27.02.2024

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Geschichte

Ein unablässiges Gegeneinander

Gerhard Dassow beleuchtet in seinem Werk über Otto Braun und Konrad Adenauer deren Anteil an der staatsrechtlichen Auflösung Preußens

Wolfgang Kaufmann
02.12.2023

Otto Braun und Konrad Adenauer bekleideten zwischen 1920 und 1933 fast zeitgleich zwei der höchsten Staatsämter im Freistaat Preußen: Der Sozialdemokrat Braun fungierte als preußischer Ministerpräsident und der Zentrumspolitiker und Kölner Oberbürgermeister Adenauer war parallel auch Präsident des Preußischen Staatsrates. Aufgrund dessen bestand eine besondere Beziehung zwischen den beiden, die der Betriebswirtschaftler und Historiker Gerhard Dassow erstmals ausführlich beleuchtet, wobei der Schwerpunkt seines Werkes „Otto Braun und Konrad Adenauer. Gemeinsamkeiten, Gegensätze und Widersprüche im Spannungsfeld von Preußentum, Demokratisierung und Republikanisierung“ auf der Beantwortung der Frage liegt, welchen Anteil die beiden an der endgültigen staatsrechtlichen Auflösung Preußens hatten.

Wie Dassow schlüssig nachweisen kann, „haben Braun und Adenauer sich während der gesamten Zeit der Weimarer Republik gegenseitig blockiert: Braun durch sein anachronistisches Festhalten an einem Preußen ‚in den Grenzen von 1866' ... Adenauer durch seine radikale, unverhohlen gegen Preußen gerichtete Rheinlandpolitik und seine ambivalente Haltung zu den gesellschaftspolitischen Umbrüchen jener Zeit“. Dadurch sind letztendlich beide maßgeblich mitverantwortlich für den Untergang Preußens – und zwar sowohl aufgrund ihrer jeweils vertretenen Politik als auch durch das unablässige Gegeneinanderarbeiten.

Andererseits zeigt Dassow, dass die Umstände in der Weimarer Republik sowie nach dem Zweiten Weltkrieg wohl zu keinem anderen Ergebnis geführt hätten, was das Schicksal Preußens betraf, wenn das Verhältnis zwischen Adenauer und Braun besser gewesen wäre. Die folgenschwersten Entscheidungen bezüglich der Zukunft des ehemaligen Königreiches trafen dreimal hintereinander andere: Zuerst Reichspräsident von Hindenburg und Reichskanzler von Papen mit ihrem „Preußenschlag“, wenig später die Nationalsozialisten durch das Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich und zum Schluss die Alliierten mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 46, das die endgültige Auflösung des Staates Preußen verfügte.

Für Interessenten an der Geschichte Preußens ist Dassows Buch eine anregende Lektüre. Allerdings fällt dieselbe nicht immer leicht, da sich der Verlag für eine ungewöhnlich kleine Schrift entschieden hat.

Gerhard Dassow: „Otto Braun und Konrad Adenauer. Gemeinsamkeiten, Gegensätze und Widersprüche im Spannungsfeld von Preußentum, Demokratisierung und Republikanisierung“, Georg Olms Verlag, Hildesheim 2022, broschiert, 342 Seiten, 39,80 Euro


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