21.04.2021

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Ansichten einer Ruine: Die noch vorhandenen Reste des einst stolzen Gotteshauses, verwandelt in einen gepflegten und sehenswerten Ort für Besucher des Kreises Heiligenbeil. Ein Großteil der Ruine, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg bestanden hatte (o.r.)
Fotos: Mamonowo MuseumAnsichten einer Ruine: Die noch vorhandenen Reste des einst stolzen Gotteshauses, verwandelt in einen gepflegten und sehenswerten Ort für Besucher des Kreises Heiligenbeil. Ein Großteil der Ruine, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg bestanden hatte (o.r.)

Heiligenbeil

Erster Gottesdienst nach 75 Jahren

Das Stadtmuseum von Heiligenbeil initiierte die Pflege und Neugestaltung um die Kirchenruine

Manuela Rosenthal-Kappi
07.04.2021

Es war ein denkwürdiges Ereignis, als sich am 18. Juli vergangenen Jahres offizielle Vertreter der Stadt Heiligenbeil sowie Repräsentanten der Katholischen, der Evangelischen und der Russisch-Orthodoxen Kirche an der Ruine der evangelischen Kirche von Heiligenbeil zu einer Gedenkfeier anlässlich des 700. Gründungsjahrs des Gotteshauses trafen und 75 Jahre nach der Zerstörung der Kirche, erstmals wieder einen Gottesdienst und das gemeinsam unter freiem Himmel feierten. An der Feier nahmen neben den offiziellen Vertretern sowohl zahlreiche Einwohner von Heiligenbeil als auch Gäste der Stadt teil.

Per Direktübertragung leitete Goetz Scheel, Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde im schleswig-holsteinischen Reinfeld, den ersten Gottesdienst per Internet-Übertragung. Alexander Reich, Vorsteher der evangelischen Gemeinde in Heiligenbeil, übersetzte die Zeremonie für die Anwesenden ins Russische.

Die Initialzündung zu den Aufräumarbeiten an der Kirchenruine, den konservierenden Maßnahmen an den noch vorhandenen Mauern und dem Anlegen neuer Wege sowie der Gestaltung des zur Kirche gehörenden Terrains kam vom Direktor des städtischen Museums Heiligenbeil, Dmitrij Schilow. 2011 eröffnete er in dem recht maroden Gebäude der ehemaligen Molkerei im Sommer sein kleines „Do it yourself"-Museum, wie er es damals selbst nannte. Viele hatten das Vorhaben zuvor mit großer Skepsis gesehen, doch Schilow gab nicht auf, und der Erfolg sollte ihm recht geben. Zur Eröffnung seines Museums war sogar der damalige Gouverneur Nikolaj Zukanow gekommen.

Beim 4. Deutsch-Russischen Forum der Landsmannschaft Ostpreußen in Nürnberg 2011 berichtete Schilow von seinem Museum und präsentierte eine Fotoschau, die bewies, dass sich das Ergebnis sehen lassen konnte.

An den Arbeiten an der Kirchenruine , die am 23. Mai 2019 begannen, beteiligten sich neben Mitarbeitern des Museums auch Bewohner von Heiligenbeil, zwei Schülergruppen sowie Freiwillige aus Königsberg und aus der Bundesrepublik.

Die Verwaltung von Heiligenbeil und die Russisch-Orthodoxe Kirche unterstützten die Arbeiten mit der Zurverfügungstellung von Technik, Baumaterial und Geld. Die Enthusiasten setzten ihre Arbeiten im vergangenen Jahr fort. Es wurde ein Gedenkstein mit der Jahreszahl in römischen Zahlen „A.D. MCCCXX" (Anno Domini 1320) neben der Ruine aufgestellt
Die evangelische Pfarrkirche an der Jarft in Heiligenbeil wurde erstmals 1320 erwähnt. Es handelte sich um ein dreischiffiges Gotteshaus, das im frühklassizistischen Stil erbaut wurde. Im Inneren in Weiß und Gold gehalten. Mehrmals brannte sie ab. Der letzte Wiederaufbau erfolgte im Jahr 1794. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie schwer beschädigt. In den 1970er Jahren wurde die Ruine weitgehend abgetragen. Einige Mauerreste und das Fundament blieben erhalten, das nun dank des Einsatzes des Museums und seiner Helfer als Sehenswürdigkeit in Heiligenbeil dient.

Informationen zu den Verschönerungsarbeiten und alle Funde, die zum Teil noch original sind, wurden dokumentiert und im Museum gesammelt. Sie sollen Teil einer ständigen Ausstellung im Stadtmuseum werden.

• Info www.mamonovomuseum.ru



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