03.08.2021

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Vor Öffnung der Schleusen: Fäulnisgeruch breitete sich in der Nähe der Kaskaden aus
Foto: J.T.Vor Öffnung der Schleusen: Fäulnisgeruch breitete sich in der Nähe der Kaskaden aus

Königsberg

Fischsterben im Schlossteich

Anwohner klagten über lästigen Gestank – Behörden fahnden nach Umweltsündern

Jurij Tschernyschew
18.06.2021

Lange Zeit wurde der Schlossteich vernachlässigt, da alle Verschönerungsarbeiten ausschließlich am Oberteich durchgeführt wurden. Seit ein paar Jahren wird auch das Ufer entlang des Schlossteichs umgestaltet und gepflegt. Es gibt touristische Routen, geführte Touren und immer mehr Touristen haben die Möglichkeit, seine Schönheiten zu entdecken.

Eine der Perlen des Schlossteichs sind seine Kaskaden, die um 1930 gebaut wurden. Der Standort der Kaskaden wurde nicht zufällig gewählt, denn ein Teil der Wrangelstraße, welche die beiden Seen trennt, verläuft über den Damm, der von den Deutschordensrittern im Jahre 1270 gebaut wurde, um die Auffüllung des Schlossteichs mit Wasser aus dem höher gelegenen Oberteich sicherzustellen.

Die Kaskade hat ein eher strenges Erscheinungsbild. Ganz oben, in einer mit Mosaiken verzierten Nische, befand sich ein Haus mit einer Wasserquelle. Von dort floss das Wasser in eine der sechs Schalen, die mit der Bronzeskulptur „Das tanzende Mädchen“ von Hermann Brachert geschmückt sind. Von dort aus floss das Wasser sanft über Kaskaden von fünf halbkreisförmigen Stufen und mündete in ein kreisrundes Becken von 19 Metern Durchmesser. Aus dem kreisrunden Becken floss das Wasser in eine kleine bogenförmige Grotte und in einen 80 Meter langen Kanal.

Vor Kurzem wurden die Schleusen der anmutigen Kaskaden für den Wasserdurchfluss vom Oberteich zum Schlossteich geöffnet. Doch nicht der Wunsch, die Bürger und Stadtbesucher zu erfreuen, hat die Stadtverwaltung zu diesem Schritt gezwungen.

Die Bewohner der Häuser in der Nähe des Schlossteichs hatten sich über einen anhaltenden und unangenehmen Geruch aus dem See beschwert und forderten die Stadtverwaltung auf zu untersuchen, woher der Gestank kam. Hauptsächlich wurde der Abwassergeruch sowie eine Verschmutzung in jenem Teil des Schlossteichs wahrgenommen, der an den Damm und die Kaskade in der Nähe der Wrangelstraße angrenzt. Ungehindert floss stinkende Gülle durch die Schleuse in den Rest des Sees.

Gülle floss durch die Kaskaden

Entlang des Ufers konnte man Hunderte von Fischen beobachten, die auftauchten und nach Luft schnappten. Als die Behörden reagierten, hatte sich am Schlossteich bereits eine alarmierende ökologische Situation entwickelt. Auf der Wasseroberfläche waren viele tote Fische zu sehen.

Bei einer Inspektion entdeckten Mitarbeiter des regionalen Ministeriums für natürliche Ressourcen und Umwelt Schmutzwassereinleitungen durch ein Rohr, das für die Einleitung von Regenwasser vorgesehen war. Das Wasser im See erwies sich als trüb und roch nach Fäulnis. Anwohner der benachbarten Häuser teilten ihre Vermutung mit, dass ein Abwasserkanal in der Nähe der Entbindungsklinik am Vortag geplatzt sei.

Unabhängig davon, ob dies der Fall war oder nicht, beschlossen die Verantwortlichen der Stadt, alle zur Verfügung stehenden Schritte zu unternehmen, um die Auswirkungen der Abwassereinleitung zu beseitigen.

Zwischen Ober- und Schlossteich wurde ein Umgehungskanal geschaffen, der es ermöglichte, den Wasserzufluss aus dem Oberteich zu erhöhen. Außerdem wurden Kaskaden selbst geöffnet. Beim Fall von Wasser aus der Höhe tritt eine Belüftung und somit eine zusätzliche Sättigung der Wassermassen mit Sauerstoff auf.

Abhilfe durch Sauerstoff

Jelena Djatlowa, Leiterin der Königsberger Stadtverwaltung, sagte, dass sie nicht sofort habe handeln können, weil sie auf die Erlaubnis des Ministeriums für Ökologie und natürliche Ressourcen haben warten müssen, das für die Entnahme der Wasserproben verantwortlich sei. Djatlowa stellte in Aussicht, dass, wenn die getroffenen Maßnahmen nicht ausreichten, zusätzliche Schritte unternommen würden, die mit Spezialisten der Staatlichen Technischen Universität abgestimmt würden.

Spezialisten der Abteilung für Fischkunde und Ökologie der Universität hatten zu dieser Zeit bereits die Prognose gestellt, dass fast alle Tiere im oberen Teil des Schlossteichs höchstwahrscheinlich sterben würden, da ein aktiver Blüteprozess stattfinde und ein Algenfilm schon die Oberfläche bedecke.

Das Landesministerium für Naturressourcen und die Bezirksstaatsanwaltschaft für Umwelt fahnden nach den Verantwortlichen für die unerlaubte Einleitung von Abwässern in den See.



Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!