13.07.2024

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Zum ersten Mal beim Sommerfest: Die Sänger der Folkloregruppe „Folkownia“
Foto: U.H.Zum ersten Mal beim Sommerfest: Die Sänger der Folkloregruppe „Folkownia“

Heilsberg

Einige Premieren und ein Abschied

Das Immanuel-Kant-Jahr wirkte sich auf das Sommerfest der Deutschen Minderheit aus

Uwe Hahnkamp
10.07.2024

Das Ostpreußische Sommerfest der Deutschen Minderheit in der Woiwodschaft Ermland-Masuren am 22. Juni in Heilsberg war ein wenig geprägt vom Immanuel-Kant-Jahr. Es war nach dem bisherigen Muster ein Treffen der Mitglieder der Minderheit und eine Schau ihrer Chöre und Tanzgruppen sowie von Ensembles, die als Gäste dazustießen, jedoch ließ Kant es sich nicht nehmen, „persönlich“ dort vorbeizuschauen.

Bereits schon Tradition ist, dass mit der Europahymne in der Interpretation des Chores der Neidenburger Gesellschaft der Deutschen Minderheit unter der Leitung von Marcin Bąkowski begonnen wurde. Diesen europäischen Anstoß nahm Jarosław Słoma, der Vorsitzende der Kommission für Minderheitenfragen des ermländisch-masurischen Sejmik auf, der aus Goldap stammt, einem der zwei Orte, an denen Immanuel Kant außerhalb Königsbergs weilte. „In Groß-Arnsdorf entstanden sein Traktat ,Zum ewigen Frieden' und seine Gedanken zu einem geeinten Europa, dessen Umsetzung heute die Europäische Union ist“, erklärte er und ergänzte, „jeder kann etwas für den Frieden tun, nämlich gut mit dem Nachbarn zusammen leben, gleich welcher Nationalität er ist.“ Der von Kant erhoffte Frieden scheint momentan brüchiger denn je.

Geprägt vom Immanuel-Kant-Jahr
Auch Stefan Grigat, der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen (LO), sowie Heinrich Hoch, der Vorsitzende des gastgebenden Verbands der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren (VdGEM), griffen in ihren Grußworten diese Frage auf. Einer, der diesen Frieden der Nachbarn seit 30 Jahren fördert und die Minderheiten in der Woiwodschaft unterstützt, ist Wiktor Marek Leyk. Der Beauftragte des Marschalls für Minderheitenfragen ist in den Ruhestand gegangen. Schon jetzt ist klar, dass er fehlen wird, und mit entsprechend starkem Beifall und Lob von Hoch, vor allem aber den zwischen 600 und 700 Gästen des Sommerfestes wurde er verabschiedet.

Bei seinem letzten offiziellen Auftritt auf einem Ostpreußischen Sommerfest hatte er noch Gelegenheit, im Amphitheater beim Kulturhaus in Heilsberg einige Premieren mitzuerleben. Gleich die erste Musik- und Tanzgruppe, „Folkownia“ aus Allenstein, trat trotz langjähriger Erfahrung zum ersten Mal bei der Veranstaltung auf – und riss das Publikum so sehr mit, dass der Wunsch auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr laut wurde. Neue Gesichter gab es bei den Tänzern von „Perła Warmii“ aus Heilsberg und „Saga“ von der Deutschen Minderheit aus Bartenstein. Die jüngsten Perlen waren fünf Jahre alt. Bei ihrer „Warschauer Polka“ und beim ersten Tanz von „Saga“ wagte Filip, der Sohn von Dorota Cieklińska, der Trainerin der Gruppe, mit ebenfalls fünf Jahren den Sprung ins kalte Wasser.

Den schwungvollen Tänzen der jungen Menschen setzten die älteren Damen der Tanzgruppe „Czerwone korale“ (Rote Korallen) aus Heilsberg einen würdigen Schreittanz mit Stoffbändern entgegen. Sie haben sich über die Altersuniversität gefunden und bewiesen, dass nicht nur junge Menschen tanzen können. Die Gesangskünste der Deutschen Minderheit zeigten im Laufe des Tages die Chöre der deutschen Gesellschaften aus Neidenburg, aus Lötzen, „Stimme der Heimat“, und aus Heilsberg, „Warmia“, bei ihren Auftritten. Außerdem traten die Mitglieder der Reisegruppe der LO Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern auf, deren Organisator Manfred Schukat bereits zum 33. Mal auf einem Sommerfest dabei war.

Der zweite Organisator, Friedhelm Schülke, hatte sich als Immanuel Kant verkleidet und stellte ihn auf Polnisch dem Publikum vor. Er machte Kant mit dem früheren ermländischen Bischof Ignacy Krasicki bekannt, der in Heilsberg residierte, als Denkmal neben dem Amphitheater sitzt und dem Treiben dort ruhig zusah. Der Kammerchor der Burg in Osterode unter der Leitung von Joanna Jaskółowska begeisterte mit vierstimmigem Gesang ohne musikalische Unterlage so sehr, dass ein weiterer Auftritt im nächsten Jahr wahrscheinlich ist.

Zufrieden waren Zuhörer und Gäste nicht nur mit den kulturellen Darbietungen. Das Amphitheater mit Überdachung für Bühne und Zuschauerraum liegt idyllisch im Grünen im Tal der Alle direkt unterhalb des Kulturhauses der Stadt Heilsberg, bei dem noch weiterer Platz für ergänzende Angebote vorhanden ist. Das Gefühl der Gemeinschaft sei in dem kompakten Theater deutlicher zu spüren gewesen als bei größeren Objekten und die Menschen hätten auch mehr von den Auftritten mitbekommen, sagte ein Zuschauer. Das klingt nach dem guten Rat, das Sommerfest noch einmal dort zu feiern.


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