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Wie Biden und Johnson setzt auch Moskau auf Mini-Reaktoren: Russlands schwimmendes AKW „Akademik Lomonossow“
Foto: action pressWie Biden und Johnson setzt auch Moskau auf Mini-Reaktoren: Russlands schwimmendes AKW „Akademik Lomonossow“

Energiepolitik

Die Renaissance der Kernkraft

Weltklimarat, EU und Gates schätzen ihre „Klimaneutralität“ – Rund fünfzig AKW sind momentan im Bau

Lydia Conrad
02.04.2021

Vor zehn Jahren wurde in Deutschland beschlossen, ab Anfang 2023 vollkommen auf Kernenergie zu verzichten. Und tatsächlich gehen bis zum 31. Dezember nächsten Jahres auch die letzten sechs momentan noch Strom produzierenden Kernkraftwerke Brokdorf, Grohnde, Gundremmingen C, Emsland, Isar 2 und Neckarwestheim 2 vom Netz. Andere europäische Länder wie Italien, Belgien, Spanien und die Schweiz wählten den gleichen Weg. Verantwortlich hierfür waren vor allem schwere Reaktorunglücke wie in Tschernobyl 1986 und zuletzt dann im japanischen Fukushima am 11. März 2011.

Großexporteur Russland

Aber es gibt auch einen gegenläufigen Trend. Zu den derzeit in Betrieb befindlichen 414 Atomkraftwerken rund um den Globus sollen noch zahlreiche weitere kommen. Rund fünfzig sind momentan bereits im Bau. Viele davon entstehen in Staaten wie der Türkei, Bangladesch und Weißrussland, die kaum Erfahrungen mit der friedlichen Nutzung der Nukleartechnik haben und deshalb auf russische Hilfe zurückgreifen. Moskau steht dadurch inzwischen an der Spitze der Exporteure von Kernkraftanlagen zur Energieerzeugung.

Und auch um Deutschland herum ist der Atomausstieg nicht überall en vogue. Frankreich hat gerade die Laufzeit seiner Atommeiler auf 50 Jahre verlängert und Polen plant sechs neue Reaktoren, während es in den Niederlanden sogar zehn werden sollen.

Die Renaissance der Atomenergie ist in ganz wesentlichem Maße die Folge des Bestrebens, den angeblich vom Menschen verursachten Klimawandel zu stoppen. Wer den Kohlendioxidausstoß bremsen will, kommt oftmals auf den Gedanken, die nukleare Technologie zur Energieerzeugung zu nutzen. So setzt der Weltklimarat IPCC neuerdings ganz explizit auf die Kernkraft. Und die Europäische Kommission tut das Gleiche: Ihr sogenanntes Clean Energy Package sieht flächendeckende Laufzeitverlängerungen bei den Reaktoren sowie den Neubau von 100 Kernkraftwerken bis 2050 vor.

Überzeugte Befürworter der Stromerzeugung mittels Atomenergie sind der US-Präsident Joe Biden und der britische Premier Boris Johnson. Die präferieren vor allem kleine modulare Anlagen, also Kernkraftwerke der vierten Generation. Jene sollen in etwa die Größe eines Einfamilienhauses haben und praktisch in jeder Stadt mit wenigstens 250.000 Einwohnern stehen können.

Clean Energy Package der EU

In diese neue Technik investiert jetzt auch der Microsoft-Gründer Bill Gates. Im Interview mit der „Welt" sagte der Milliardär kürzlich, die Menschen müssten offener für die Kernkraft sein, da man damit die Schwankungen bei der Stromproduktion mittels Erneuerbarer Energien ausgleichen könne.

Angesichts dieser Entwicklung werden nun hierzulande Stimmen laut, die den „Ausstieg aus dem Ausstieg" oder zumindest ein Nachdenken darüber fordern. So wie der Bundesfachausschuss für Wirtschaft, Arbeitsplätze und Steuern der CDU, der bereits Anfang 2020 in einem Positionspapier schrieb, man solle endlich prüfen, ob die Kernenergie „als mögliche Variante für eine CO2-freie Energieproduktion" tauge.

Das ruft wie kaum anders zu erwarten Kritiker auf den Plan, die nicht nur aus den Reihen der Umweltbewegung kommen. Zwei davon sind Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin und Dirk Uwe Sauer von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen.

Die Wirtschaftsökonomin und Leiterin der DIW-Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt verweist darauf, dass die Kernenergie weniger wirtschaftlich sei, als es auf den ersten Blick scheine. Das liege an den hohen Kosten für die Urangewinnung, den Bau der AKW und die erforderliche Sicherheitstechnik. Dazu kämen enorme Gefahren für Mensch und Umwelt. Insofern könne man Kernkraft weder als wirtschaftlich noch als sauber bezeichnen.

Der Aachener Energiewissenschaftler und Vorsitzende der Initiative „Energiesysteme der Zukunft" Sauer vertritt die Ansicht, dass die deutschen Stromkonzerne keinerlei Interesse an einem Wiedereinstieg in die Atomwirtschaft hätten. Das gelte auch für den Betrieb der von Gates angepriesenen Mini-Kraftwerke. Zudem müsse man auch noch einen anderen Aspekt bedenken: „Solange die kommerzielle Nutzung von Atomkraft zur Stromerzeugung ein Thema ist, bekommen wir das Thema Bombe nicht weg", sagte Sauer im Interview mit dem Fernsehsender n-tv. Wenn Länder wie die Türkei mit ausreichenden Ressourcen zur konventionellen Elektrizitätsproduktion danach strebten, in den Besitz moderner Nukleartechnik zu kommen, könne mehr dahinterstecken als nur die Hoffnung auf billige Energie.



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Kommentare

Ralf Pöhling am 02.04.21, 17:49 Uhr

Zitat:"Zudem müsse man auch noch einen anderen Aspekt bedenken: „Solange die kommerzielle Nutzung von Atomkraft zur Stromerzeugung ein Thema ist, bekommen wir das Thema Bombe nicht weg", sagte Sauer im Interview mit dem Fernsehsender n-tv."

Danke für die Bestätigung. Ich sage es schon die ganze Zeit: Es geht der grünen Ökobewegung bei der Ablehnung der Atomkraft nicht um die Umwelt, sondern um die Abschaffung der Atomwaffen. Eingepflanzt worden ist dies der Ökobewegung in den späten 70ern und vor allem den 80ern von KGB und Stasi, als es darum ging, dass die Sowjetunion mit dem Wettrüsten der Amerikaner nicht mehr mithalten konnte und vom Abschreckungspotential her in den strategischen Nachteil geriet. Was letztlich dann dazu führte, dass die Sowjetunion erst versuchte, auf propagandistischem Weg die Hochrüstung des Westens zu unterminieren und dann, als dies fehlschlug, doch endlich unterging. Man kann anderen Ländern nur schwer den Bau von Atomkraftwerken untersagen und damit die Anschaffung von Atomwaffen verhindern. Was dann letztlich nur dazu führt, dass wenn wir als einzige darauf verzichten, die anderen(!), also die totalitären Systeme(!), den Rüstungsvorsprung erhalten und am Ende alle anderen Atomwaffen haben, nur wir nicht. Und das ist schon eine ziemlich dumme Herangehensweise an dieses Problem. Wer möchte, dass die anderen keine Atomwaffen haben, der muss sich selbst massiv überrüsten und zeitgleich den Gegner in die Pleite treiben. So, wie damals die Amerikaner mit der Sowjetunion. Und genau aus diesem, wenn auch nicht einzigen Grund, brauchen wir dringend eine Rückkehr zur Atomkraft. Die Atombombe schafft kein Mensch mehr ab. Sie ist in der Welt. Theoretisch, wie praktisch. Also muss man zusehen, dass immer die eine größere atomare Abschreckung vorweisen können, die damit verantwortungsbewusst umgehen. Abschreckung sichert den Frieden. Wer als einziger in einer Welt voller Feinde auf Waffen verzichtet, ist nicht etwa klug und schon gar kein Vorbild, sondern das erste Opfer.

Siegfried Hermann am 01.04.21, 22:49 Uhr

Wann werdet ihr endlich schlau???
Das hat man doch schon 1995 gesehen wohin es führt, wenn Billyboy im Fenster liegt und die Finger im Spiel hat: Bluescreen! Reset-Taste. Und. Musk ist nicht schlauer, sondern nur Plagiat von Billyboy.
Jetzt zum Thema.
Das Russen-A-Schiff ist speziell für die ausreichende Stromerzeugung in der Polarregion entwickelt worden.
Das kann man nicht einfach adaptieren!!
Die sogenannten Mini-A-Kraftwerke ist totale Hirnspinnerei. Genauso wie die "wissenschaftliche" Werbung in den 60zigern Jahren für Atom-angetriebene US-Straßenkreuzer in den 70zigern Jahren.
Das haben allen ernstes die Leute damals geglaubt, ähmm glauben sollen.
Ihr habt ach sooo hochgeschätzte kulturverbessernde Länder wie Persien, Nordkorea, Pakistan, Indien und den Bulldozer China vergessen, denen es total egal ist, genauso wie die Türken, ob ein AKW in einer Erdbebenzone (!!), oder wie in Bengalen in der Flutzone, gebaut wird.
Haben die Perser erstmal "offiziell" die Bombe, werden Araber, Ägypter, Marokkaner, Algerier, Nigerianer... mitziehen wollen, koste es, was es wolle.
Lassen wir mal diese Klima-Spinnerei außen vor und schauen wir auf das Jahr 2030.
In Greifswald und Jülich wird seit graumer Zeit an der Kernfusion gebastelt. Der einzige Stolperstein ist nur noch ein konstantes Plasma aufrecht zu erhalten. Bis 2030 soll es fertig sein. Der Rest ist dann nur noch reine Ingenieursarbeit eine neues bzw. eines der alten AKWs umzubauen. Der absolute Clou wird aber sein, das als Brennstoff verbrauchte Brennstäbe aus den Leichtwasser-Reaktoren eingesetzt werden und somit die Endlagerung de fakto gelöst wäre. Deutschland wäre weit über 100 Jahre von jeden Uranimport unabhängig! Strom billigst bis zum Abwinken!
btw: Die Vorkommen sind auch begrenzt, gelle!?
Und diese Technologie ist weltweit einzigartig und damit würden sich aber und aber-Mrd. Euro/
Dollars/Renminbi verdienen!!
Elektro-Autos wird dann immer noch NUR für gutbetuchte grüne Snops geben, allerdings wäre eine Keramik-basierte, gekoppelte Solar-Thermik- Elektroheizung in Privathaushalten durchaus wieder rentabel und wirtschaftlicher als Öl und Gas.
Und damit könnten wir den Arabern die rote Karte und den Hintern zeigen.
Das wär doch mal was!!!

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