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Psychologie

Die Leiden der Heranwachsenden

Ein Tübinger Förderverein hat psychisch erkrankte Kinder- und Jugendliche sowie deren Eltern oder Erzieher über ihre Erfahrungen befragt

Silvia Friedrich
13.02.2021

Eine Ärztin und eine Studienrätin, die an einer Klinikschule arbeitet, ein Philosoph und Kinderarzt, der als Stellvertreter des Ärztlichen Direktors an einer Tübinger Kinder- und Jugendpsychiatrie tätig ist, haben zusammen ein Buch herausgegeben, das jeden, der sich in die einzelnen Berichte vertieft, zutiefst erschüttern wird.

Einblicke in die Erlebnisse
„Vögel im Kopf“ sind Geschichten aus dem Leben seelisch erkrankter Jugendlicher, die ihre Erlebnisse schildern. Ebenso zu Wort kommen Angehörige, Lehrerinnen und Mitarbeiterinnen der Jugendpsychiatrie. Entstanden ist das Werk aufgrund einer Befragung der jungen Patienten durch den Förderverein der Kinder- und Jugendpsychiatrie Tübingen Schirm e.V.

So wurden über 60 verbürgte Lebensabläufe aufgeschrieben. Die Betroffenen und ihre Angehörigen schildern in dem Buch, wie sie die psychischen Erkrankungen erlebt und durchlitten haben sowie welche Berg- und Talfahrten die Familien mit erkrankten Kindern und Jugendlichen meist bewerkstelligen müssen.

Es geht um Depressionen, Zwangshandlungen, Panikattacken, Ess- oder Magersucht, wobei es den Herausgebern wichtig ist, die allgemeine Tabuisierung psychischer Erkrankungen aufzubrechen. Am Ende eines jeden Berichts, die sich alle durch eine nahegehende sprachliche Wucht auszeichnen, gibt es jeweils eine kurze Biographie des Berichtenden.

Die Tabuisierung aufbrechen
Psychische Erkrankungen seien etwas, was man habe und nicht etwas, was man sei, heißt es im Nachwort. Menschen mit psychischer Erkrankung seien nicht eins mit ihrer Erkrankung und dürften nicht darauf reduziert werden.
Wer ehrlich mit sich selbst ist, wird wahrscheinlich in der persönlichen Umgebung von ähnlichen Geschichten schon gehört, sie vielleicht selbst durchlebt haben.

Mit diesem Band gelingt es den Herausgebern, die Leiden der Heranwachsenden öffentlich zu machen, um ihnen auf diese Weise eine wichtige Stimme und Gehör zu verschaffen.



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