicht deshalb: Sie haben ja auch von dem Zank zwischen den Grünen und der FDP gehört. Der Zwist interessiert natürlich auch die öffentlich-rechtlichen Sender, weshalb sie sich mit den Chefs der streitenden Ampelpartner unterhalten wollen, ausgewogen und objektiv wie immer.

Dazu luden der „Bericht aus Berlin“ von der ARD und das kurz darauf ausgestrahlte ZDF-Format „Berlin direkt“ je einen Parteichef ein. Bei der ARD durfte Ricarda Lang von den Grünen ihre Sicht der Dinge schildern und beim ZDF – Christian Lindner? Nein, dort stellte Omid Nouripour, Langs Co-Partner in der Grünenspitze, die Lage dar. Hätten die Grünen nur einen Chef, den man den Zuschauern gleich zweimal hintereinander präsentiert hätte, wäre die Schlagseite der Staatsfunker doch allzu sehr aufgefallen. So erfüllt die Doppelspitze ihren Sinn: zur Simulation von Vielfalt.

Wir erinnern uns an die Umfrage bei den ARD-Volontären von 2020, bei der 92 Prozent angaben, zu Grün-Rot-Rot zu tendieren, wobei die Grünen mit 57 Prozent ganz klar dominierten. Es ist also recht wahrscheinlich, das bei Interviews in ARD-Sendungen ein Grüner die Fragen stellt, wenn ein Grüner befragt wird. Und auch, dass ein Grüner entscheidet, wen man überhaupt zum Gespräch bittet, wobei dann – Überraschung! – überdurchschnittlich häufig wiederum Grüne auf der Einladungsliste landen.

Diese breite Unterstützung seitens der Gebührenmedien ist aber auch bitter nötig. Denn die Lieblingspartei der staatlichen Medienmacher muss in immer engerem Takt verkraften, wie die eigenen Widersprüche immer heftiger über ihr zusammenklatschen. Da bedarf es emsiger Claqueure, die jene Widersprüche zumindest an der Oberfläche so verkleistern, dass nicht jeder gleich mitbekommt, wie krass die grüne Ideologie von der Wirklichkeit vorgeführt wird.

Gerade erst hatte der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller (Grüne, was sonst?), gedroht, E-Autos und Wärmepumpen den Strom zu rationieren, weil die verfügbare elektrische Energie womöglich nicht mehr ausreiche. Eine gefühlte Sekunde später tritt der grüne Wirtschafts- und Klimaminister Habeck ans Mikro und verkündet seinen rabiaten Maßnahmenkatalog zum Kampf gegen Öl- und Gasheizungen, die gar nicht schnell genug durch Wärmepumpen ersetzt werden sollen, derweil er auf den liberalen Verkehrsminister losgeht, weil der sich dem Verbrennerverbot schon ab 2035, also in nur zwölf Jahren, in den Weg stellen will.

Kurz zu den Zahlen: 2022 fuhren 900.000 E-Mobile über Deutschlands Straßen und etwa eine Million Haushalte verfügten über eine stromgetriebene Wärmepumpe. Wie Sie neulich in der PAZ lesen konnten, entspricht das jeweils etwa zwei Prozent des Gesamtmarktes. Also obwohl die Stromproduktion nicht mehr ausreichen könnte, um auch nur diese mickrigen zwei Prozent zuverlässig zu versorgen, will Habeck die Stromnachfrage gleichsam in Lichtgeschwindigkeit um ein Vielfaches nach oben schrauben.

Wer sich nicht beugt, geht leer aus

Es läuft genauso im gerade ausklingenden Winter: Nur weil wir einen (angeblich vom menschengemachten Klimawandel hervorgerufenen) milden Winter hatten, hat uns die grüne Energiewende nicht in den Blackout geschickt. Wäre das klimapolitische Ziel eines kalten Winters erreicht worden, hätte wer weiß was passieren können. Nun ist es ähnlich: Nur wenn Habeck seine Ziele verfehlt – und zwar massiv –, wird es nicht zum Kollaps der Stromversorgung und damit zum Offenbarungseid grüner Energiepolitik kommen. Sonst: gute Nacht.

Solche Widersprüche würden jeder bürgerlichen Partei um die Ohren gehauen werden. Nicht jedoch den Grünen, und auch nicht der SPD. Unsere sozialdemokratische Entwicklungshilfeministerin Svenja Schulze will Baerbocks „feministische Außenpolitik“ durch eine ebenso „feministische“ Entwicklungspolitik vertiefen. Auf der Internetseite des Schulze-Ministeriums liest sich das so: „Bisher wurden Frauen und Mädchen häufig im Rahmen bestehender Strukturen unterstützt. Mit der Neuausrichtung der Entwicklungspolitik sollen ungerechte Machtstrukturen verändert werden.“ Zu diesem Zweck will man den Entwicklungsländern beim Erbrecht, bei der politischen Repräsentanz (mehr Frauen in die Ämter), bei der Familienplanung und vielem mehr auf die Finger klopfen. Bis 2025 sollen 93 Prozent der deutschen Hilfe nur unter der Bedingung fließen, dass die geförderten Länder auch spuren. Man könnte es kulturelle Erpressung nennen, aber so richtig heiter wird einem erst zumute, wenn man sich vor Augen hält, dass das alles unter dem stolzen Banner des „Antikolonialismus“ vollstreckt werden soll.

Dabei waren die alten Kolonialmächte noch regelrecht zurückhaltend im Vergleich zu ihren „antikolonialistischen“ Nachfolgern. Damals ließ man die kolonisierten Völker lieber weitgehend in ihrer Kultur weiterleben und griff bloß bei wirklich nicht hinnehmbaren Auswüchsen wie der in Afrika allgemein üblichen Sklaverei ein.

Heute ist von der einstigen Zurückhaltung nichts mehr zu spüren: Wer sich der eisernen Standpauke aus Berlin nicht beugt, geht leer aus, Pech gehabt!

Erwartungsgemäß vermögen es die „Antikolonialisten“ meisterhaft, ihren polit-kulturellen Erpressungsfeldzug in wunderschönste Propaganda-Lyrik zu wickeln. So lesen wir beim Schulze-Ministerium: Entstanden sei die Strategie „durch umfangreiche Diskussionen mit der deutschen und internationalen Zivilgesellschaft, internationalen Organisationen und der Wissenschaft. Dabei wurde vor allem den Stimmen aus dem Globalen Süden Raum gegeben, um mit den Partnerländern vor Ort Entwicklungspolitik gemeinsam zu gestalten.“

Sie haben also mit der „deutschen und internationalen Zivilgesellschaft“ gesprochen. Wer soll das sein? Wir haben eine Ahnung: Ganz nach dem Muster „Linker Journalist trägt linken Politiker durch die Sendung“ hat man ideologisch Nahestehende aus dem In- und Ausland zusammengetrommelt. Dazu durften noch ein paar Gesinnungsgenossen aus dem „globalen Süden“ am Tisch Platz nehmen, die darauf brennen, als bestbezahlte Projektmanager die feministische Umerziehung in den Ideologie-Protektoraten im Auftrag der deutschen „Antikolonialisten“ durchzudrücken. Oder zumindest so zu tun, damit man etwas in seine Erfolgsberichte schreiben kann, um die Anschlussfinanzierung zu sichern – und alle sind glücklich.


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Kommentare

Chris Benthe am 17.03.23, 05:56 Uhr

Es hat überhaupt keinen Sinn mehr, sich ernsthaft mit diesem grünen Schwachsinn auseinanderzusetzen. Hoffnungslos vom realen Weltgeschehen entfernt und am Ende wird das Konstrukt genau daran scheitern, krachend.
Also zurücklehnen und abwarten, bis die deutsche Michelmütze kapiert, wen und was sie da gewählt hat.

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