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Wohnungsbau

Eine königliche Modellsiedlung

Erschwinglicher Wohnraum für alle – Im britischen Poundbury entsteht eine Siedlung nach einer Vision König Charles III.

Dagmar Jestrzemski
22.01.2024

Charles III. von Großbritannien wird von den britischen Medien gern als „Modernisierungskönig“ bezeichnet. Manche eigenwilligen Gewohnheiten und beispielsweise der Verzicht auf eine prunkvolle Karosse für die Fahrt mit seiner Gemahlin Camilla zur Krönung in der Westminster Abbey im Mai vergangenen Jahres dienen als Beleg dafür. Kritiker monieren jedoch, dass Charles' Hang zur traditionellen ländlichen Architektur und einer untergegangenen Lebensart sich kaum mit dieser Vorstellung vereinbaren ließe. Aber stimmt das auch?

1989 hatte der damalige Prince of Wales in seinem Buch „A Vision of Britain“ die konventionelle, uninspirierte Wohnbebauung in Großbritannien beklagt und als Alternative die Vision einer im positiven Sinne rückwärts gewandten, auf Schönheit und Behaglichkeit ausgerichteten Architektur entworfen. Dabei lobte Charles die Vorschläge des bekannten luxemburgischen Architekten Léon Krier. Dieser hatte sich 1988 in seinem Buch „Architektur – Freiheit oder Fatalismus“ ebenfalls abfällig über den modernistischen, unterkühlten Baustil geäußert: „Uns allen wurde der Gedanke eingeimpft, dass unsere Arbeiten den Geist unserer Zeit ausdrücken müssten. Doch die besten Werke der Vergangenheit beweisen das Gegenteil. Sie wurden zu Mythen, über alle Epochen hinweg. Allein dadurch sind sie ewig jung.“

Nach einigen Jahren der Planung startete vor 30 Jahren der Bau der Modellsiedlung Poundbury nahe der Kleinstadt Dorchester in der Grafschaft Dorset als gemeinschaftliches Projekt des Prinzen von Wales und von Léon Krier. Der Auftrag an die beteiligten Architekten lautete, dass alle Gebäude sowohl mit Blick auf Schönheit als auch auf kurze Wege zu Arztpraxen, Einzelhandel, Cafés und Pubs zu konzipieren seien.

Poundbury sollte aber keine Domäne der Reichen werden. Man plante bewusst einen Ort, in dem Menschen aus verschiedenen Besitzverhältnissen und Gesellschaftsschichten zusammen wohnen könnten. Kennzeichnend für Poundbury mit derzeit 4000 Einwohnern ist eine einzigartige Retro-Architektur mit Wohn- und Bürogebäuden in verschiedenen Architekturstilen vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert.

Neben dem reichlich vertretenen, von Charles geliebten klassizistischen Stil findet man Landhäuser nach regionaler Bautradition und im Stil italienischer Villen. Zu 35 Prozent sind erschwingliche Wohnungen geschaffen worden. Aus diesem Grund führte das Herzogtum Cornwall ein Rabbattprogramm für die Modellsiedlung ein, das Erstkäufern ermöglicht,

Immobilien mit einem Preisnachlass von 25 bis 30 Prozent zu erwerben, der dann an den nächsten Eigentümer weitergegeben wird.

Ben Murphy, Direktor für Landbesitz im Herzogtum Cornwall, meint, dass der Bau von Qualitätswohnungen für die Attraktivität einer Region wichtig sei, wenngleich Investoren längere Zeit auf Gewinn warten müssten.

Rückblickend ist zu konstatieren, dass Poundbury der erste Ort in England war, der erschwinglichen Wohnraum mit Marktwohnungen kombiniert hat. Das von König Charles weiterhin überwachte Projekt soll 2027 mit der Fertigstellung von insgesamt 2700 Häusern abgeschlossen werden – ein Haus für jeden Arbeitsplatz in der Region.


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