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Wenig Bekanntes über Prinz Wilhelm von Preußen
Das Buch „Der Erbe des Kaisers“ von Jörg Kirschstein bringt einige nicht oder weniger bekannte Sachverhalte über Prinz Wilhelm von Preußen ans Tageslicht.
Wilhelm von Preußen wurde am 4. Juli 1906 als erster Enkelsohn von Kaiser Wilhelm II. geboren. Mit der Abdankung des deutschen Kaisers am 28. November 1918 und dem Thronverzicht seines Sohnes schien das Ende der Monarchie in Deutschland gekommen. Wenig bekannt ist, dass Reichskanzler Max von Baden vergeblich versucht hat, die Krone für den Zwölfjährigen zu sichern.
Der SPD-Vorsitzende Friedrich Ebert war monarchistisch gesinnt und über die Ausrufung der Republik durch Philipp Scheidemann sehr verärgert. Dies hatte nachteilige Folgen für Deutschland. Diese Frage ist keineswegs nebensächlich. In Italien entließ König Viktor Emanuel III. am 24. Juli 1943 den italienischen Staatsführer Benito Mussolini und erzwang damit das Ausscheiden Italiens aus dem Zweiten Weltkrieg. Während Großbritannien und Italien – Großmächte und Sieger des Ersten Weltkrieges – konstitutionelle Monarchien blieben, wurde Deutschland eine Republik.
Wilhelm und sein jüngerer Bruder Louis Ferdinand besuchten eine öffentliche Schule. Wilhelm war ein beliebter Schüler und gehörte zu den besten Abiturienten seines Jahrgangs. Während des Studiums schloss der Prinz sich dem national-konservativen Soldatenbund „Stahlhelm“ an und wurde im Bonner Corps Borussia aktiv. 1928 lernte er Dorothea von Salviati kennen, die zwar von Adel war, aber keinem früher regierenden Geschlecht entstammte. Wilhelms Großvater, der frühere Kaiser, opponierte heftig gegen die beabsichtigte Hochzeit. Wilhelm heiratete Dorothea 1933 aber schließlich doch und verzichtete damit auf die ihm zustehende Erbfolge. Er war charakterlich nach seinem Ururgroßvater Kaiser Wilhelm I. geraten. Dieser hatte seinerzeit allerdings darauf verzichtet, seine Jugendliebe, eine polnische Adlige, zu heiraten.
Sein Bruder Louis Ferdinand wurde an seiner Stelle nach dem Tod von Vater und Großvater 1951 Oberhaupt des Hauses Hohenzollern. 1938 war Wilhelm in eine Offiziersverschwörung eingebunden. Wenn es im Zuge der Sudetenkrise zum Krieg gekommen wäre, hätte Wilhelm als „Volkskönig“ eingesetzt werden sollen. Wilhelm arbeitete mit zwei Offizieren eine Verfassungsdenkschrift aus. Doch der Staatsstreich blieb aus.
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges führte Prinz Wilhelm eine Kompanie im Infanterieregiment Nr. 1 in Königsberg/Ostpreußen. Am 2. Oktober 1939 wurde er mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse dekoriert. Im Mai 1940 rückte das Regiment aus, um sich am Frankreichfeldzug zu beteiligen. Beim Kampf um das Dorf Blaregnies erlitt der Prinz am 23. Mai schwere Verwundungen, denen er am 26. Mai erlag. Bei seiner Beisetzung am 29. Mai wurden etwa 50.000 Teilnehmer gezählt. Das verärgerte Adolf Hitler und veranlasste ihn zu der Anweisung, Hohenzollern nicht mehr an der Front einzusetzen, weil das Reich auf deren Heldentod verzichten könne.
Jörg Kirschstein: „Das Erbe des Kaisers. Prinz Wilhelm von Preußen (1906–1940)“, Bebra-Verlag, Berlin 2025, gebunden, 152 Seiten, 28 Euro