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Pures Naturgefühl: Wandertouristen mit Schlafsäcken am Matterhorn
Foto: shutterstockPures Naturgefühl: Wandertouristen mit Schlafsäcken am Matterhorn

Erfindergeist

Eine patente Ruhezone

Übernachtung im Freien, ohne dass man sich Frostbeulen holt – Vor 125 Jahren erfand Ferdinand Jacob den Schlafsack

Bettina Müller
13.02.2024

Wer heute einen Schlafsack erwerben möchte, hat unter den vielen Anbietern die Qual der Wahl. Vor 125 Jahren war das dagegen noch eine recht einfache Angelegenheit. Man brauchte nur stumm auf das Regal „Patent-Schlafsack von Ferdinand Jacob“ zu deuten und konnte sogleich mit einem warm gefütterten Schlafsack mit porös-wasserdichtem Überzug von dannen ziehen. Praktisch zusammengelegt war er ein idealer Begleiter auf allen Wegen, und der Käufer konnte sich sicher sein, dass er ohne Frostbeulen zurückkehren würde.

Ein gewisser Professor Dr. Augustin Krämer hatte bei einer Außen-Übernachtung weniger Glück gehabt. Seine zweite Südseereise hatte den Forscher nach Hawaii geführt, wo ihn auf seinem Nachtlager – einem blanken Felsen – ein Schneesturm kalt erwischt hatte. Der nur in eine dünne Decke gehüllte Mann fror sich bei minus 8 Grad den Allerwertesten ab und bereute dies später in seinen Erinnerungen: „Ich war aber auch selbst schuld, dass ich den warmen Schlafsack, den ich eigens für solche Zwecke zu Hause von Ferdinand Jacob bezog, nach Samoa vorausgeschickt hatte.“ Jacob hatte nämlich zuvor das erste deutsche Patent für einen federleichten Schlafsack angemeldet, der „allseitig geschlossen“ war, aber auch einen wasserdichten Überzug und ein Kopfteil mit Luftzufuhrkanälen hatte.

Der Kaufmannssohn Ferdinand Jacob wurde am 20. Mai 1857 in Dinslaken geboren. 1884 trat er im Wirtschaftsleben mit einer „Präparierungs-Anstalt“ in Erscheinung, die „mit einer ganz neuen Methode“ eine wasserdichte Imprägnierung von Geweben jeder Art garantierte. Es blieb nicht bei einem einzigen Patent, auch die innovative „garantiert wasserdichte und doch poröse“ Kleidung namens „Aquadent“ ging auf sein Konto. Sie konnte durchaus modern sein.

Besonders elegant war sein „Havelock“, ein langer ärmelloser Mantel mit abnehmbarer Pelerine. Fürst von Bismarck schrieb daraufhin recht angetan an Jacob: „Der von Ihnen bezogene wasserdichte Havelock hat sich recht gut
bewährt.“

Jacob bürgte für Qualität und produzierte en masse Spezialbekleidung für Jagd, Sport, Ski und Reise. Bald erschloss er auch den internationalen Markt, was er vor allem durch die militärische Nutzung seiner Produkte erreichte, dabei aber auch Sonderanfertigungen wie Zechenbekleidung nicht außer Acht lassend. In der Folge regnete es Auszeichnungen bei Gewerbeausstellungen, Adelshäuser beehrten ihn mit ihren Aufträgen.

Es wurde Zeit, die Provinz zu verlassen, und so verlegte er im Jahr 1900 sein Geschäft nach Köln, wo das Haus Neumarkt 23, das er gekauft hatte, die Firmenzentrale wurde. Der Kaufmann und Erfinder starb am 12. Juli 1912 und wurde auf dem jüdischen Friedhof von Köln-Deutz beerdigt. Seine Witwe übernahm daraufhin das Geschäft, das im Ersten Weltkrieg noch mehr Aufwind bekam, weil der „Jacobs Original-Schlafsack“, wie sie sagte, „in jedem Regiment der Deutschen und Österreich-Ungarischen Armee“ in Gebrauch war. Im Jahr der „Machtergreifung“ 1933 konnte Mally Jacob ihr Geschäft rechtzeitig abgeben und nach Bogotá emigrieren. Sie starb 1957 in England.

Heute erinnert nichts mehr an den kreativen Erfinder. Das Grab des Ehepaars Jacob in Köln-Deutz hat schon lange niemand mehr besucht.


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