20.01.2022

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Porträt der Madame de Pompadour: Ölgemälde von François Boucher (1703–1770)
Foto: National Galleries of ScotlandPorträt der Madame de Pompadour: Ölgemälde von François Boucher (1703–1770)

Geschichte

Eine königliche Mätresse der Extraklasse

Vor 300 Jahren kam die als Madame de Pompadour bekannte spätere Vertraute Ludwigs XV. Jeanne Antoinette Poisson zur Welt

Manuel Ruoff
26.12.2021

Preußens König Friedrich der Große sprach im Zusammenhang mit der gegnerischen Koalition der drei kontinentalen Großmächte Russland, Österreich und Frankreich im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) von den drei Unterröcken. Er stellte damit die französische Mätresse Jeanne-Antoinette Poisson, besser bekannt als Madame de Pompadour, auf eine Stufe mit den Monarchinnen Elisabeth von Russland und Maria Theresia von Österreich. Gegenüber Voltaire klagte Friedrich, sie habe Frankreich zu einem „Schandmal der Liebe“ und den französischen König zu ihrem „Spielzeug“ gemacht.

In der Tat hatte Poisson großen Einfluss auf Ludwig XV., dessen Geliebte, Vertraute, Beraterin und Freundin sie war. Dass Frankreich im Siebenjährigen Krieg auf der Seite der Verlierer kämpfte und die Entschiedenheit, mit der es das tat, war nicht zuletzt ihr Werk. In diesem Zusammenhang fielen ihre berühmten Worte: „Nach uns die Sintflut“.

Gegenspielerin des Alten Fritz

Nach ihr kam in der Tat in gewisser Hinsicht eine Sintflut, nämlich die Französische Revolution. Diese war nicht zuletzt eine Folge des Engagements und der Niederlage Frankreichs im Siebenjährigen Krieg, die zur Zerrüttung der französischen Staatsfinanzen beitrugen und dem Königreich außer viel Geld auch seine nordamerikanischen Kolonien kosteten.

Und noch in zweierlei anderer Hinsicht leistete Poisson der Französischen Revolution Vorschub. Zum einen unterminierte die „königliche Hure“ mit ihren großen finanziellen Ausgaben die Autorität und das Ansehen des Königs in der Öffentlichkeit. Hiervon zeugen Spottverse, sogenannte Poissonaden, wie die folgenden, wobei zum besseren Verständnis hinzuzufügen ist, dass Poisson auch das französische Wort für Fisch ist: „Die Reichen wollen reicher sein, / Die Fische werden fett und fein. / Es herrscht ein Taugenichts. / Schlösser baut man für alle Welt, / indes stets mehr der Staat verfällt.“

Wirken über den Tod hinaus

Allerdings gab Poisson nicht nur Geld für Schlösser wie den heutigen Élysée-Palast aus, sondern förderte auch Geist und Kunst beziehungsweise deren Vertreter. Nicht zuletzt Exponenten der Aufklärung wie Voltaire, Jean-Jacques Rousseau sowie die Enzyklopädisten Denis Diderot und Jean Baptiste le Rond d'Alembert genossen ihre Förderung. Auch damit leistete sie der Französischen Revolution Vorschub, half sie damit doch den geistigen Nährboden zur Überwindung des Ancien Régime zu schaffen.

Und auch in anderer Hinsicht wirkte sie über ihren Tod hinaus. Die Errichtung des heutigen Place de la Concorde förderte sie ebenso wie die der Militärakademie in Saint-Cyr für Söhne gefallener oder verwundeter Soldaten. Des Weiteren bemühte sich Poisson um den Aufbau einer eigenen französischen Porzellanindustrie in Konkurrenz zur vorherrschenden sächsischen.

Aufstieg aus dem Bürgertum

Bemerkenswert ist Poisson noch aus weiteren Gründen. So ist sie die erste gebürtige Bürgerliche, die es bis zur maîtresse en titre (offiziellen Mätresse) eines Königs von Frankreich gebracht hat. Am 29. Dezember 1721 kam Poisson in Paris zur Welt. Durch die Heirat mit Charles-Guillaume Le Normant, seigneur d'Étiolles, einem reichen Untersteuerpächter sowie Neffen ihres Vormunds und möglicherweise leiblichen Vaters Charles François Paul Le Normant de Tournehem, stieg sie 1741 in den Adel auf.

Bereits mit neun Jahren war ihr von einer Wahrsagerin prophezeit worden, Mätresse Ludwigs XV. zu werden. Seitdem arbeiteten ihre Mutter und sie daran. Gezielt brachte sie sich ins Blickfeld des Königs, wenn der im Wald von Sénart jagte, bis die damalige Mätresse den König vor ihr eifersüchtig abschirmte. Erst nach deren Tod 1744 kam Poisson zum Zuge. Dem Kardinal de Bernis, François-Joachim de Pierre, war sie während der Jagden aufgefallen, und er lud sie und den König 1745 zu einem Maskenball aus Anlass der Vermählung des Kronprinzen ein, auf dem die beiden sich näherkamen. Noch im selben Jahr machte Ludwig Poisson zu seiner offiziellen Mätresse und zur Markgräfin (Marquise) von Pompadour.

Poisson agierte klug. Sie netzwerkte emsig und erfolgreich und schaffte es sogar, die Königin für sich einzunehmen. Letzteres machte sie derart erfolgreich, dass diese sie zu ihrer Hofdame und zur Herzogin (Duchesse) von Menars machte.

In des Königs Gunst bis zum Schluss

Poisson war weise genug zu erkennen, dass ihre sexuelle Anziehungskraft auf den König, der eine Schwäche für schöne Frauen hatte, zeitlich beschränkt war. „Ich habe solche Angst, den König zu verlieren, wenn ich nicht mehr so bin, wie er es wünscht. Sie wissen doch, dass Männer nun einmal bestimmte Dinge besonders schätzen und es ist mein Unglück, dass ich so kalt bin“, schrieb sie besorgt ihrer Zofe. So sorgte sie vor. Systematisch baute sie neben der sexuellen eine platonische Beziehung zum König auf. Die Kunstliebhaberin unterhielt Ludwig XV. nicht nur im Bett, sondern auch mit künstlerischen Darbietungen, beriet ihn in politischen Fragen, wurde seine Vertraute und band ihn möglicherweise auch dadurch an sich, dass sie ihm junge Frauen aus dem Volke zuführte. Sie versuchte, sich dem König nützlich, wenn nicht gar unentbehrlich zu machen, und konnte so am Hofe bleiben.

Von Kindheit an litt Poisson unter einer schleichenden Tuberkulose. Zahlreiche Fehlgeburten schwächten ihre Gesundheit zusätzlich. Am 15. April 1764 erlag sie in den königlichen Gemächern in Versailles ihrem Lungenleiden. Poisson war damit nicht nur die einzige maîtresse en titre, die es als gebürtige Bürgerliche so weit gebracht hatte, sondern auch die einzige, die sich so lange die Gunst des Königs bewahren konnte, dass sie von Versailles aus zu Grabe getragen wurde.



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Kommentare

sitra achra am 03.01.22, 16:00 Uhr

Also vermutlich war sie eine Vorläuferin von Ghislaine Maxwell und ihren "Sonnenkönig" Jeffrey Epstein.

Chris Benthe am 28.12.21, 11:16 Uhr

Ganz vorzügliche Geschichte für die ruhige Zeit "Zwischen den Jahren" .
Mit Vergnügen gelesen, vielen Dank.

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