13.07.2024

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Internationale Holzräuber

Eichendiebstahl grassiert in Lothringen

Die 100 Jahre alten Bäume sind vor allem in China begehrt

Bodo Bost
08.07.2024

In Frankreich kommt die sprichwörtliche deutsche Eiche auch heute noch in dem Landesteil am meisten vor, der zumindest teilweise wie das Elsass vor 1918 zu Deutschland gehört hatte: in Lothringen. Die begehrten Eichenbäume, die über 100 Jahre alt sein müssen, stammen also auch noch aus deutscher Zeit. In Hettange in Lothringen, nur fünf Kilometer von der Südgrenze des Großherzogtums Luxemburg entfernt und 15 Kilometer von der deutschen Grenze bei Perl, wurden im Frühjahr etwa 20 Bäume auf einem Privatgrundstück am Straßenrand gefällt. Vier Tage lang fällten Holzdiebe das Holz vor den Augen der Nachbarn und transportierten es ab. Die Besitzerin, die nicht in der Gemeinde wohnt, bemerkte all das erst, als alles bereits vorbei war, und erstattete Anzeige. Eine Untersuchung wurde eingeleitet.

Didier Daclin, Vizepräsident des Verbands der privaten Forstwirtschaftsverbände der Region Grand-Est (Fransylva), hat in seiner Region eine starke Zunahme solcher Fälle festgestellt, die er vor allem auf die steigende Nachfrage nach Parkett, Bauholz und Exportholz zurückführt. In den letzten fünf Jahren hat sich der Preis für Eichenholz verdreifacht, das Angebot hat sich aber – auch infolge des Klimawandels – verknappt, wobei die Nachfrage aber stark gestiegen ist. Das gestohlene Holz geht in den Export oder dient dazu, Parallelmärkte zu versorgen.

Diese wilden Abholzungen haben verheerende Auswirkungen auf die lokale Flora und Fauna. Der Einschlag ist brutal und endgültig, viele Besitzer werden nicht mehr die Mittel haben, danach wieder einen Wald aufzubauen, da es sehr teuer ist und sie die Ernte ihrer Arbeit nicht mehr erleben werden. Deshalb werden viele Parzellen nie wieder aufgeforstet werden. Das kriminelle Abholzen ist eine Katas-trophe, es ist eine systematische Zerstörung der Landschaft, des Waldes, der Sauerstoff freisetzt. Hinzu kommt der moralische Schaden, einen Wald zu verlieren, der von Generation zu Generation in den Familien weitergegeben wurde.

Eine Justiz, der es erheblich an Effizienz mangelt
Waldbesitzer bekommen vor Gericht nur selten Recht. In seinem Département Moselle versucht Daclin dennoch, die Opfer davon zu überzeugen, Klage einzureichen, aber nur wenige tun dies, da Anwälte und Sachverständige teuer sind und Diebe selten gefasst werden. Dazu dauern die Verfahren lange. Doch ohne Justiz wird der Eichenraubbau weitergehen.

Fransylva versucht, mit ihren Mitteln Lösungen zu finden, um diesen wilden Holzeinschlag zu verhindern und den Wald leichter zu überwachen. Dies geschieht durch die Sensibilisierung der Bürgermeister für das Thema, die Zusammenlegung kleiner Parzellen, die Bereinigung der Kataster oder auch die Identifizierung der Eigentümer. Der französische Wald besteht zu 75 Prozent aus privaten Eigentümern. Im Gegensatz zu Deutschland, wo die Forstwirtschaft Ländersache ist, ist im zentral regierten Frankreich Paris zuständig. Dort kümmert sich jedoch niemand um den Raubbau.

Der Diebstahl ist oft das Werk international agierender Profis. Die Diebe müssen über lokale Kontakte oder Hehler verfügen, die sowohl die Wälder mit den entsprechenden Eichen als auch die Umgebung vor Ort genau kennen. Außerdem muss man sich gut mit Holzfällerei auskennen und im Besitz der richtigen Ausrüstung sein. Vor allem in China ist die Nachfrage groß, weil dort weltweit die meisten Luxusjachten gebaut werden, deren Holz aus Eichen bestehen, das mehr als 100 Jahre alt sein muss. Trotz der Schwierigkeit, Bäume von bis zu fast 100 Meter Länge zu rauben, sind solche Diebstähle alles andere als ein Einzelfall. Oft gehen die Schäden bei einer Diebestour in die hunderttausend Euro.


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