28.02.2024

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Kaiser Wilhelm II.
Foto: imagoKaiser Wilhelm II.

Kommentar

Entsorgte Tradition

René Nehring
23.04.2023

Man hat sich inzwischen daran gewöhnt. An die Versuche, durch Namensänderungen bedeutender Institutionen unseres Landes – wie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz – den Eindruck zu erwecken, als habe die Bundesrepublik Deutschland mit der deutschen Geschichte vor ihrer Gründung nichts zu tun. Und doch ist jeder neue Versuch aufs Neue schockierend.

Das jüngste Beispiel ist der Beschluss des Senats der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster vom 5. April, den Stifter Wilhelm II. aus ihrem Namen zu streichen und künftig nur noch Universität Münster zu heißen. Vorausgegangen war, wie es auf der Webseite der Universität heißt, eine „Anregung der Gruppe der Studierenden“ zur Entwicklung „eines Konzepts zum historisch-kritischen Umgang“ mit dem Namensgeber Wilhelm II.“

Warum nicht, könnte man denken, war doch der Kaiser durchaus eine historische Figur, über die sich noch heute trefflich streiten ließe. Ein schöner Ansatz für den geforderten „historisch-kritischen Umgang“ hätte zum Beispiel eine jährliche „Wilhelm-Rede“ sein können, in der große Denker der Gegenwart eine Brücke zur Vergangenheit hätten schlagen können.

Doch der Senat der Hochschule entschied sich für die Umbenennung, die faktisch eine Nicht-Benennung ist. Denn Universität Münster (der Zusatz „westfälisch“ wurde gleich mitentsorgt) ist so nichtssagend, dass man sich fragen muss, warum nicht auch das Wort „Universität“ gestrichen wurde, klingt es doch nach Mittelalter und Elitedünkel.

In den mehr als hundert Jahren seit ihrer Gründung lehrten an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zahlreiche bedeutende Geister, unter anderem der evangelische Theologe Karl Barth, der Soziologe Helmut Schelsky, der Staatsrechtler Paul Kirchhof sowie der katholische Theologe und spätere Papst Joseph Ratzinger. Man darf gespannt sein, wohin sich eine Universität entwickelt, in der Leute, deren Namen niemand kennt, ohne Not elementare Traditionsstränge kappen.


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentare

Ralf Pöhling am 25.04.23, 16:28 Uhr

Eine absolut blödsinnige Entscheidung, die nicht vom Münsteranern getroffen worden ist. Man muss bei der Sachlage eins bedenken: In Münster studieren zuvorderst junge Menschen, die keine(!) Münsteraner sind, sondern zugewandert. Die kommen hier hin, schlagen uns unsere lokale Kultur kaputt und ziehen dann wieder von dannen. Das Problem kennt man ja mittlerweile als andauernden Disput zwischen den "Anywheres" und den "Somewheres", also den heimatlosen Internationalisten und den heimatverwurzelten Nationalisten. Münster hat eine lange preußische Tradition, die überall ihre Spuren hinterlassen hat. Hier gibt es (noch) etliche Straßen, Plätze und Institutionen, die auf preußische Einwirkung zurückgehen. Selbst unser lokaler Fußballverein heißt Preußen Münster. Ich habe heute noch meinen typischen Preußenschal als Zeichen der Verbundenheit, den ich als Kind vor 45 Jahren von meiner Mutter geschenkt bekommen habe. Münster ist in der Zeit der preußischen Verwaltung erst zu der Stadt geworden, die sie heute ist. Wer hier jetzt die Straßen, Plätze und Institutionen umbenennt, der sägt an dem Ast, auf dem er selbst sitzt. Kurzfristig sitzt, denn ich wiederhole nochmal: Die Entscheidung ist keine, die die hier ansässigen Münsteraner getroffen haben, sondern durchreisende Gäste. Oder sollte man nicht eher sogar sagen: durchreisende Heuschrecken, denn so führen sie sich auf. Und noch ein Wort hinterher, außerhalb des Kontextes des Artikels: Ich empfinde es mittlerweile als absolut unerträgliche Frechheit, als Anhänger preußischer Traditionen und Werte andauernd als "Reichsbürger" verunglimpft und als Staatsfeind kriminalisiert zu werden. Deutschland als Nation ist ein Produkt preußischer Organisation, preußischer Tradition und preußischer Kreativität. Ohne Preußen gäbe es kein Deutschland und auch kein Münster, wie es sich in seiner historischen Entwicklung bis in die Neuzeit darstellt. Ohne die Preußen wäre Münster heute immer noch ein abgelegenes Dorf im Hinterland, voller religiöser Fanatiker. Und so wie es ausschaut, scheint es sich wieder in eine derartige Richtung zurückzuentwickeln. "Dank" der Globalisierung, wo jeder von irgendwo Dahergelaufene an allen Orten dieser Welt die jeweilige Kultur ungestraft mit Füßen treten kann. Merken die eigentlich gar nicht, wie respektlos das alles ist? Die reden andauernd von Dekolonisierung, aber kolonisieren uns hier gerade. Indem sie unsere Kultur hier zerstören und durch fremde Kulturen ersetzen. Ich wüsste nicht, warum wir uns das gefallen lassen sollten. Und ich wüsste auch nicht, was daran "irre" oder "staatsfeindlich" wäre, seine eigenen Wurzeln zu verteidigen.

Michael Holz am 24.04.23, 16:03 Uhr

Es sind halt vaterlandslose Gesellen, wie Bismark einstmals die Sozies bezeichnete. Damals waren die Sozialdemokraten, entgegen Bismarks Meinung, noch nicht ohne Vaterland. Die heutigen vaterlandslosen Gesellen:Innen (;=D)) latschen vor (!) einem Transparent auf den der Untergang Deutschlands gefordert wird. Alle kommen aus der rotgrünen, neuen Naziecke. Bereits vor zwei Jahren haben diese merkwürdigen Gestalten den Namen von Ernst-Moritz Arndt aus der Greifswalder Universität gestrichen, was mich mächtig gewurmt hat. Ernst-Moritz Arndt ist von mütterlicher Seite ein direkter Vorfahre und für mich ist dieser Mann nach wie vor ein Vorbild, was von den grünen Teufeln niemals einer werden kann.

Kersti Wolnow am 24.04.23, 05:20 Uhr

Eine gruppe von Studierenden? Diese Art Gruppen sind seit 50 Jahren äußerst aktiv, was daran liegen mag, daß sie im Auftrag handeln. Es geht ihnen um die Vernichtung der deutschen Geschichte, Sprache und kultur, unserer Identität, unseres Seins. Wer leitet und bezahlt diese Gruppen?
Sie handeln äußerst feige, weil sie sich Diskussionen nicht stellen. Sie haben nur Parolen parat, wie "nicht zeitgemäß" oder "ewig gestrig", aber das ist Geschichte nun einmal. Warum wurden Volkslied, -tanz und Dialekte plarrgemacht? Warum müssen wir solche Sprachungetüme wie "Studierende" über uns ergehen lassen? Warum machen alle mit bei dem Unsinn?

Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

powered by webEdition CMS