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Steht für vier Wochen vor dem Allensteiner Rathaus: Die aus Raketenresten gefertigte Skulptur des Künstlers Antoni Grzybek
Foto: D.K.Steht für vier Wochen vor dem Allensteiner Rathaus: Die aus Raketenresten gefertigte Skulptur des Künstlers Antoni Grzybek

Allenstein

„Die ungebrochene Ukraine“

Anlässlich des Jahrestags des russischen Angriffs wurde vor dem Rathaus ein Mahnmal aus Raketenresten aufgestellt

Dawid Kazanski
08.03.2023

Tausende von Opfern, Millionen von Flüchtlingen – das ist die Bilanz der Ereignisse in der Ukraine. Am Jahrestag des russischen Einmarsches in die Ukraine wurde vor dem Rathaus von Allenstein eine künstlerische Installation aus Raketenresten errichtet, die von Mehrfachraketenwerfern abgefeuert wurden und bei Charkiw niedergingen. Das Mahnmal mit dem Titel „Die ungebrochene Ukraine“ besteht aus Fragmenten von Raketen eines BM-21-Mehrfachraketenwerfers, die mit dem Sockel durch schwarze, verschlungene Stangen verbunden sind, welche die Flugrichtung der Raketen markieren. „Die Raketen wurden auf das Dorf Prudzianka in der Nähe von Charkiw abgefeuert“, berichtete auf dem Rathausplatz Jan Potrawiak vom Hilfs-Konvoi aus Allenstein. „Wir landeten dort bei einer befreundeten Einheit ukrainischer Soldaten, die uns ihre Arbeit zeigen wollten. Wir holten die Raketen aus dem zerstörten Dorf, und so wurde die Idee geboren, sie nach Polen zu bringen und für einen guten Zweck auszustellen.“

Kunstwerk aus Raketenresten

Somit entstand aus den Überresten von Waffen ein Kunstwerk. Der Erschaffer, der in Allenstein lebende Künstler Antoni Grzybek, der am Kunstinstitut der Uni arbeitet, sagte, dass die Betrachter vermutlich die Überreste der Raketen am interessantesten fänden, aber das Wichtigste sei für ihn der Sockel. „Wir arbeiteten sehr lange daran, um ihn zu einem Monolithen zu machen, zu einer Metapher für die Ukraine, die sich der russischen Horde nicht beugt. Der Sockel symbolisiert diese Unerschütterlichkeit, die Einheit des ukrainischen Volkes und Beständigkeit der ukrainischen Grenzen.“

Joanna Mieszczyńska, die seit Monaten in der humanitären Hilfe tätig ist, teilte bei der Gedenkfeier zum Jahrestag des Beginns des Ukrainekriegs mit, dass die Konvois, die seit einem Jahr organisiert werden, hauptsächlich in die Regionen Charkiw und Donezk fahren, wo massive Zerstörungen zu verzeichnen sind und alles Mögliche gebraucht wird. Die Hilfe geht unter anderem an Militärsanitäter und Freiwillige, welche die Zivilbevölkerung vor Ort unterstützen.

Flüchtlingen unter die Arme greifen

„Derzeit werden vor allem medizinische Hilfsgüter und Grundnahrungsmittel, aber auch Gaskocher, Decken und Schlafsäcke benötigt. Es gibt eine ganze Reihe von Bedürfnissen“, fügte Mieszczyńska hinzu. Auf einer Pressekonferenz nach der Enthüllung der Anlage betonte der Allensteiner Stadtpräsident, Piotr Grzymowicz, dass die Stadteinwohner seit dem ersten Tag des Krieges versuchten, sowohl der ukrainischen Bevölkerung als auch den Kriegsflüchtlingen zu helfen. „Wir sind eine multikulturelle Stadt“, betonte Grzymowicz, „wir alle verurteilen den russischen Aggressor aufs Schärfste. Wir versuchen, den Menschen in der Ukraine, den Flüchtlingen, soweit es uns möglich ist unter die Arme zu greifen.“

„Die künstlerische Installation ist aus dem brutalsten Stoff, den Waffen, entstanden“, sagte wiederum Mariusz Sieniewicz, Direktor des Städtischen Kulturzentrums. „Wir möchten, dass diese Installation als eine Art Mahnung vor jeglicher Gewalt dient.“

Außerdem kündigte er an, dass die Installation aus den Überresten der Raketen einen Monat lang am Rathaus verbleiben werde. In Kürze soll eine Sammlung für medizinische Hilfe in der Ukraine gestartet werden. Derjenige, der den höchsten Betrag spendet, wird Eigentümer des Kunstwerks. Wie Sieniewicz erläuterte, soll das tödliche Eisen in etwas Edles verwandelt und für einen guten Zweck verwendet werden, deswegen werde der Gegenstand als Kunstwerk zu einer wohltätigen Sammlung beitragen. Workshops, Begegnungen, Kurse für ukrainische Flüchtlinge und die Gründung der Stiftung „Zwei Flügel“ sind Teil der Projekte, die unter anderem das Städtische Kulturzentrum in diesem Zusammenhang durchführt.

In Allenstein befinden sich immer noch viele Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten. Insgesamt leben rund 650 Menschen in sechs organisierten Einrichtungen. Als Zeichen der Solidarität mit dem ukrainischen Volk wurden am ersten Jahrestag des Kriegsausbruchs der Rathausturm und die Sternwarte in den ukrainischen Farben beleuchtet.


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