17.04.2024

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China

Die Suche nach Patient Nr. 1

Die Hinweise verdichten sich, dass die Corona-Pandemie im Wuhan Institute of Virology ausbrach

Wolfgang Kaufmann
30.06.2023

Seit Ausrufung der Corona-Pandemie tobt der Streit darüber, ob der Krankheitserreger SARS-CoV-2 aus der Natur kommt oder eine Züchtung von Forschern des Wuhan Institute of Virology (WIV) der Chinesischen Akademie der Wissenschaften ist. Letzterer Verdacht wurde lange als „Verschwörungstheorie“ abgetan, inzwischen gehen aber auch maßgebliche Institutionen in den Vereinigten Staaten wie das Außenministerium und das Federal Bureau of Investigation (FBI) davon aus, dass einige Forscher des WIV bereits im Spätherbst 2019 und damit deutlich vor dem von China gemeldeten COVID-19-Ausbruch, unter Corona-Symptomen litten. In dem Fall deutet alles auf einen Laborunfall hin, wie der FBI-Direktor Christopher Wray im Februar dieses Jahres klarstellte.

Allerdings scheint es noch wesentlich mehr Behörden beziehungsweise Regierungsmitarbeiter der USA zu geben, die den Virus für Menschenwerk halten. Das ergibt sich aus zwei aktuellen Beiträgen auf den unabhängigen Online-Plattformen „Public“ und „Racket News“ von den US-Journalisten Michael Shellenberger und Matthew Taibbi, die auch an der Veröffentlichung der Twitter Files beteiligt waren, sowie deren Kollegin Alex Gutentag.

Drei „Patienten Nummer Null“
In den Texten heißt es: „Nach Jahren offizieller gegenteiliger Erklärungen sind nun bedeutende neue Beweise aufgetaucht, die die Annahme untermauern, dass das Virus SARS-CoV-2 versehentlich aus dem Wuhan Institute of Virology (WIV) entwichen ist.“

So hätten „mehrere US-Regierungsbeamte“ mitgeteilt, man wisse nun genau, welche Wissenschaftler des WIV im November 2019 als erste Menschen überhaupt mit dem Erreger infiziert gewesen seien. Dabei gebe es gleich drei mögliche „Patienten Nummer Null“, nämlich Yu Ping, Yan Zhu und Ben Hu. Und tatsächlich arbeiteten diese Forscher mit Coronaviren, wie etliche Artikel in Fachzeitschriften aus der Zeit ab 2017 zeigen, von denen einer übrigens auch zur Begutachtung an den Charité-Virologen Christian Drosten gegangen sein soll. Als Co-Autorin fungierte in den meisten Fällen Shi Zhengli. Die Leiterin des Zentrums für neu auftretende Infektionskrankheiten am WIV gilt als Kopf der chinesischen Gain-of-Function-Forschung an Corona-Viren, deren Zweck darin besteht, derartige Erreger durch gezielte Mutationen ansteckender und gefährlicher zu machen, um dann eventuelle Abwehrmittel zu finden.

Ben Hu wurde ganz offensichtlich von der prominenten Virologin protegiert, wie die kanadische Molekularbiologin Alina Chan vom Broad Institute of MIT and Harvard gegenüber „Public“ und „Racket News“ bestätigte: „Er war ihr Starschüler. Er hatte chimäre SARS-ähnliche Viren hergestellt und diese an humanisierten Mäusen getestet. Wenn ich raten müsste, wer diese riskante Virenforschung durchführte und am meisten Gefahr lief, sich versehentlich anzustecken, wäre er es.“

Erster Fall im August 2019
Zudem agierte Ben Hu offenbar recht unvorsichtig. Dafür spricht nicht zuletzt ein Bericht im chinesischen Staatsfernsehen vom 29. Dezember 2017. In diesem wurde gezeigt, wie der Virologe und ein weiterer Labormitarbeiter ohne Schutzausrüstung mit Proben hantierten und in der Natur nach Fledermausviren suchten.

Die Aussagen von Shellenberger, Taibbi und Gutentag wurden inzwischen von der britischen Tageszeitung „The Times“ bestätigt, die sich ebenfalls auf Quellen aus dem US-Außenministerium stützt. Ein weiterer Hinweis auf die brisante Rolle, die Ben Hu im Zusammenhang mit dem Corona-Ausbruch gespielt haben könnte, ist, dass er seit einiger Zeit verschwunden ist und sein Bild von den Internetseiten des WIV entfernt wurde.

Währenddessen macht die Vermutung die Runde, dass die drei mutmaßlichen „Patienten Nummer Null“ vom November 2019 doch nicht die frühesten COVID-19-Fälle waren. Immerhin meldete die britische „Daily Mail“ bereits am 29. Mai 2021, die erste Infektion eines Menschen mit dem Erreger SARS-CoV-2 habe wohl im August oder September 2019 stattgefunden. Damals sei eine Anwohnerin des WIV mit Corona-Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Möglicherweise gab es also sogar zwei Ausbrüche des Erregers aus dem Labor in Wuhan.

Genaueres könnte die Öffentlichkeit aus einem entsprechenden Bericht der Direktorin aller US-Geheimdienste Avril Haines erfahren, der demnächst vorgestellt werden soll.


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