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Hohenzollern

Eine königliche Bescherung

Ein Schloss als Weihnachtsgeschenk – Der Soldatenkönig und seine Hauptresidenz in Königs Wusterhausen

Martin Stolzenau / Harald Tews
25.12.2023

Ein ganzes Schloss als Weihnachtsgeschenk – Kurfürst Friedrich III., der nachmalige König in Preußen Friedrich I., muss seinen Sohn Friedrich Wilhelm wahrlich geliebt haben. An Heiligabend des Jahres 1698 bescherte er den Kurprinzen mit Schloss Wendisch Wusterhausen inklusive dazugehöriger Güter, die südöstlich der Berliner Stadtgrenze am Zusammenfluss der Dahme mit dem Nottekanal liegen.

Diese weihnachtliche Schenkung vor 325 Jahren hatte Folgen: Friedrich Wilhelm gründete hier seine Leibkompanie „Lange Kerls“ und erhob als König Friedrich Wilhelm I. den Ort, der seit 1718 Königs Wusterhausen heißt, zu seinem Lebensmittelpunkt. Das Schloss bildet heute mit dem Park neben anderen Sehenswürdigkeiten wie dem nach dem Vorbild des Istanbuler Galataturms erbauten Niederlehner Wasserturm, der Schleuse Neue Münze, der Kirche sowie dem Sender- und Funktechnikmuseum auf dem Funkerberg in Königs Wusterhausen einen besonderen Anziehungspunkt für Ausflugstouristen. Hier kann man die Zeit unter dem Soldatenkönig dank vieler Originalexponate atmosphärisch und hautnah miterleben.

Der Besitz diente Friedrich Wilhelm fortan als Rückzugsort vom prunkvollen Hofleben in Berlin, das er als Verschwendung ablehnte. Der Kurprinz experimentierte mit einer erfolgreichen Bewirtschaftung, entwickelte schon in jungen Jahren dabei einen „sich selbst tragenden Musterbetrieb“ sowie einem „Staat en miniature“. Im Gegensatz zum Berliner Hof mit seinen unkontrollierten Ausgaben führte er hier eine Art Haushaltsbuch. Das Prinzip der Wirtschaftlichkeit und Buchhaltung in Wusterhausen wurde von ihm später als König im ganzen Land durchgesetzt.

Nach dem Tod seines Vaters trat der Kurprinz aus Wusterhausen als Friedrich Wilhelm I. 1713 die Nachfolge an. Er führte die Titel Markgraf von Brandenburg, Erzkämmerer und Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches sowie König in Preußen. Er regierte vom ersten Tag an mit straffer Hand und überaus sparsam. Den einzigen Luxus, den er sich im spartanisch eingerichteten Schloss leistete, war sein legendäres „Tabakskollegium“, das durchaus verschwenderisch mit Tabak- und alkoholischen Waren umging.

Königs Wusterhausen war aber nicht nur ein Ort der Muße, sondern auch der Politik. Hier wurden politische Entscheidungen getroffen, Dekrete unterzeichnet und die Bestrafung seines flüchtigen Sohnes Friedrich und dessen Helfers Hans Hermann von Katte 1730 angeordnet.

Nach dem Tod Friedrich Wilhelms I. 1740 erbte dessen zweitgeborener Sohn August Wilhelm Königs Wusterhausen. Friedrich II. hatte kein Interesse an dem Ort seiner unglücklichen Kindheit.

Im 19. Jahrhundert wurde das Schloss nach längerem Dämmerschlaf wieder von den Hohenzollern als Jagdschloss genutzt. 1913 fand unter Kaiser Wilhelm II. die letzte große Hofjagd in Königs Wusterhausen statt. Nach Nutzung als Lazarett im Zweiten Weltkrieg und Unterbringung der Kreisverwaltung zu DDR-Zeiten wurde das Schloss nach 1989 umfassend restauriert und im Millenniumsjahr 2000 als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.


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