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Ziemlich beste Konkurrenten: Während Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet schwächelt, lässt Bayern Ministerpräsident Markus Söder gern durchblicken, dass er sich für den besseren Kandidaten hält
Foto: action pressZiemlich beste Konkurrenten: Während Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet schwächelt, lässt Bayern Ministerpräsident Markus Söder gern durchblicken, dass er sich für den besseren Kandidaten hält

Politik

Die Union zwischen Untergang und programmatischer Umkehr

Die Lage in den jüngsten Umfragen ist ernst für die CDU. Helfen könnte eine Rückbesinnung auf den während der Merkel-Jahre aufgegebenen Markenkern

Klaus Kelle
25.08.2021

Im Grunde wäre es ganz einfach, Armin Laschet zum nächsten Bundeskanzler zu machen. Es braucht dazu nur zwei Stellschrauben, an denen gedreht wird. Die erste heißt Markus Söder, Ministerpräsident und CSU-Chef, der sich ohne Zweifel für den besten Unions-Kandidaten in dieser Bundestagswahl hält. Laschet hat ihn ausgebootet und sich von einer Funktionärs-Klüngelrunde am späten Abend zum Kanzlerkandidaten der beiden C-Parteien ausrufen lassen. Seitdem grantelt der Franke Söder und setzt Tag für Tag kleine Nadelstiche, damit die Union in der Kanzlerfrage weiter tief gespalten bleibt – der sichere Weg zum Scheitern Laschets, der in jüngsten Umfragen sogar hinter der grünen „Low Performerin“ Annalena Baerbock rangiert.

Die hinterhältigen Giftpfeile Söders nerven inzwischen derart, dass selbst Friedrich Merz den Bayernführer öffentlich (!) gemahnt hat, mit den ständigen Sticheleien aufzuhören. Und es ist nicht nur Merz, der genervt ist, denn Söders Verhalten schadet ja nicht nur Laschet und seinen Ambitionen, sondern auch all den Wahlkreiskandidaten, deren Chancen auf einen erneuten Einzug ins Hohe Haus an der Spree sinken, wenn die CDU insgesamt nur noch knapp über 20 Prozent in den Umfragen liegt. Also: Söder! Ruhe geben! Und endlich einreihen!

Die zweite Stellschraube für Laschet ist deutlich komplizierter zu drehen, denn sie hängt direkt mit diesem Kanzlerkandidaten zusammen, der die schlechteste Wahl ist, die die Union für diesen Job auswählen konnte. Nach den Merkel-Jahren, die die einstige Volkspartei der Mitte inhaltlich und personell entkernt hat, gibt es keinen anderen Weg als eine programmatische Neuaufstellung und die Rückkehr zu all dem, was über Jahrzehnte Erfolge der CDU garantierte. Nicht Gender-Gaga, Regenbogenfahnen und Homo-Ehe, nicht Windkraftanlagen, Reichensteuer, Zuwanderung und staatliche Regulierungen sind das, was die Millionen Wähler der Union wollen, die in den vergangenen Jahren von der Fahne geflüchtet sind.

Zurück zum Markenkern

Vielmehr wollen sie Innere Sicherheit, Marktwirtschaft, vermutlich gar die Rückkehr zur Kernkraft und eine Familienpolitik, die sich nicht an den Erwartungen kleiner Minderheiten ausrichtet, sondern an den Bedürfnissen der Eltern, die Kinder großziehen (wollen), ohne soziale Notlagen fürchten zu müssen. Ja, CDU und CSU waren einmal die Familienparteien, die den Müttern auch Anerkennung zollten für ihre Leistung, statt sie als „Heimchen am Herd“ oder „vergeudetes Potential“ (O-Ton Merkel, kinderlos) zu schmähen, bevor Frau von der Leyen und die ihren ihr zerstörerisches Werk begannen.

Sebastian Kurz hat mit der ÖVP in Österreich die Blaupause für ein rauschendes Comeback der Christdemokraten gelegt. Aber Armin Laschet ist nicht Sebastian Kurz, und die Union hat niemanden, der ein solches „Rollback“ einleiten könnte. Und wenn sie einen hätten, wäre Merkels Kartell der Mittelmäßigkeit immer noch stark genug, um seinen (ihren) Aufstieg zu verhindern.

Armin Laschet, da er jetzt nun mal Kanzlerkandidat ist, sollte kommende Woche in Berlin vor die Bundespressekonferenz treten und zwei Parteifreunde mitbringen. „Meine Damen und Herren, links von mir sitzt Friedrich Merz. Wenn ich Kanzler werde, wird er mein Wirtschaftsminister. Und hier rechts, sie kennen ihn alle, Hans-Georg Maaßen, der in meinem Kabinett zukünftiger Innen- und Migrationsminister sein wird.“

Die Union würde sofort wieder über 30 Prozent liegen und Laschet sicher nächster Bundeskanzler, weil dann enttäuschte frühere CDU-Wähler in Scharen zurückströmen würden zu ihrer eigentlichen politischen Heimat.

Das einzige Problem, und deshalb wird Laschet diesen Vorschlag nicht aufgreifen: Alle Journalisten im Saal und alle Fernsehzuschauer werden sich die Szenerie anschauen und spontan denken: Aber warum sitzt bloß dieser Laschet da in der Mitte zwischen diesen beiden starken Politikern?



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Kommentare

Tom Schroeder am 26.08.21, 19:39 Uhr

Eigentlich gehört die CDU mal wieder auf die Oppositionsbank, genau wie die SPD - die wollte ja zuerst bei der letzten Groko nicht mitmachen, hat aber aus Verantwortungsbewusstsein dann doch .... wer ist nicht schon gerne mal Minister. Was uns fehlt hierzulande, wäre so was wie "Republik-im-Marsch", wie Macrons spontane Parteigründung hier etwas verballhornt hieß. Streng genommen müssten Grüne, FDP, AFD und SED zusammen eine Koalistion bilden und die beiden durchgesessenen Regierungsparteien mal der oppositionellen Erneuerung überlassen. Nein, in Deutschland niemals - so was geht nur in Italien, Frankreich, Holland ....

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