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Katharina II: Bildnis von Vigilius Erichsen, der zwischen 1757 und 1772 in St. Petersburg kaiserlicher Gerichtshofmaler war
Foto: ShutterstockKatharina II: Bildnis von Vigilius Erichsen, der zwischen 1757 und 1772 in St. Petersburg kaiserlicher Gerichtshofmaler war

Katharina die Große

Eine Preußin erobert den russischen Zarenthron

Inspiriert von den Ideen der Aufklärung, konnte „Welikaja“ – die Große – einen Teil ihrer ehrgeizigen Reformen umsetzen. Unter ihrer Führung entwickelte sich Russland zur europäischen Großmacht

Manuela Rosenthal-Kappi
14.11.2021

Die in Preußen geborene Prinzessin auf dem Zarenthron, Katharina II., ist die einzige Herrscherin Europas, deren Namen den Zusatz „die Große“ erhielt. Die Monarchin fühlte sich von allem Russischen angezogen, eine gute Voraussetzung, um nach der Krone zu greifen. In Russland angekommen, erlernte sie schnell die russische Sprache, befolgte orthodoxe Traditionen und eroberte die Herzen der Russen.

Welche Verehrung die aus dem verarmten Hochadelsgeschlecht der Askanier stammenden Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst, die am 2. Mai 1729 in Stettin das Licht der Welt erblickte (siehe PAZ Nr. 44, Seite 19), auch heute noch in Russland findet, zeigen neben zahlreichen Denkmälern im ganzen Land unzählige Biographien und nicht zuletzt die vielen Verfilmungen ihres skandalumwitterten Lebens.

Katharinas Leben im Film

Eine der größten und mit damals zirka acht Millionen Euro teuersten Produktionen in der Geschichte des russischen Fernsehens ist die 2015 begonnene TV-Serie „Welikaja“ (Die Große), ein Historiendrama, das dem Leben Katharinas II. gewidmet ist und im Stil westlicher Erfolgsserien wie „Die Tudors“ oder des deutschen Pendants „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“ gedreht wurde. Schauplätze der ersten Staffel waren die Wirkungsorte Katharinas, wie die Peter-und-Paul-Festung, die Smolnyj-Kathedrale in St. Petersburg und der Katharinenpalast in Puschkin sowie Peterhof, die ehemalige Sommerresidenz der Zaren am Finnischen Meerbusen.

Mit Julia Snigir – die unter anderem in dem Action-Thriller „Stirb langsam 5“ mitspielte – als Katharina und Natalja Surokowa in der Rolle der Zarin Elisabeth I. wurde die Serie mit renommierten Darstellern besetzt. Premiere feierte „Welikaja“ 2015 im staatlichen Sender „Erster Kanal“. Die erste Staffel behandelt die Jahre 1744 bis 1762. Die zweite spielt von 1762 bis 1775 und die in der Entstehung befindliche dritte Staffel, mit der 2022 gerechnet wird, ist der Zeit ab 1775 bis 1796 gewidmet.

Die Herrschaft Katharinas II. gilt in Russland als bedeutendste Periode der Geschichte des Landes. Nachdem die willensstarke, selbstbewusste, ungewöhnlich gebildete und intelligente Großfürstin mithilfe der Garde durch einen Staatsstreich 1761 gegen ihren Gatten Peter III. auf den Thron gelangt war, machte sie sich sogleich daran, ihre vom Geist der europäischen Aufklärung und den Ideen der Franzosen Diderot, Montesquieu und d'Alembert geprägten politischen Ziele in die Tat umzusetzen. In ihrem Umbau von Staat und Gesellschaft sah sie sich in der Tradition Peters des Großen, dessen Reformwerk sie fortsetzen wollte. Katharina II. gewährte dem Adel Freiheiten und sorgte für die Säkularisierung des klösterlichen Grundbesitzes, der an den Staat fiel. Das erlaubte ihr, die Armee zu vergrößern. Sie belebte den Handel und verdoppelte die Zahl der Industrieunternehmen. Die staatlichen Einnahmen stiegen durch diese Maßnahmen auf das Vierfache an.

Umbau von Staat und Gesellschaft

Außenpolitisch ist Katharinas Regentschaft von dem Sieg gegen die Türken mit dem Anschluss der Krim 1783 und einem Neurussland genannten Teil der Ukraine sowie weiteren Landgewinnen, unter anderem Asow und Kuban, einem Teil von Weißrussland, Polen und Litauen gekrönt. Katharina II. hat Russland zur Großmacht aufgebaut. Auf diese glorreiche Periode der russischen Geschichte führt heute Wladimir Putin seinen Anspruch auf die Krim zurück und spricht in dem Zusammenhang ebenfalls von „Neurussland“.

Katharina II. mag Putin Vorbild sein in seinem Alleinherrschaftsanspruch in der Tradition der Zaren. Ähnlich wie einst Katharina sich um die Sicherung und Legalisierung ihrer Stellung kümmern musste, verfolgt Putin seine Gegner genauso unbarmherzig wie die Zarin. Ihr auch als „Goldenes Zeitalter des russischen Adels“ bezeichneter aufgeklärter Absolutismus mit dem Festhalten an der Leibeigenschaft beschwor in den Jahren 1773 bis 1775 Bauernaufstände unter Führung von Jemeljan Pugatschow herauf. Es dauerte lange, bis die zaristische Garde seiner habhaft werden und man ihn zum Tode durch Enthauptung verurteilen konnte.

Zu den großen Erfolgen ihrer Politik zählt zweifellos die Einführung von Schulen und Ämtern mit sozialen Aufgaben, die Dezentralisierung der Verwaltung und die Gründung eigener Standesgerichte für den Adel, Städter und nicht-leibeigene Bauern. Die Zarin gründete die Russische Akademie, die bald zu den führenden europäischen Bildungsstätten zählte. Besondere Aufmerksamkeit schenkte Katharina auch der Entwicklung der Landwirtschaft. Ihre als liberales Gesetzesregelwerk angelegte „Große Instruktion“ scheiterte jedoch an den adeligen Mitarbeitern.

Katharina II., die wegen ihrer zahlreichen Liebhaber als sittenlos und heuchlerisch galt, ist dessen ungeachtet eine Frau, die als mächtigste Monarchin in die Geschichte Russlands einging. Sie galt als Vorbild für den Patriotismus zukünftiger Generationen, und das, obwohl nicht ein einziger Tropfen russischen Blutes in ihr floss.

Vor 225 Jahren, am 17. November 1796, starb Katharina II. an einem Herzinfarkt. Sie fand in der Kathedrale der Peter-und-Paul-Festung ihre letzte Ruhestätte. Ihr stürmisches Leben war bestimmt von Intrigen, Verschwörungen, Liebesromanzen und dem Kampf um den Thron, dessen sie sich letztlich als würdig erwies.

Katharinas Leben im Buch

Auch hierzulande beschäftigen sich Autoren immer wieder mit Katharina der Großen. Zuletzt ist Cornelia Wusowskis Romanbiographie „Katharina die Große. Der Weg zur Zarenkrone Russlands“ erschienen. Darin beschreibt die auf historische Romane spezialisierte Autorin in einer Mischung aus Romanhandlung und dokumentarisch wirkenden Einschüben die Jahre von Katharinas Geburt als Prinzessin Sophie von Sachsen-Anhalt, ihre durch Armut und Lieblosigkeit der Mutter geprägte Kindheit, ihre Reise an den Zarenhof nach St. Petersburg und ihr dortiges Leben bis zur Thronbesteigung.

Das in drei Teile gegliederte Buch beschäftigt sich im ersten Teil mit der Ankunft der Prinzessin in Russland, ihren Treffen mit Elisabeth I. und wie aus ihr Katharina wurde, bis zur Hochzeit mit dem späteren Zaren Peter III.

Der zweite Teil ist dem trostlosen Eheleben an der Seite des Großfürsten Peter gewidmet, dem Warten auf den Thronerben, der dank Elisabeths Intervention neun Jahre nach der Eheschließung endlich geboren wurde. Ob Paul I. Peters rechtmäßiger Sohn ist oder aus der Affäre mit dem Grafen Sergej Saltykow hervorging, ist bis heute umstritten. Der dritte Teil erzählt spannend die Zeit vor dem Staatsstreich und endet kurz vor der Krönung.



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Kommentare

sitra achra am 24.11.21, 15:21 Uhr

Ich habe beim englischen Erfolgsautor Rutherford ("Russka") erfahren, dass Katharina ein ziemlich machtgieriges Monster war. Sie hatte allerdings auch ihre wohlverdienten Erfolge. Für das einfache russische Volk war sie jedoch kein Gewinn. Man sollte sie keineswegs verklären.
Oder sollte man sich mit einer Auftragsmörderin solidarisieren?

Jan Kerzel am 15.11.21, 15:55 Uhr

Eine asoziale Herrscherin sollte nicht verklärt werden, von wegen Bildung etc. Woher diese Figuren kommen, ist vollkommen unerheblich. Das einfache Volk hat unter diesen Herrschern immer schwerst gelitten. Nach deren geschundenen und genommenen Leben frägt keiner. Das ist aber die wahre Geschichte und nicht nur eine Randnotiz. Irgendwie was mit Preußen und Russland, das haut nicht hin. Das ist eine Fiktion.

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