30.11.2020

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden

Schönes Hinterpommern

Eine Reise nach Hinterpommern

Kommen Sie mit nach Neustettin, Groß Born und Dramburg

Brigitte Klesczewski
23.08.2020

Schon im Februar 2020 war für Juli eine Reise nach Neustettin, Dramburg und Stargard geplant worden. Die drei Städte liegen an der Bahnstrecke Stettin - Posen. Fast hätte „Corona" jedoch diese Fahrt undurchführbar gemacht, wenn Polen nicht seine Grenze wieder geöffnet hätte. Bewaffnet mit Gesichtsmasken, Anwendungspflicht in geschlossenen Räumen, besonders in Bahn und Bus, traten wir den Urlaub an. Pünktlich erreichten wir Neustettin [Szczecinek]. Gewöhnungsbedürftig war nur der Empfang im „Pensjonat Szczecinek". An der Hoteltür prangte ein Schild mit einer Telefonnummer. Ohne Handy hätte es da gleich eine Schwierigkeit gegeben. Nach unserem Anruf erschien eine Hotelangestellte. Sie wies uns ein, gab uns den Code für die Eingangstür und verschwand wieder bis zum Frühstück am nächsten Morgen. Wir waren aber mit Kaffee und Tee zum Selberkochen sowie Wasser im Zimmer reichlich versehen. Ebenso verlief der Empfang im Hotel Artemis in Dramburg [Drawsko Pomorskie]. Nur in Stargard im Hotel Spichlerz begrüßte uns der Hotelbesitzer. Das mag wohl daran gelegen haben, dass hier 6 Monteure der Firma Schweer aus Magdeburg untergebracht waren, die nachts an der Strecke Dölitz-Arnswalde Schienen verlegten und nach getaner Arbeit munter zusammensaßen.

Unser Pensjonat Szczecinek war ein Wachhaus aus kaiserlichen Zeiten für ein Kasernengelände gewesen, denn Neustettin war Garnisonsstadt. Es lag nahe am 3 qkm großen und 14 m tiefen Streitzigsee. Da Neustettin wie Belgard am Ende des 2. Weltkrieges kaum zerstört wurde, ist die Kreisstadt eine Perle Hinterpommerns mit gepflegten Promenaden am See geblieben. In diesen Parkanlagen begrüßte uns ein Radfahrer in vollendetem Deutsch und erzählte von seiner langjährigen Tätigkeit in Deutschland. Er hatte uns, wie er sagte, an unserer Kleidung als Deutsche erkannt. Wir wanderten am Streitzigsee am Schloss der Greifenherzöge vorbei bis zum Bismarckturm, den man leider nicht besteigen durfte. Zurück ging es mit dem Ausflugsdampfer „Bayern" bis zur Haltestelle am Schloss. Das Schloss war bis 1652 der Witwensitz der Fürstin Hedwig aus dem Herzoghause Braunschweig-Lüneburg gewesen. Mit 22 Jahren hatte sie 1619 den Greifenherzog Ulrich geheiratet. Er war Bischof von Cammin und ein Bruder des letzten regierenden Herzog Boguslaw XIII. gewesen. Das Greifengeschlecht starb danach aus und Pommern fiel infolge der Erbfolge zum Teil an den Kurfürsten von Brandenburg.

Nach dem frühen Tod ihres Mannes 1622 lebte Fürstin Hedwig weiter im Neustettiner Schloss. Sie war eine fromme Frau und stand fest im evangelischen Glauben. Im Jahr 1640 gründete sie eine Lateinschule. Es war nach dem Peter-Gröning-Gymnasium in Stargard die 2. Gründung eines Gymnasiums in Hinterpommern. Die nach ihr benannte Schule liegt am Streitzigsee. Das traditionsreiche Fürstin-Hedwig Gymnasium, das 300 Jahre jungen Menschen diente, über dessen Eingangstür „Juventuti sacrum, „der Jugend geweiht" steht, nennt sich heute Elisabeth Liceum nach Elisabeth von Polen 1347-1398. Das jetzige Schulgebäude stammt aus dem Jahr 1913.

Nicht vergessen werden soll, dass Neustettin in den 1930er Jahren mit dem Bau des Truppenübungsplatzes Groß Born auch zum Versorgungszentrum für diesen Militärübungsplatz für Panzer und Artillerie wurde.

Als Touristen fuhren wir von Neustettin nach dem 18 km entfernten, am Pielburger See liegenden Groß Born, von dem der deutsche Landser behauptet hatte, dass Gott diesen Ort im Zorn erschaffen hätte. Dieser Truppenübungsplatz, inzwischen der Größte Europas, auf dem auch Nato-Truppen Manöver durchführen, wurde 1945 von den Russen und erst ab 1993 von den Polen übernommen.

Die meisten Häuser entstanden in den 1930er Jahren. Auf der heutigen Aleja Niepodleglosci (nach historischem Plan daher nicht überraschend: Adolf–Hitler–Straße) weist ein Straßenschild auf die „Villa Guderian" hin, die aber, wie wir erfuhren, zerstört wurde. Seit 1997 ist die Kommandantur Sitz der Gemeindeverwaltung Groß Born [Borne Sulinowo]. In der Information pries man Groß Born als einen Ort für Liebhaber der Geschichte und der Geheimnisse des 2. Weltkrieges. Hier hat General Rommel seine Armee auf den Afrikafeldzug vorbereitet.

Nach kurzer Bahnfahrt erreichten wir Dramburg an der Drage. Die kleine Stadt entstand 1380 und ist während des 2. Weltkrieges sehr zerstört worden. Im ehemaligen Salzspeicher an der Marienkirche waren die Information und ein kleines Museum untergebracht. Hier wurden wir liebevoll betreut, unsere Fahrten nach Falkenburg [Zlocieniec] und Tempelburg [Czaplinek] vorbereitet. Man begleitete uns durch das kleine Museum. Die Geschäftsleiterin freute sich, als ich ihr über die ausgestellte Kaisers Kaffeekanne etwas erzählen konnte. Sie machte uns auf den Chopin Park aufmerksam, in dem die von Walter Gropius (1883-1969) entworfene Villa Metzler steht, in der heute ein Stadtamt untergebracht ist. Sie erzählte, dass Walter Gropius' Onkel Erich Gropius in Janikow [Janowo] ein Gut besessen hätte, für das der Neffe ein paar Jahre vor dem 1. Weltkrieg einen Speicher und Arbeiterhäuser gebaut hätte. Walter Gropius gründete 1919 das Bauhaus in Weimar-Dessau und leitete es bis 1928. Sie wies auf das Panzerdenkmal an der Grundschule hin und bemerkte, dass die heutigen Bewohner von Drawsko Pomorskie es als Treffpunkt lieben. Sie schrieb uns ihre Telefonnummer zur Sicherheit für unsere 4 Tage in Dramburg auf.

Fortsetzung mit Tempelburg,
Stargard und Pyritz



Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentare

sitra achra am 23.08.20, 13:01 Uhr

Zu erwähnen wäre noch zur Ortsbeschreibung von Neustettin, dass die Stadt, die hauptsächlich von ebenfalls vertriebenen Ukrainern bewohnt wird, ein liebevoll gepflegtes Denkmal für die vertriebenen Deutschen, die dort zu Hause waren, an der Uferpromenade des Sees errichtet hat.
Der Bismarckturm ist leider heruntergekommen. Es würde sich lohnen, ihn zu restaurieren, denn von dort oben hat man einen herrlichen Ausblick auf den See.
Als ich dort oben war, war er verschmutzt und verkotet.

Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!