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Werden kaum je als „Aufmärsche“ oder „Krawalle“ angeprangert, sondern als „Demonstrationen“ verharmlost: Linke Gewaltexzesse, hier beim G-20-Gipfel 2017 in Hamburg
Foto: imago/Christian MangWerden kaum je als „Aufmärsche“ oder „Krawalle“ angeprangert, sondern als „Demonstrationen“ verharmlost: Linke Gewaltexzesse, hier beim G-20-Gipfel 2017 in Hamburg

Meinungsmache

Die manipulierende Sprache der Linken

Wie das Denken von Medienkonsumenten auf subtile Weise beeinflusst wird, um ihnen die gewünschte Gesinnung einzuträufeln – kriminologisch-akribisch entlarvt von Buchautor Holger Schmitt

Josef Kraus
12.09.2021

Aufmerksame Leser spüren es nicht nur, sondern sie wissen es seit Langem: Viele Journalisten der Mainstreampresse betreiben ein suggestives und selektives „wording“. „Framing“ heißt das nun nicht minder neuhochdeutsch. Es bedeutet: Einen bestimmten Sachverhalt so „rahmen“, das heißt, in einen bestimmten Kontext stellen, dass der Sachverhalt zu den oft genug politisch einseitigen Absichten des Verfassers passt. Nachricht und Kommentar vermischen sich in den Medien ohnehin immer mehr. Kritische Leser merken, wem die politischen Sympathien der Verfasser gehören.

Da ein schräger Begriff, dort eine negative Etikettierung, hier eine bewusst anrüchige Assoziation, dort ein Euphemismus für vermeintliche politische Sympathieträger. Merkel als „Mutti“, nüchterne Naturwissenschaftlerin, stets vom Ende her Denkende, Uneitle, als Führerin der freien Welt ... Auf der anderen Seite die „Umstrittenen“, die „Leugner“, die „Rechten“, die „Populisten“, die „Stockkonservativen“ ...

Man kennt die Beispiele zur Genüge, aber man konnte davon bislang nur mehr oder weniger von Fall zu Fall berichten. Eine empiriegestützte Statistik gab es nicht, sodass man sich stets den Vorwurf gefallen lassen musste, hier handle es sich um nicht-repräsentative Einzelfälle. Das ist nun anders. Soeben hat der Sprachwissenschaftler Holger Schmitt eine Sprachanalyse über – so der Titel seines neuen Buches – „Das Framing der Linken. Von ‚Umverteilung', ‚Diversität' und ‚Nazis'“ herausgebracht. Das Buch ist ein schier kriminologisch-akribischer Beweis für die politische Schieflage großer Teile unserer Presse und ihrer – bewusst oder unbewusst – betriebenen sprachlichen Manipulationen.

Acht Millionen Texte ausgewertet

Die empirische Methode, die Schmitts Studie zugrunde liegt, heißt „Korpuslinguistik“. Es handelt sich dabei um eine computergestützte Auswertung eines Wortkorpus von etwa acht Millionen Texten mit rund 2,5 Milliarden Wörtern, die aus „Süddeutscher Zeitung“, „Berliner Zeitung“, „Mannheimer Morgen“, „Rhein-Zeitung“, „Focus“, „Spiegel“, „taz“ und etlichen mehr stammen. Ausgewertet wurden das Vorkommen von bestimmten Wörtern pro eine Million (WpM), ferner die Kollokationen. Mit Kollokation meint man das überzufällig häufig benachbarte Auftreten von Wörtern. Dazu wurden Wörter-„Fenster“ unterschiedlicher Größe definiert, zum Beispiel, welche Wörter in einem Fenster von neun Wörtern vor und neun Wörtern hinter einem bestimmten Begriff auftauchen.

Schmitt unternahm diese Analyse für rund 50 Wortschatzeinheiten, beispielsweise für: Aktivist, Anstand, Aufmarsch, Europa, Gerechtigkeit, Gender, Islamismus, Klimaleugner, Mann/Täter, Solidarität sowie für die Adjektive demokratisch oder umstritten. Daraus ist ein kleines Nachschlagewerk geworden, dem man statistisch fundiert entnehmen kann, wie häufig bestimmte Begriffe in welchen politisch relevanten Konnotationen, also Bedeutungen oder Bewertungen, vorkommen. Wir beschränken uns hier auf wenige ausgewählte Beispiele.

Aktivist und Aufmarsch: Aktivisten sind fast immer nur Linke. Selbst wenn sie Straf- oder Gewalttaten begehen, heißen sie „Aktivisten“. Von rechten Aktivisten ist nie die Rede. Wenn Rechte oder Lebensschützer demonstrieren, dann wird das als „Aufmarsch“ verunglimpft. Mit „Aufmarsch“ sollen die Aufmärsche der Nationalsozialisten im Dritten Reich assoziiert werden. Deshalb ist es schier undenkbar, dass die Presse einmal von einem „Aufmarsch“ von „Fridays for Future“ oder einer Linksgewerkschaft berichtet. Sollte in Berlin wirklich einmal eine „linke“ Demo verboten werden, dann wird eben eine „Demo“ verboten. Wenn eine „rechte“ Demo verboten wird, dann wird sie als Aufmarsch verboten.

Demokratisch: Wie selbstverständlich übernehmen die meisten Medien die Aussagen von Politikern der Altparteien, man wolle etwa bei anstehenden Koalitionsverhandlungen nur mit „demokratischen Parteien“ verhandeln. Dass es eine völlig legal gewählte und nicht verbotene Partei gibt, die im Bundestag die größte Oppositionsfraktion ist und in manchen Landtagen die zweitgrößte Fraktion stellt, wird weggewischt, als sei diese Partei illegal. Das heißt: Linke und Parteien der angeblichen „Mitte“ vereinnahmen nach eigenem Gusto den Demokratiebegriff.

Europa: Es sei dahingestellt, ob es aufgrund mangelnder Bildung oder bewusst vernebelnd geschieht: Die Begriffe EU und Europa gelten als austauschbar. So ist denn auch von Europawahl die Rede, obwohl es um die Wahl zum EU-Parlament geht. Ansonsten soll wider alle Geographie und Geschichte gelten: Wer gegen die EU ist, ist gegen Europa. Alle, die das Bürokratie- und Wasserkopfmonster in Brüssel und die vordemokratisch anmutenden Besetzungen von EU-Spitzenämtern kritisieren, werden der Europafeindlichkeit geziehen. Für eine Kanzlerin Merkel scheitert Europa, wenn der Euro scheitert. Welch historischer Unsinn!

Doppelstandards werden vertuscht

Populismus: Als Populisten gelten immer nur die Rechten. Von Linkspopulisten ist de facto nie die Rede. Zudem finden sich beim Begriff Populismus fast nur negative Kollokate: Nationalismus, Extremismus, Rassismus, Demagogie, Hetze, Fremdenfeindlichkeit, billig, blank ...

Zurück zum Titel des Buches und zum Zentralbegriff „Framing.“ Er bedeutet: Man „rahmt“ einen bestimmten Sachverhalt, das heißt, man stellt ihn in einen anderen Kontext, sodass er zu den oft genug einseitigen Intentionen des Akteurs passt. Eigentlich ist Framing damit Vulgärbehaviorismus. Man koppelt einen positiven oder neutralen Sachverhalt immer wieder mit negativen Assoziationen, und schon ist der Empfänger der Assoziation, der Bürger Normalo, propagandistisch, demagogisch, manipulativ, volkspädagogisch auf Linie.

Der Zweck des Framings ist klar. Autor Schmitt schreibt hier Klartext: Der politische Gegner soll diskreditiert werden, eigene Anliegen sollen mit einem Heiligenschein umgeben werden, auch wenn sie alles andere als lauter sind. Bestimmte Begriffe sollen tabuisiert werden (etwa „Rasse“), es soll ein linkes Agenda-Setting stattfinden, und es sollen die moralischen Doppelstandards der Linken vertuscht werden. Und schließlich: Dem Medienkonsumenten soll eine bestimmte Gesinnung eingeträufelt werden.

Holger Schmitt: „Das Framing der Linken. Von ,Umverteilung', ,Diversität' und ,Nazis'“, Gerhard Hess Verlag GHV, Bad Schussenried 2021, 230 Seiten, broschiert, 16,80 Euro



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Kommentare

Klaus Mueller am 16.09.21, 10:51 Uhr

ARD und ZDF hat der Autor des beschriebenen Buches leider nicht berücksichtigt? Der "öffentlich-rechtliche" Rundfunk ist doch weitaus mächtiger und wirksamer, gerade mit Framing, als die dahinsiechende gedruckte Presse.

Zum Glück gibt's (noch) Gegenmeinungen, Aufklärung und Zurechtrücken. Jeden Tag als erstes wird die website "neueswestfernsehen.de" aufgerufen, da bekomm ich Realität und Gegenmeinungen zum politischen und kulturellen grün-linken Allerlei.

Tom Schroeder am 14.09.21, 21:31 Uhr

Die heutige Medienlandschaft und teils der Sprachgebrauch einiger Mitmenschen, also auch deren Gedankengänge, könnte man unbewusst als eine "Light"-Version der 30er Jahre empfinden, klar nicht gar so offen und extrem, aber jede andere Meinung wird an die Wand gedrückt. So haben wir eine "KlimaKRISE" - der Wandel oder die ursprünglich verwendete Erwärmung reicht nicht aus - ich sehe das nicht, die Jahreszeiten sind seit Jahrzehnten immer so abwechslungsreich innerhalb einer gewissen Bandbreite. Das ist wie mit "super...", "mega..." und "giga..." - demnächst auch noch "peta..." und was sonst noch. Unser Land gehört auf die Couch des Psychiaters, völlig irre was da abgesondert wird - bewusste Überforderung der einfachen Leute - schrill, unsachlich und bewusst durchgeknallt - Andy Warhol provozierte auch, aber nicht ausgrenzend - also einfach dagegen halten und den dann beleidigten Mimosen entgegen halten, ein Nazi sagt nix, der haut sofort zu, den Unterschied muss man schon verstehen. Hätte man so vor 40 Jahren kommuniziert, hätte jeder sofort dicht gemacht und sich gegen die vermittelten Inhalte gesperrt - ich mache das so - Fernsehen? Nein Danke, höchstens mal eine konservative Online-Zeitung. Ansonsten sehe ich genau was läuft, bin ja nicht blöd. Das sehen viele genau wie ich, vielleicht sollte man einfach die Medien verweigern, sich die sachlichen Inhalte raus suchen - Wirtschaftspresse z.B., dann sollen die Dummschwätzer sich einen neuen Resonanzkörper suchen, d.h. in ihrer Blase bis zum Ableben derselben gären. Leider glaubt die Politik genau denen hinterherlaufen zu müssen, dem vermeintlichen Trend - dem gemachten Trend - dem neuen Mainstream. "Dumm gelaufen" heißt es dann, wenn die Gegenreaktion bei Misserfolg einsetzt, ob dann die ständige Beschimpfung der anders Denkenden ausreicht, um weitergehenden Schaden zu verhindern, mag ich bezweifeln. Jede derartige Phase in der Geschichte nahm ein schlechtes Ende - die Aufarbeitung dauerte oft Jahrzehnte und wir sind gerade am Anfang!

Martin Hausser am 12.09.21, 12:51 Uhr

Der Autor Holger Schmitt führt in seinem Buch viele großartige Beispiele an, versäumt es aber, sie korrekt als Meme-Pathogene (MP) zu bezeichnen, womit die psychologische Komponente der Sache außen vor bleibt. Auch versäumt er es zu zeigen, wie die von ihm angeführten, durchaus gültigen Beispiele mit dem größeren Bild des Antiwhitismus zusammenhängen. Auch bleibt schleierhaft, welche Erkenntnisse aus der durchaus profunden Vokabelsammlung, die der Autor angefertigt hat, zu ziehen sind. Bietet er doch keine Lösung an, wie man sich dagegen wirksam zur Wehr setzen kann. Ein in dieser Hinsicht weitaus nützlicheres Werk ist für jeden der des Englischen mächtig ist, immer noch „Go Free“ von Jason Köhne. Dieses Buch ist mir mittlerweile ein treuer Begleiter geworden und bei der tagtäglichen Auseinandersetzung mit dem Ungeist der Gegenwart nicht mehr wegzudenken.

Jan Kerzel am 12.09.21, 09:32 Uhr

So ist es. Dieses hinterhältige Sprachspielchen mit enormer Wirkung läuft bereits seit Jahrzehnten und ist letztlich eine abstrakte Form von Krieg und Besetzung. Es ist quasi die Luftwaffe im Kampf gegen Rechts. Konservative Medien, liberale und konservative Parteien usw. machen zum erheblichen Teil freudig mit, es ist die große Einheit der Demokraten. Dass es in der Endstufe um ihre Machtpositionen gehen wird, habe ich vor ca. 20 Jahren mal der CSU brieflich mitgeteilt, ohne Rückantwort. Dieser Rechtskampf ist eine grandiose Luftnummer, aber zweifelsohne gut gemacht. Perfekt. Er durchdringt praktisch alle Lebensbereiche, formt sie, richtet sie aus. Die katholische Kirche war in ihren besten Zeiten ein harmloser und toleranter Gesinnungsverein dagegen. Ja, man hätte locker dagegenhalten können, aber man war und ist zeitgeistig zu feige und zu opportunistisch. Von daher gönne ich es ihnen. Sie bringen quasi den Strick selber mit. Gut so. Gelungene Infiltration. Aber es wird natürlich nicht das Ende der Geschichte sein.

Siegfried Hermann am 12.09.21, 08:22 Uhr

Wow!
2,5 Mrd. Wörter aus der Lügenpresse. Und dann gleich die wichtigsten Rösser und Reiter genannt.
Das wird der Duden für Entlarvung von Propaganda und Agitation.
Weiterso!

Michael Holz am 12.09.21, 01:09 Uhr

Goebbels und der Sudelede wären vor Neid blass, geworden, wenn sie sehen könnten, wie unverfroren "im besten Deutschland, das es je gab", manipuliert und gelogen wird. Nun gut, meine Großmutter mochte den Klumpfuß mit seiner schrillen Stimme und ich den von Schnitzler nicht.
Die nationalen Sozialisten und die internationalen Sozialisten waren schon immer die Meister der Verdrehung und Manipulation. Lenin hatte einmal gesagt, wer die Sprache politisch beherrscht, beherrscht die Massen. Das Gleiche gilt für die Lehrer. Wer die Lehrer stellt, kann die Schüler beeinflussen. Der Gang der 68er durch die Institutionen hat geklappt. Da könnten die Konservativen noch was lernen.

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