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 Es ist so weit:  Anstich der obligatorischen Jubiläumstorte durch den Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, den Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und den Vorsitzenden der Geschäftsführung der Messe Be
Bild: Messe Berlin GmbHEs ist so weit: Anstich der obligatorischen Jubiläumstorte durch den Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes, den Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und den Vorsitzenden der Geschäftsführung der Messe Be

Berlin

Es begann mit grünen Lodenmänteln

Die Grüne Woche kann auf 100 Jahre Geschichte zurückblicken – Früher war Ostdeutschland stark präsent

Hermann Müller
22.01.2026

Die Messe Berlin feiert in diesem Jahr das 100-jährige Bestehen der „Grünen Woche“. Allerdings ist der Begriff deutlich älter, als es das offizielle Gründungsdatum im Februar 1926 suggeriert. Bereits um die Jahrhundertwende titulierten nämlich Lokalzeitungen, etwa das „Berliner Tageblatt“, und der Volksmund die alljährliche Wintertagung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) regelmäßig als „Grüne Woche“. Der Grund: Die Massen der damals üblichen langen, grünen Lodenmäntel, getragen von Gutsbesitzern, Förstern und Landwirten. Es war dieses markante Grün, das zu den Wintertagungen der DLG Teile des Berliner Stadtbildes dominierte.

Zu den Fachsitzungen und Versammlungen der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft kamen bereits um die Jahrhundertwende laut historischen Quellen bis zu dreißigtausend Teilnehmer aus dem gesamten Deutschen Reich nach Berlin. Weil diese Besucher oft in Begleitung von Personal oder Familienmitgliedern reisten und die Tagungen mit großen Maschinenmärkten und Tierpräsentationen verbunden waren, war der Zustrom im Berliner Stadtbild weitaus größer. Da wohlhabende Gutsbesitzer, erkennbar an ihren markanten Lodenmänteln, als kaufkräftig galten, waren die Tagungen für Berliner Hotels, Gaststätten und den Handel durchaus ein wirtschaftlicher Faktor.

Mit DLG-Wintertagungen fing es an
Erst mit der Gründung der ersten organisierten Messe im Februar 1926 wurde der Name „Grüne Woche“ offiziell übernommen. Das erste offizielle Plakat warb seinerzeit jedoch noch mit: „Ausstellung für den Bedarf der Landwirtschaft“ verbunden mit „Jagd-Ausstellung“. Der Begriff „Grüne Woche“ tauchte auf den ersten Plakaten oft nur als Zusatz oder Untertitel auf, denn die Besucher sollten verstehen, dass es sich um eine ernsthafte Fachmesse handelt.

Tatsächlich begann der Start keineswegs als reine „Fressmesse“ oder „Futtermesse“. Abermals vom Volksmund und Zeitungen geprägt, tauchten diese etwas despektierlichen Begriffe im Zusammenhang mit der Grünen Woche erst in der Nachkriegszeit auf. Denn in den Jahren des Wirtschaftswunders begannen die Aussteller, verstärkt Kostproben ihrer Erzeugnisse anzubieten, um die neue Konsumlust der Besucher zu bedienen. In den 60er und 70er Jahren wurde die enorme Vielfalt an Probierständen zu einem regelrechten Markenzeichen der Grünen Woche. Die Besucher kamen nun ganz gezielt wegen der internationalen Spezialitäten wie etwa dem originalen französischen Camembert, frisch importierten Austern, holländischem Matjes oder den damals noch exotisch anmutenden Weinen aus Ungarn und Italien.

Für heutige Zeiten fast undenkbar, war 1926 ein Hauptthema der ersten Messe die Jagd. Ein Kernstück der Messe bildeten zudem umfangreiche Tierschauen, bei denen insbesondere Zuchterfolge präsentiert wurden. Gezeigt wurde auch ein „konzentriertes Angebot der Ackerschlepper- und Landmaschinenindustrie“. Da auch Regionen und Verbände ihre Erzeugnisse ausstellten, war die Grundlage für den Mix aus Fachausstellung und Publikumsmesse gelegt, der die Grüne Woche bis heute zum Publikumsmagneten macht. Bereits die erste Messe wurde mit rund fünfzigtausend Besuchern ein voller Erfolg. Die Erwartungen der Veranstalter wurden bei Weitem übertroffen. Die Messegesellschaft und die beteiligten Landwirtschaftsverbände hatten intern mit einer Fachbesuchermenge gerechnet, die sich an den Teilnehmerzahlen der DLG-Wintertagungen, den „Lodenmäntel-Wochen“, orientierte.

Nicht mehr zum Bild der Grünen Woche zählt, was 1926 ganz selbstverständlich und sogar ein Stück weit prägend war: die Präsenz von Ausstellern und Besuchern aus dem deutschen Osten – aus Ostpreußen, Hinterpommern, der Neumark und Schlesien. Die Ostpreußische Herdbuchgesellschaft (OHG) zählte in den Anfangsjahren der Grünen Woche sogar zu den einflussreichsten Ausstellern. Als eine der bedeutendsten Zuchtorganisationen des Deutschen Reiches demonstrierte die OHG in Berlin die Vormachtstellung Ostpreußens in der Rinderzucht, insbesondere beim Schwarzbunten Niederungsvieh.

Die in Berlin präsentierten Zuchttiere galten als „Elite“ und gewannen bei den begleitenden DLG-Prämierungen regelmäßig höchste Auszeichnungen. Die wertvollen Tiere wurden in tagelangen Transporten in speziellen Waggons aus dem Osten herangebracht, begleitet von erfahrenen Herdbuchführern, die in den Hallen am Funkturm im traditionellen grünen Loden die Fachfragen der Messebesucher beantworteten.

Trakehner sind immer noch präsent
Auch für die ostpreußischen Pferdezüchter war die Agrarschau unter dem Funkturm eine Möglichkeit, das „Trakehner Pferd“ nicht nur als ideales Remontepferd für das Militär, sondern auch als modernes Sportpferd zu präsentieren. Die Teilnahme an der Grünen Woche 1926 hatte für die ostpreußischen Aussteller zudem eine hohe symbolische Bedeutung. Trotz der Erschwerungen durch den sogenannten Polnischen Korridor konnten sie durch ihre starke Präsenz in Berlin demonstrieren, dass Ostpreußen wirtschaftlich und kulturell untrennbar mit dem Reich verbunden blieb.

Seit dem Neustart der Grünen Woche nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1948 sind die Aussteller, Züchter und Besucher, die aus Insterburg, Rügenwalde oder Grünberg anreisen, aus den Messehallen unter dem Berliner Funkturm verschwunden. Zum Teil bewahrt wurden jedoch Traditionen, mitunter sogar Marken mit Wurzeln im deutschen Osten. Ein Paradebeispiel ist das Familienunternehmen Rügenwalder Mühle. Ursprünglich 1834 in Rügenwalde in Pommern gegründet, brachte die Familie das Handwerk der Herstellung feiner Teewurst nach dem Krieg in den Westen. Das Erbe der schlesischen Backtradition wird oft noch von regionalen Bäckereien aus Sachsen oder Berlin-Brandenburg hochgehalten, die „Schlesischen Mohnkuchen“ oder die „Liegnitzer Bombe“ im Sortiment führen. Traditionsbewusste Familienbetriebe haben auch das Wissen um die Zubereitung von Königsberger Marzipan bis in die Gegenwart gerettet.

Bis heute regelmäßige Gäste bei den Reitveranstaltungen der Grünen Woche sind die Trakehner als älteste Reitpferderasse Deutschlands. Die Elchschaufel ist bis heute ein sichtbarer Hinweis auf die züchterische Herkunft dieser Pferde.


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