20.01.2026

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Zeitgeschichte

Eine Generation zwischen Altlasten und Aufbruch

In dem Buch „Adenauerianer“ widmen sich vier Autoren den prägenden Menschen einer Epoche, die das kriegszerstörte Land trotz zahlreicher Widersprüche mit unerschütterlichem Willen wieder aufgebaut haben

Bodo Bost
20.01.2026

Der neuer Sammelband „Adenauerianer“ rückt jene Persönlichkeiten ins Licht, welche die frühe Bundesrepublik unter Konrad Adenauer prägten – Frauen und Männer, die mit dem „Alten“ Zeit und Geist des Aufbruchs teilten. Viele von ihnen stammten, wie der Kanzler selbst, aus dem Rheinland.

Adenauer wäre am 5. Januar 150 Jahre alt geworden. Aus diesem Grunde veranstaltet die Konrad-Adenauer-Stiftung ein eigenes Konrad-Adenauer-Jahr. Die Nachkriegsära, die man gemeinhin mit dem Namen Adenauer verbindet, wurde allerdings nicht allein durch den ersten Bundeskanzler geprägt, sondern auch durch eine ganze Generation seiner Mitstreiter und Weggefährten. Ihnen widmen sich vier Autoren in dem Buch „Adenauerianer“, unter ihnen auch Adenauers Enkel gleichen Namens. Sie zeigen, wie jene Menschen die politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Landschaft der jungen Bundesrepublik entscheidend mitgestaltet haben.

Als Konrad Adenauer 1946 im Landtag des neu gegründeten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen den Vorsitz der CDU-Fraktion übernahm, nachdem er kurz zuvor als Bürgermeister von Köln von den Briten abgesetzt worden war, existierte die Bundesrepublik noch nicht. Drei Jahre sollten bis zu ihrer Gründung noch vergehen. Doch schon damals wurden die Weichen gestellt, wohin sich das Nachkriegsdeutschland entwickeln würde.

Das vorliegende Buch widerlegt das Klischee von der bleiernen Nachkriegszeit auf eindrucksvolle Weise. „Adenauerianer“ – das sind in diesem Band keine politischen Jünger des Kanzlers, sondern Menschen seiner Zeit, die die junge Republik auf ihre Weise formten. Sie wirkten in allen gesellschaftlichen Bereichen und machten aus dem vermeintlich restaurativen Deutschland ein erstaunlich modernes, kreatives, erfolgreiches und zugleich offenes Land. Zu ihnen zählen bekannte und weniger bekannte Namen, wie zum Beispiel der Kardinal Josef Frings, der Architekt Hans Schwippert, der Kölner Universitätsrektor Josef Kroll, der Verwaltungsjurist Hermann Pünder – einst Chef der Reichskanzlei, dann KZ-Häftling, 1945 Adenauers Nachfolger als Oberbürgermeister von Köln, später einer der Väter der westdeutschen Bizone – sowie volkstümliche Kölner Persönlichkeiten wie Willy Millowitsch.

Schattenseiten und Brüche
Doch die Autoren verschweigen auch die dunklen Seiten dieser Generation nicht. Werner Höfer, Macher des legendären bis heute unter anderem Namen sehr erfolgreichen „Internationalen Frühschoppens“, stürzte 1987, lange nach Adenauers Tod, über die Enthüllung eines Artikels von 1943, in dem er die Hinrichtung eines Pianisten in schändlicher Weise gefeiert hatte. Aber auch kaum noch bekannte Personen, wie Adenauers erster Staatssekretär im Kanzleramt, Otto Lenz (1903–1957), der zu den wichtigsten Mitarbeitern der ersten Stunde von Adenauer gehörte, aber in dessen vierbändigen Erinnerungen nicht erwähnt wird, erhält seinen Platz. Er hatte in der Hitlerzeit enge Kontakte zu den Verschwörern des 20. Juli, starb aber 1957 unter nicht näher geklärten Umständen in einem Armenkrankenhaus in Neapel an Malaria.

Auch sein Nachfolger im Kanzleramt, der ehemalige NS-Jurist Hans Globke, erhält in dem Buch eine objektive Würdigung abseits des sonst üblichen Schwarz-Weiß-Schemas. Adenauers berühmter Satz „man könne in Ermangelung von sauberem Wasser kein schmutziges wegschütten“ – war typisch für die moralischen Grauzonen zwischen NS-Vergangenheit und Neuaufbruch.

„Adenauerianer“ vermittelt das Porträt einer Generation, die zwischen Aufbruch und Altlasten stand – geprägt von Widersprüchen, aber dennoch Träger eines unerschütterlichen Willens, ein Land wieder aufzubauen und neu zu gestalten.

Konrad Adenauer/Hugo Bergham/Christoph Hardt/Henner Löffler: Adenauerianer. Gestalter, Macher, Zauberer - wem wir die Republik verdanken“, Dittrich Verlag, Weilerswist 2025, gebunden, 428 Seiten, 22,90 Euro


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