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Kultur

Ein Turm gerät ins Wanken

Landeskirche will Mittel für die Potsdamer Garnisonkirche streichen – Es könnte mit einem veränderten Preußenbild zu tun haben

Ralf Loock
06.12.2025

Das Nutzungskonzept des erst im Spätsommer 2024 eingeweihten Turms der Garnisonkirche in Potsdam steckt in schweren finanziellen Nöten. Die Evangelische Landeskirche will den Betrieb nicht weiter unterstützen. Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat angekündigt, keine weiteren Mittel für den Potsdamer Garnisonkirchturm zur Verfügung zu stellen. Dies kündigte jetzt Bischof Christian Stäblein auf der Landessynode an. Der Garnisonkirchenstiftung sei mit „klarer Deutlichkeit“ gesagt worden, dass die in diesem Jahr gewährten Mittel von bis zu 950.000 Euro aus den kirchlichen Kassen die letzte Zuwendung sein müssten, sagte Stäblein Ende November bei der Herbsttagung der Landessynode in Berlin.

Erforderlich seien ein Betriebskonzept für den Turm, das sich selbst finanziert, oder eine „Exitstrategie“, so der Bischof. Wobei offenblieb, wie ein solcher Exit, also ein Ausstieg, konkret aussehen könnte. Will man die Nutzung des Gebäudes durch die Kirche beenden und den Komplex schlicht zum Kauf anbieten? Besonders auffällig und irritierend ist dabei, dass Stäblein nicht nur als Bischof Chef der Landeskirche ist, er ist auch Kuratoriumsvorsitzender der Garnison­kirchenstiftung.

Die Änderungen müssten in den nächsten zwei bis drei Jahren erfolgen. In den Kirchengremien sei mit „Heftigkeit und Nachdruck“ über das Thema diskutiert worden. Die allgemeine Forderung sei jetzt, nichts mehr auf die lange Bank zu schieben.

Weniger Turmbesucher als erwartet
Das Versöhnungszentrum im Turm der Garnisonkirche soll sich schon kurzfristig selbst tragen. Allerdings kommen weniger zahlende Gäste, als die Stiftung gedacht hatte. Wie kommt man aus diesem Dilemma heraus? Die Stiftung Garnisonkirche hofft nun erneut auf Geld aus der öffentlichen Hand. Nach dem vom Bund bereits mit einer zweistelligen Millionensumme geförderten Wiederaufbau gehe es nun um ein „dauerhaftes Engagement, das uns ein großes Anliegen ist“, sagte der Verwaltungsvorstand der Stiftung Garnisonkirche, Peter Leinemann, auf Anfrage der „Potsdamer Neuesten Nachrichten“. Dieser Wunsch sei bereits in Richtung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, annonciert worden.

In den kirchlichen Kreisen spricht man jetzt von einer Grundfinanzierung oder einem Sockelbetrag. Öffentliche Einrichtungen sollen die Bildungsarbeit in dem Turm durch erhebliche jährliche Zuwendungen unterstützen. Die Stiftung will um eine Grundfinanzierung im staatlichen und kirchlichen Bereich werben. Immerhin, so Leinemann, sei der Garnisonkirchturm „der einzige kulturelle Bildungsort, der keine Finanzierung von irgendwoher bekommt“.

Zum finanziellen Bedarf sagte er: Ein Sockelbetrag von 300.000 bis 500.000 Euro im Jahr wäre „angemessen“. Im Blick hat die Stiftung dabei die Landeshauptstadt Potsdam, das Land Brandenburg und den Bundesbeauftragten für Kultur und Medien.

Das Kardinalproblem bei der Finanzmisere: Es kommen weniger zahlende Besucher als geplant. Die Einnahmen aus Ticketverkäufen für die Aussichtsplattform und die Dauerausstellung liegen weit unter den Erwartungen. Konkrete Besucherzahlen hat die Stiftung bisher allerdings geheim gehalten. Die Erwartungen lagen bei 80.000 bis 90.000 Personen pro Jahr.

Jetzt wird klar: Das Besucherinteresse ist um die Hälfte hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückgeblieben. „Bis jetzt haben wir in diesem Kalenderjahr 30.000 Besucher – geplant haben wir mit 60.000 Besuchern“, sagte Stiftungsvorstand Leinemann.

Seit der Eröffnung des Turms im vergangenen Jahr erst gut 45.000 Besucher den Turm mit der Ausstellung besucht. „Daran müssen wir noch arbeiten“, räumte Leinemann mit Blick auf die Besucherzahlen ein: „Wir haben ein gutes Produkt – es muss nur noch bekannter werden.“

Querschüsse aus der Politik
Aber ob dies wirklich reichen wird, muss bezweifelt werden. Denn es gibt noch ein massives inhaltliches Problem. Jene Potsdam-Fans, die vor 20 oder vor 30 Jahren für den Wiederaufbau der Garnisonkirche spendeten, hatten zumeist ein positives Preußenbild und begrüßten die preußischen Tugenden. Ganz anders hingegen präsentiert sich der heutige Turm der Garnisonkirche: Die modernen Ausstellungsmacher zeigen ihn als Bau des preußischen Militarismus, als Hort des deutschen Nationalismus und der Reaktion und damit letztlich auch als Vorläufer der NS-Bewegung.

Dies machte schon Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Rede zur Einweihung deutlich. Er beschrieb damals die Garnisonkirche als zentrales Symbol für die Macht Preußens, für Militarismus und Nationalismus. Im Kaiserreich sei hier die Religion von Hofpredigern, die den Krieg verherrlichten und bedingungslosen Gehorsam forderten, in den Dienst nationalistischer Propaganda gestellt worden.

Steinmeier warnte auch vor den geschichtsrevisionistischen Versuchen, den Wiederaufbau der Kirche zu vereinnahmen. Der Bundespräsident hat mit seiner Beschimpfung der preußisch-deutschen Geschichte die Fördergesellschaft für den Wiederaufbau massiv attackiert.

Kurzum: Der Garnisonkirchenturm präsentiert sich heute als ein „böser“ Bau, als ein Haus voller Schrecken. Und da schließt sich die Frage an: Warum sollte eine Familie in ihrer Freizeit ein so „böses“ Haus besuchen und auch noch Eintritt dafür zahlen? Genau dies hindert viele an einem Besuch des Turms. Vorbei sind die Zeiten, da die Passanten voller Freude, Dankbarkeit und Hingabe an die Garnisonkirche und an die preußischen Tugenden dachten. Vielleicht denken viele auch heute noch so – aber sie bleiben zu Hause und wollen diesen „schrecklichen“ Bau nicht besuchen.

Unterdessen gehen die letzten abschließenden Bauarbeiten an dem Turm weiter. Die Fertigstellung des Turms ist finanziert. Mit Mitteln des Bundes wird derzeit die knapp 30 Meter hohe Turmhaube gefertigt. Sie soll bis zum Sommer 2027 mit einem Kran auf den 57 Meter hohen Turmstumpf aufgesetzt werden.

Damit aus dem Turm eine richtige Kirche wird, müsste man auch das Kirchenschiff wieder errichten. Für diese Realisierung mit einem multifunktionalen Veranstaltungssaal fehlen aber belastbare Finanzierungspläne. Ganz zu schweigen von dem schmucklosen Rechenzentrum. Dieses steht heute zum Teil auf dem Gelände der 1968 gesprengten Garnisonkirche. Also müsste man in Potsdam erst dieses Gebäude aus DDR-Zeiten abreißen, um so Baufreiheit für das Kirchenschiff zu schaffen. Doch in Potsdam fehlt der politische Wille zu solch einem Abriss.


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Kommentare

Peter Wendt am 07.12.25, 10:23 Uhr

Erstaunlich finde ich wie schnell das erfolgreiche und in vielen Bereichen führende Baden Württemberg unter Kretschmann uns seinen Grünen runtergewirtschaftet wurde. Da hat er wohl nicht wirklich zugehört. Das trifft allerdings für die Bürger im Ländle auch zu.

Peter Wendt am 05.12.25, 16:14 Uhr

Hat dieses Land überhaupt noch ein kulturelles und historisch unverfälschtes Rückgrat? Bildungsferne Eliten die sich nur noch über Haltung und ideologischen Unrat definieren, ohne Charakter und ohne Erfolg zerstören alles was ihnen in den Weg kommt.

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