27.09.2023

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Östlich von Oder und Neiße

Die Sudeten „von vorne“

Leidenschaft seit der Kindheit – Ein Pole führt Deutsche mit der Schlesischen Gebirgsbahn auf Wanderungen

Chris W. Wagner
30.03.2023

Das Referat für Schlesien am Schlesischen Museum zu Görlitz bietet Tagesausflüge nach Schlesien an, die ein Mal jeden Monat bis Oktober stattfinden. Die Ausgangsorte der Wanderungen werden mit der Schlesischen Gebirgsbahn angesteuert. Diese soll auf eine Ausstellung im Herbst vorbereiten, sagt Reiseleiter Andrzej Paczos. „In dieser Präsentation werden größere Städte entlang der bis Waldenburg [Wałbrzych] führenden Gebirgsbahn gezeigt, aber auch das Handwerk und die Industrie, die diese Orte geprägt haben“, so Paczos, der die Routen konzipiert hat.

Auf dem Programm stehen Lauban [Lubań], Greifenberg [Gryfów Śląski], Hirschberg [Jelenia Góra], Waldenburg und Gottesberg [Boguszów].

„In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts gab es die Idee, Berlin und Wien mit der Eisenbahn zu verbinden. Ein Abschnitt sollte durch die Sudeten führen. Der Hintergedanke war, dieses Gebiet in der Krisenzeit, also nach dem Weberaufstand zu beleben“, erklärt er. Viele Orte im Sudetenland lebten nämlich von der Weberei, diese ging jedoch pleite. „Mit der Eisenbahn sollte sich der Tourismus entwickeln, die Berliner sollten ins Riesengebirge kommen, und weil Touristen dort hinfahren, wo es etwas zu sehen gibt und wo es schön ist, hat man eben diese Strecke geplant“, sagt der studierte Geograph.

Paczos stammt aus Hirschberg und ist leidenschaftlicher Wanderer. Er kennt das Iser- und Riesengebirge wie seine Westentasche. Die Wanderleidenschaft und Liebe zur Geographie und Geologie weckte in ihm seine Grundschullehrerin. Anders als man es damals kannte, und oft heute noch kennt, hatte sie nicht nur über Warschau oder die Tatra unterrichtet. Sie nahm die Kinder auf Spaziergänge in die Natur mit und erklärte dabei die Geschichte der Region.

Deutsch lernte Paczos als Autodidakt im Studium der Geographie in Breslau. „Vieles in der Fachliteratur war in Deutsch. Anfänglich ließen wir Texte von unseren Germanistenkollegen übersetzten, aber das war eine Katastrohe! Es blieb mir also nichts anderes übrig, als mich selbst durchzubeißen. Mit der Zeit habe ich immer mehr Interesse nicht nur für die topographischen Termini, sondern auch für die Geschichte Schlesiens entwickelt“, berichtet der Fremdenführer, der seit mehr als zehn Jahren mit seiner Familie in Görlitz lebt. Vor dem Bergpanorama mit der markanten Schneekoppe fällt ihm eine seiner Lieblingsgeschichten von Paul Keller ein, der „Bergkrach“, der in der schlesischen Mundart verfasst ist. Es geht darin um einen Streit zwischen der Schneekoppe und dem Zobtenberg [Ślęża]. „Die Schneekoppe war stolz darauf, patriotisch zu sein. Da sagte der Zobtenberg: ,Was, du willst patriotisch sein? Vorne bist du preußisch, aber hinten bist du böhmisch und viele Leute sagen, deine Hinterseite ist schöner als die Vorderfront'. Ich empfehle, Paul Keller zu lesen, er spielt so wunderbar mit den Namen der Berge“, empfiehlt Paczos.

Die nächste Wanderung am 29. April geht ins Land der Granitpyramiden. „Es führt in die Falkenberge [Sokoliki] – eine schöne, malerische Gegend“, kündigt er an. „Dort gibt es Felsenformationen, von denen manche größer als die im Riesengebirge sind und von denen es ein herrliches Panorama gibt“, verspricht Paczos. Das Mikrorelief der Falkenberge „mit Nischen, Spalten, Höhlen und Gängen.

Dort steht auch die Burgruine Bolzenschloss [Zamek Bolczów]. Die Felsen bilden Teile dieser Burgruine“, preist der einstige Mitarbeiter des Naturkundemuseums in Bad Warmbrunn [Cieplice Zdrój] an, der heute für das Senckenberg-Naturkundemuseum in Görlitz arbeitet, als Besonderheit an.

Neben dem Bolzenschloss in Jannowitz [Janowice Wielkie] steht die dortige Schweizer Baude [Szwajcarka] und der Ort Schildau [Wojanów] mit seinem Schloss auf dem Wanderprogramm. Paczos möchte dann über die Herzogtümer Schweidnitz und Jauer sprechen, über den Dreißigjährigen Krieg, die Hussiten und die mächtigen schlesischen Adelsfamilien mit den Schaffgotschs an der Spitze.


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Kommentare

Hütter Waffenstudent am 07.04.23, 09:49 Uhr

Wenn jemand in Ostdeutschlang geboren wurde, so ist das noch lange kein Pole. Auch, wenn das der böse Nachbar gerne will. Immer mehr, der dort lebenden, entdecken beim Entblättern ihrer Historie, daß diese eine Deutsche ist.

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