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Wehrtechnik

Exportschlager Rüstungsgüter

Die gestiegene Nachfrage im Westen nach Waffen wird zu einem großen Teil durch Südkorea gedeckt

Bodo Bost
16.04.2023

Im vergangenen Jahr stiegen die Waffenexporte Südkoreas um 140 Prozent auf einen Rekordwert von 17,3 Milliarden US-Dollar. Größter Abnehmer mit Verträgen im Wert von 12,4 Milliarden US-Dollar ist das EU- und NATO-Mitglied Polen, das Panzer, Haubitzen, Kampfjets und Mehrfachraketenwerfer in Südkorea kaufte. Polen plant mit einer Verdoppelung seiner Rüstungsausgaben auf ein Zwanzigstel seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) und der Personalstärke seiner Armee das größte Aufrüstungsprogramm seiner Geschichte. Ende August 2022 hatte Polen die Verträge mit Südkoreas führenden Rüstungsunternehmen unterzeichnet, drei Monate darauf traf die erste Lieferung ein. Die Aufträge aus Mitteleuropa waren ein Segen für die Regierung von Präsident Yoon Suk Yeol, der sein Land bis 2027 zum viertgrößten Waffenexporteur nach den USA, Russland und Frankreich machen will. Während die Vereinigten Staaten in der Rivalität mit Russland und China High-End-Waffen wie Flugzeugträger, Atom-U-Boote und hochmoderne Flugzeuge herstellen, konzentriert sich Südkorea auf Waffen der mittleren Ebene wie Artillerie, gepanzerte Fahrzeuge und Panzer.

Größter Abnehmer ist Polen

Südkorea weitet zwar seine Waffenverkäufe weltweit aus, aber es weigert sich, der Ukraine Waffenhilfe zu leisten. Stattdessen hat sich das Land darauf konzentriert, die weltweiten Aufrüstungslücken anderer, vorwiegend NATO-Staaten, zu schließen. Viele seiner Waffensysteme sind mit den NATO-Waffen kompatibel, die in die Ukraine geliefert werden.

Die Zurückhaltung Südkoreas im Ukrainekrieg rührt zum Teil daher, dass man sich nicht offen mit Moskau anlegen will, von dem man sich Kooperation bei der Verhängung neuer Sanktionen gegen Nordkorea erhofft. Der russische Präsident Wladimir Putin hat Südkorea davor gewarnt, der Ukraine militärisch zu helfen, da dies Russland veranlassen könnte, die militärischen Beziehungen zu Nordkorea zu vertiefen, was ohnehin bereits der Fall ist. Auch die Schweiz, Länder in ganz Lateinamerika und Israel, die sich selbst als Teil des Westens verstehen, haben es ebenfalls abgelehnt, Waffen direkt an die Ukraine zu liefern.

In keinem anderen Land hat die Rüstungsindustrie infolge der russischen Invasion einen derartigen Aufschwung erlebt wie in Südkorea. Der asiatische Staat vollzieht einen Drahtseilakt, indem es zwischen seinem unerschütterlichen Bündnis mit Washington sowie seinen eigenen nationalen und wirtschaftlichen Interessen abwägt.

Im Gegensatz zu den US-Verbündeten in Europa, die nach dem Ende des Kalten Krieges ihr Militär und ihre Rüstungsproduktionskapazitäten weitgehend zurückgefahren haben, hat Südkorea kein Ende des Kalten Krieges erlebt und eine robuste heimische Rüstungslieferkette aufrechterhalten, um die Nachfrage der eigenen Streitkräfte zu decken und sich gegen Nordkorea zu schützen.

Nach einem Jahr Krieg in der Ukraine haben Waffenlieferanten der NATO mit erheblichen Produktionsengpässen zu kämpfen. Als die mittel- und osteuropäischen Länder nach der Lieferung ihrer alten Waffen aus der Zeit der Zugehörigkeit zum Warschauer Vertrag an die Ukraine ihre Streitkräfte mit neuen Waffen schnell neu ausrüsten und aufrüsten wollten, wurde Südkorea zu einer verlockenden Option.

Keine Lieferungen an die Ukraine

Von 2017 bis 2021 war Südkorea das am schnellsten wachsende Land unter den 25 größten Waffenexporteuren der Welt und lag mit einem Anteil von 2,8 Prozent am Weltmarkt auf Platz 8, so das Stockholm International Peace Research Institute. Das war, bevor das Unternehmen im letzten Jahr Verträge mit Polen, Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten abschließen konnte.

Hanwha Aerospace, Südkoreas größtes Rüstungsunternehmen, plant seine Produktionskapazität bis zum nächsten Jahr um das Dreifache zu erhöhen. Die meistverkaufte Waffe des Landes ist die Panzerhaubitze K9 „Thunder“. Hanwha musste bereits zwei weitere Montage­linien einrichten, um die wachsende Nachfrage zu befriedigen. Die Türkei hat ihren Kampfpanzer Altay und ihre Panzerhaubitze T-155 „Firtina“ auf der Grundlage südkoreanischer Modelle gebaut. Hanwha baut auch eine Fabrik in Australien, um die K9 mit lokalen Zulieferern zusammenzubauen. Die meisten der südkoreanischen Panzerhaubitzen, die Polen kauft, werden in Polen mit lokalen Partnern hergestellt. Das sind zusätzlich Anreize für die Länder, in Südkorea Waffen zu bestellen.


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