26.11.2022

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Ohne Worte: Die Spieler der deutschen Nationalmannschaft vor ihrem WM-Auftakt gegen Japan
Foto: imago/AgenciaMexSportOhne Worte: Die Spieler der deutschen Nationalmannschaft vor ihrem WM-Auftakt gegen Japan

Kommentar

Ein Spiegelbild unserer Zeit

Mit großem Getöse kündigte die Nationalelf vor Beginn der Fußball-WM ein Zeichen gegen den Wüstenstaat Katar an. Stattdessen zeigte sie mit ihrem ersten Auftritt, was in unserem eigenen Land im Argen liegt

René Nehring
24.11.2022

Die gestrige Niederlage der deutschen Fußballnationalmannschaft beim Auftaktspiel zur Weltmeisterschaft in Katar gegen Japan ist ein Debakel mit Ansage. Im Vorfeld des Spiels haben die deutschen Elitekicker auf Druck von Politik und der Mehrheit der Medien über viele „woke“ Fragen diskutiert, allen voran, ob man die regenbogenfarbene „One Love“-Armbinde als Zeichen der Solidarität mit den in dem Gastgeberland unterdrückten sexuellen Minderheiten tragen soll.

Mit großem Getöse hatten Spieler und Funktionäre des Deutschen Fußballbundes (DFB) angekündigt, „Zeichen“ gegen das Regime Katars setzen zu wollen. Als der Weltverband FIFA hart blieb und für den Fall des Tragens der Armbinde mit Sanktionen drohte, fiel das Aufbäumen auch schon in sich zusammen. Stattdessen hielten sich die Nationalspieler beim obligatorischen Mannschaftsfoto in Anspielung an die japanischen „Drei Affen“ („Nichts sehen. Nichts hören. Nichts sagen.“) kollektiv den Mund zu – und machten sich damit buchstäblich selbst zum Affen.

Was angesichts dieses Theaters kaum noch eine Rolle spielte, war der Fußball. Es war ein großer Fehler vor allem der DFB-Führung zuzulassen, dass auf dem Rücken überwiegend junger Sportler gesellschaftliche Fragen diskutiert werden. Wie kommt jemand überhaupt darauf, dass ausgerechnet ein paar Jungs, deren Popularität daraus resultiert, begnadet mit einem Fußball umgehen zu können, die gesellschaftlichen Probleme eines steinzeitislamistischen politischen Systems lösen können? Und glaubt jemand im Ernst, dass es den sexuellen Minderheiten in Katar – allen voran den Homosexuellen – besser gegangen wäre, wenn der deutsche Kapitän Manuel Neuer die „One Love“-Binde getragen hätte? Oder dass der Emir des Wüstenstaats die Schwulen und Lesben nun lieb hat, weil Innenministerin Nancy Faeser die Armbinde doch noch im Stadion zeigte?

Doch darum ging es ja auch gar nicht. In Wirklichkeit ging es darum, wieder mal ein „Zeichen“ zu setzen, ein Signal zu geben, dass man zu den Guten, Aufrechten und Anständigen dieser Welt gehört. Der Spielausgang zeigt jedoch, wo es endet, wenn „Haltungsfragen“ wichtiger sind als die Leistung – in einem unnötigen Niedergang.

Und so ist die gesamte Darbietung – die Debatten im Vorfeld, das Einknicken und das Spiel – ein typisches Spiegelbild unserer Zeit. Schon lange zählen im einstigen Land der Dichter und Denker, der Ingenieure und Erfinder nicht mehr Maßstäbe wie Leistung und Funktionalität, Qualität und Erfolg. Stattdessen nötigen „Aktivisten“ ohne Berufsausbildung sowie ihnen nahestehende Politiker und Journalisten der Mehrheitsgesellschaft laufend neue Debatten über die Rettung des Weltklimas oder des Weltfriedens oder den „korrekten“ Gebrauch der Muttersprache oder die Rettung irgendwelcher Minderheiten auf. Dass unterdessen das Bildungsniveau der deutschen Schüler sinkt, dass Wohnungen für Normalverdiener kaum noch bezahlbar sind, dass die öffentliche Verwaltung überlastet ist, dass ganze Großstadtviertel längst „No-go-Areas“ sind und dass tausende Straßen, Schulen und öffentliche Gebäude marode sind, spielt alles keine Rolle. Wichtig ist, dass „wir“ moralisch auf der richtigen Seite stehen.

Wohin all das führt, zeigt die jüngere deutsche Vergangenheit: Das Arbeiter-und-Bauernparadies DDR wähnte sich bis zum Schluss auf der richtigen Seite der Geschichte, während im Alltag nichts mehr funktionierte. Das Ende ist bekannt.

Zurück zum Fußball: Franz Beckenbauer, der zusammen mit dem Brasilianer Mario Zagallo und dem Franzosen Didier Deschamps zu den wenigen Fußballern gehört, die sowohl als Spieler als auch als Trainer Weltmeister wurden, pflegte zu seiner Mannschaft vor jedem Spiel nur eine Sache mit auf den Weg zu geben: „Geht's raus und spielt's Fußball!“



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