27.09.2021

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Zu Beginn des aktuellen Schuljahrs 2021/2022 zeigt sich an etlichen Schulen der Republik, dass freie Stellen aus mehreren Gründen nicht mit qualifiziertem Personal besetzt werden können.
Foto: ShutterstockZu Beginn des aktuellen Schuljahrs 2021/2022 zeigt sich an etlichen Schulen der Republik, dass freie Stellen aus mehreren Gründen nicht mit qualifiziertem Personal besetzt werden können.

Kommentar

Eine Gefahr für die Bildungsnation

Josef Kraus
12.08.2021

Seit Jahrzehnten schieben die Bundesländer, namentlich deren Bildungsminister, ein gewaltiges Problem vor sich her: die unzureichende Versorgung der Schulen mit genügend und mit gut qualifizierten Lehrern. Offenbar sind die politisch Verantwortlichen nicht willens, dieses Problem vorausschauend anzugehen. Sprich: Die Landesregierungen schauen selten über das Ende einer Legislaturperiode hinaus. Mit fatalen Folgen für die deutsche Bildungsnation.

Dabei wären die Planzahlen recht gut fixierbar. Man kennt alle fünf Umstände, die den Lehrerbedarf ausmachen, recht konkret. Man weiß erstens, wie alt Deutschlands Lehrer im Durchschnitt sind und wie viele in den nächsten 15 bis 20 Jahren ersetzt werden müssen. Man weiß zweitens auf mindestens 15 Jahre hinaus, wie viele Schüler es geben wird. Der Grundschüler des Jahres 2027 ist schon geboren, der Gymnasiast des Jahres 2031 und der Berufsschüler des Jahres 2037 ebenso. Drei weitere Größen, die den Lehrerbedarf ausmachen, sind politische Setzungen: die Zahl der Wochenstunden, die Lehrer unterrichten müssen; die Größe der Klassen, die man haben will; und die Zahl an Stunden, die eine Klassenstufe pro Woche unterrichtet werden soll.

Ergo: Der Bedarf an Lehrpersonal ist zumindest auf mittlere Sicht sehr gut überschaubar. Er unterliegt keinen größeren Schwankungen und wäre somit besser planbar als der Personalbedarf der Wirtschaft, die oft rasch sich verändernden Konjunkturzyklen unterliegt. Hausgemachte, also landesspezifische Fehler und Versäumnisse kommen hinzu, wenn etwa manche Bundesländer die Rahmenumstände des Lehrerberufes so miserabel gestalten, dass ihnen die Lehrer davonlaufen und ihr Auskommen in anderen Bundesländern suchen.

Grundsätzlich gilt aber auch: Der Lehrerberuf ist für leistungs- und karriereorientierte junge Leute oft nicht mehr attraktiv: aufgrund schlechter Statusbedingungen, aber auch wegen der Überfrachtung von Schule mit gesellschaftlichen Problemen: Verhaltensauffälligkeiten, mangelnder familiärer Rückhalt, hoher Migrantenanteil usw.

Was ist zu tun? Kurz- und mittelfristig ist ein konkretes Maßnahmenbündel notwendig.

Werbung für den Beruf: Die Kultusministerien sind aufgefordert, unter den Abiturienten für den Lehrerberuf zu werben. Dies muss in einer Weise geschehen, die den Bedarf schulformspezifisch, fächerspezifisch, länderspezifisch und berufsspezifisch differenziert. Erforderlich ist auch eine Image-Kampagne für den Lehrerberuf. Für viele potentielle Lehramtskandidaten ist die ideelle Anerkennung ebenso wichtig wie die materielle. Gesellschaft, Öffentlichkeit und Politik müssen hier Abstand nehmen von Vorurteilen über den Lehrerberuf und sich öffentlich zu seiner Bedeutung bekennen.

Steigerung der Attraktivität: Der Lehrerberuf muss materiell so ausgestattet sein, dass er mit anderen akademischen Berufen hinsichtlich Besoldung und Leistungsanreizen mithalten kann. Das gilt auch für die Anwärterbezüge; sie müssen so dotiert sein, dass sie konkurrenzfähig sind mit der Entlohnung von Berufsanfängern im außerschulischen Bereich.

Umsteigerprogramme: In begrenztem Umfang ist eine Rekrutierung von Lehrern durch Umsteigerprogramme denkbar. Das heißt, die Ministerien sollten Ausschau halten nach Studenten affiner Fächer, die bereit sind, in ein entsprechendes Lehramtsfach umzusatteln.

Sicherung der Ausbildungskapazitäten: Die universitären und schulpraktischen Ausbildungskapazitäten wurden in den vergangenen Jahren zum Teil reduziert. Sie müssen wiederhergestellt bzw. dem Ausbildungsbedarf angepasst werden.

Förderung der bundesweiten Mobilität der Lehrer: Die Bundesländer sind aufgefordert, die Praxis der gegenseitigen Anerkennung der Lehramtsexamina zu verbessern. Das heißt, dass Bundesländer, die in der Lehrerausbildung Sonderwege beschreiten (siehe Stufenlehramt), von dieser mobilitätshemmenden Praxis Abstand nehmen und wieder zu einer schulformbezogenen Lehrerbildung zurückkehren.

• Josef Kraus war bis 2015 Gymnasialdirektor in Niederbayern sowie von 1987 bis 2017 Präsident des Deutschen Lehrerverbandes.



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Kommentare

Jan Kerzel am 15.08.21, 18:51 Uhr

Die strukturkonservativen Ansichten des Autors sind wenig hilfreich. Die Beschulung wird sich im Zuge der Digitalisierung grundlegend ändern. Eine Wiederkehr des Alten wird es gottseidank nicht geben. Das System ist weitgehend dysfunktional und reproduziert einen fatalen Auslesemechanismus. Pädagogik für und zur Freiheit sieht wirklich anders aus. Die vielen Brüche und Widersprüche müssen die Lehrer ganz persönlich ausbaden und sie erleben dadurch Zumutungen und auch Anfeindungen, die das berufliche Dasein erheblich belasten. Die Allermeisten sind froh, wenn sie wieder draußen sind.

Tom Schroeder am 12.08.21, 20:01 Uhr

Ich wollte bis zu meinem 12 Lebensjahr immer Lehrer werden - puhhhhhh - gut, dass ich es nicht geworden bin. Ich hätte das Jahrzehntelang bereut.

mathias müller am 12.08.21, 08:18 Uhr

Deutsche Bildungsnation???
Qualität ist nicht gleich Quantität das man mit mehr Geld
fördern sollte.
Bildung in D seit der Generation der antiautoritären Erziehung gibt es nicht mehr.
Lehrer sind nur noch nachplappernde Äffchen was das
Lehrmatterial vorgibt.
Wie sagte meine Enkelin nach der Abi - man hat uns alles
mögliche gelehrt aber das was ich jetzt in meinem Leben
brauche NICHTS !!! Damit ist alles gesagt.

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