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Kunst

Die Prinzessinnen und eine Venus sind zurück

Nach langer Abstinenz sind bedeutende Kunstwerke der preußischen Kulturgeschichte wieder in der Friedrichswerderschen Kirche und im Schloss Sanssouci zu sehen

Harald Tews
04.05.2023

Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten erhalten Berlin und Potsdam zwei hochkarätige Kunstwerke zurück. In die Friedrichswerdersche Kirche ist Johann Gottfried Schadows Doppelstandbild der Prinzessinnen Luise und Friederike, die sogenannte Prinzessinnengruppe, eingezogen. Und nach 81 Jahren hängt in der Bildergalerie von Schloss Sanssouci das Gemälde „Venus im Pelz“, das dem Rubens-Schüler Anthonis van Dyck zugeschrieben wird.

Schadows lebensgroße Prinzessinnengruppe gilt neben seiner Quadriga auf dem Brandenburger Tor als eines der bedeutendsten Werke des Frühklassizismus. Dabei gibt es zahlreiche Versionen aus verschiedenen Materialien. Ein Marmorstandbild steht im Eingang der Alten Nationalgalerie. Angefertigt wurde es vom Bildhauer Claude Goussaut, wobei Schadow daran nur letzte Hand anlegte. Schadows Original allerdings besteht aus Gips und verzückte die Besucher jahrelang in der von Karl Friedrich Schinkel erbauten Friedrichswerderschen Kirche, ehe diese zum Sanierungsfall wegen direkt benachbarter Bauprojekte wurde. Nach Wiedereröffnung der Kirche im Jahr 2020 und umfangreicher Restaurierung zieht nun auch die Prinzessinnengruppe wieder ein. 

Als „himmlische Erscheinungen [...], deren Eindruck auch mir niemals verlöschen wird“ pries Johann Wolfgang von Goethe einst die beiden Schwestern Luise und Friederike von Mecklenburg-Strelitz. Das Originalgipsmodell nimmt im Œuvre Schadows und für die Skulptur des 19. Jahrhunderts einen besonderen Stellenwert ein: Es lässt am unmittelbarsten die Handschrift des Künstlers, aber auch die spannende Werkgenese des Doppelstandbilds nachvollziehen. Die wechselvolle Standortgeschichte des fragilen Gipses hatte im Laufe der Jahrhunderte schwerwiegende Schäden hinterlassen, die nun behoben worden sind. 

Weitaus länger musste man auf die Rückkehr des Gemäldes „Venus im Pelz“ nach Schloss Sanssouci warten, was aber weniger den notwendigen Restaurierungsmaßnahmen geschuldet war. Vor rund 260 Jahren gehörte das Gemälde zur Erstausstattung der Galerie unter König Friedrich dem Großen. 1942 ausgelagert und nach 1945 verschollen, zählte es zunächst zu den Kriegsverlusten. Tatsächlich befand es sich nach 1945 im Besitz eines Berliner Malers und wurde aus dessen Nachlass in private Hand verkauft, bevor es im Mai 2016 aus freien Stücken der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg restituiert wurde. 

Nach 81 Jahren ist die „Venus im Pelz“ somit wieder an ihren angestammten Platz in der Bildergalerie zurückgekehrt und kann jetzt wieder von Besuchern betrachtet werden. 


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