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Aristokratie

Die Letzte der Hechinger Hohenzollern

Vor 175 Jahren starb Eugénie de Beauharnais. Ihr Vermächtnis blieb die Villa Eugenia in Hechingen vis-à-vis der Hohenzollernburg

Harald Tews / Martin Stolzenau
30.08.2022

Im schwäbischen Hechingen erinnert die Villa Eugenia an die letzte Fürstin von Hohenzollern-Hechingen. Das frühklassizistische Bauwerk ist nach Eugénie de Beauharnais benannt, die vor 175 Jahren gestorben ist.

Der brandenburg-preußische Zweig der Hohenzollern, welcher die preußischen Könige und deutschen Kaiser stellte, ist vergleichsweise jung und hat sich erst im 15. Jahrhundert gebildet. Der um 400 Jahre weitaus ältere Teil ist die schwäbische Linie mit der Stammburg der Hohenzollern bei Hechingen.

Die wie auf einem Vulkankegel stehende und die Landschaft beherrschende Burg steht vis-à-vis der im Vergleich eher schlichten Villa Eugenia in Hechingen, in die Eugénie mit ihrem Gemahl, dem Erbprinzen und späteren Fürsten Konstantin von Hohenzollern-Hechingen, im Jahr 1834 einzog. Zuvor ließen die beiden das von Josef Friedrich Wilhelm von Hohenzollern-Hechingen 1786/87 als Lustgartenhaus errichtete Bauwerk im spätklassizistischen Stil umbauen und um zwei Seitenflügel erweitern.

Mit Eugénie zog kaiserlicher französischer Glanz in die Villa Eugenia ein, denn sie war Stiefenkelin von Napoleon Bonaparte. Ihr Vater Eugéne de Beauhar­nais war ein Sohn von Napoleons erster Ehefrau mit deren ersten Mann. Kaiser Napoleon schmückte seinen Stiefsohn später mit dem Titel Vizekönig von Italien. Nachdem er von Napoleon mit Prinzessin Auguste Amalie von Bayern verheiratet worden war, erhielt Beauhar­nais zusätzlich von seinem Schwiegervater, dem bayerischen König Maximilian I. Joseph, die Titel Herzog von Leuchtenburg und Fürst von Eichstätt verliehen.

Seine 1808 in Mailand geborene und als Eugénie Hortense Auguste Napoléone de Beauharnais getaufte Tochter durfte sich Prinzessin von Leuchtenburg nennen. Sie verbrachte ihre Kindheit und Jugend vor allem im Palais Leuchtenburg in München, im Schloss Ismaning und in der Residenz Eichstätt. Dazu kamen häufige Aufenthalte in dem von ihrem Vater errichteten Schloss Eugensberg im heutigen Ort Salenstein am Bodensee.

Ein Leben in Luxus

Dabei wuchs sie umgeben von großem Luxus auf. Von Zeitzeugen ist überliefert, dass ihr Vater in seinem Münchner Palais, das vom damaligen Stararchitekten Leo von Klenze erbaut worden war, einen größeren Prunk entfaltete, als das dem Hof der Wittelsbacher möglich war. Als ihr Vater 1824 starb, erbte die Prinzessin neben viel Geld das ebenfalls prunkvolle Schloss Eugensberg. Am 22. Mai 1826 heiratete sie im Dom zu Eichstätt den ebenfalls katholischen Erbprinzen von Hohenzollern-Hechingen. Ihre große Mitgift war ein Segen für das Fürstentum.

Das Erbprinzenpaar lebte abwechselnd auf Schloss Lindich bei Hechingen sowie auf Schloss Eugensberg. Eugénie besuchte zudem oft ihre Tante Hortense und ihren Cousin Louis Napoleon, den späteren Kaiser Napoleon III., und ihre Mutter, die in München residierte. Dort wurde die Erbprinzessin nach der Geburt der Prinzessin Elisabeth in Bayern 1837 deren Taufpatin. Das war niemand anderes als die spätere österreichische Kaiserin, die unter Kosenamen „Sisi“ zur Legende wurde.

Nach dem Tod ihres als König von Bayern regierenden Schwiegervaters Maximilian I. Joseph im Jahr 1825 und ihrem Verkauf von Schloss Eugensberg, der viel Geld einbrachte, intensivierte sie ihre Wohltätigkeit. Dazu kamen zahlreiche Um- und Ausbauten der fürstlichen Häuser. Im Mittelpunkt stand die Villa Eugenia in Hechingen mit einem Gästehaus und einem englischen Landschaftsgarten. Das an Musik interessierte Fürstenpaar unterhielt eine Hofkapelle mit etwa 20 Musikern, gründete eine Musikgesellschaft sowie einen Musikverein und veranstaltete sonntägliche Hofkonzerte, zu denen auch die Musikliebhaber des Fürstentums zugelassen waren.

Liszt und Berlioz zu Besuch

Bei diesen Gelegenheiten fand sich in der Villa Eugenia viel Prominenz ein. Das reichte von Cousin Louis Napoleon über Hector Berlioz bis zu Franz Liszt, die der Hofkapelle einen guten Klang bescheinigten. Liszt hielt sich sogar einige Monate in Hechingen auf. Die Musik war wohl auch das wichtigste Bindeglied zwischen der Fürstin Eugénie und dem Fürsten Konstantin, der auch selbst komponierte, wenn er sich nicht gerade in außerehelichen Affären übte.

Die Fürstin dagegen tröstete sich über diese Enttäuschung und ihre eigene Kinderlosigkeit außer mit der Musik vor allem mit immer mehr Frömmigkeit und Wohltätigkeit. Das war ihr Ventil. Doch diesem segensreichen Wirken mit Stiftungen für die Kirche, Kinderhäuser, Altersheime und Krankenhäuser waren nur wenige Jahre beschieden. Fürstin Eugénie erkrankte 1842 an Tuberkulose, die von den Hofärzten mit mittelalterlich-rückständigen und aus heutiger Sicht unverständlichen Methoden therapiert wurde. Das reichte vom „Inhalieren von Kuhdungdämpfen“ bis zum „Verbrennen von Moxastäbchen auf ihrer Brust“.

1847 weilte sie zu einer erfolglosen Kur in Badenweiler. Auf der Rückreise starb die erschöpfte Fürstin am 1. September 1847 im Freudenstädter Hotel Post. Ihre letzte Ruhe fand sie vor dem Hochaltar der Stiftskirche in Hechingen. In der Stiftskirche des Orts erinnert ein Gedenkfenster mit ihrem Abbild und im Hechinger Amtsgericht eine Büste an sie.

Einen Großteil ihres Vermögens von rund 850.000 Gulden bestimmte sie per Testament für wohltätige Zwecke. Nach ihrem Tod wurden die Konzerte in Hechingen beendet. Die kurze Zeit der kulturellen Blüte der Residenz war damit zu Ende. Der verwitwete Fürst zog sich 1848 auf seine Güter in Schlesien zurück und überließ per Urkunde vom 8. April 1850 sein Fürstentum der Hohenzollern-Verwandtschaft in Berlin.

So kam es, dass preußische Prinzen und Prinzessinnen die Villa Eugenia unter Beschlag nahmen. Danach begann der Verfall für das geschichtsträchtige Bauwerk. Seit 2001 kümmert sich ein Förderverein um die Erbpflege und die Sanierung des Gebäudes, das mit Mitteln des Landes Baden-Württemberg und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz auf einem guten Weg ist. Danach soll das Haus wieder ein Ort der Musik werden.



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