28.02.2024

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Deutschland

„Fortsetzung der ökonomischen Schockstarre“

Viele Hinweise sprechen für eine weitere Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage

Peter Entinger
19.12.2023

Die Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) signalisiert eine Fortsetzung der ökonomischen Schockstarre in Deutschland. Die Geschäftslage hat sich im Jahresverlauf 2023 abermals deutlich verschlechtert. Nur 23 Prozent der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass sich die Lage im kommenden Jahr verbessert. 35 Prozent haben dagegen negative Erwartungen. Während die Aussichten im Dienstleistungssektor noch relativ ausgeglichen sind, überwiegen in der Industrie und der Baubranche die negativen Einschätzungen. Die Konjunkturumfrage signalisiere damit „eine Fortsetzung der ökonomischen Schockstarre in Deutschland“, heißt es in der Studie.

Das hat naheliegenderweise auch Auswirkungen auf die Zahl der Beschäftigten. Immerhin 45 Prozent der 2200 befragten Unternehmen glauben, ihre Mitarbeiterzahl konstant halten zu können. Aber mehr als 35 Prozent gaben an, dass ein Abbau von Arbeitsplätzen zu befürchten sei. „Dies signalisiert, dass der über lange Zeit erfolgte Beschäftigungsaufbau in Deutschland vorerst sein Ende gefunden haben dürfte“, lautet das Fazit der Studie.

Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht
Zu dem vom Niedergang besonders betroffenen Teilen der Wirtschaft gehört die Reifenproduktion. Von den noch zwölf Reifenfabriken in Deutschland sollen in den kommenden Jahren vier geschlossen werden. Die Lawine wurde bereits 2020 losgetreten, als Continental bekannt gab, sein Werk in Aachen zu schließen. Damals gab es vehemente Proteste. Die jüngsten Hiobsbotschaften wurden dagegen fast stoisch zur Kenntnis genommen. Nach dem US-Konzern Goodyear, der die Produktion im hessischen Fulda und Fürstenwalde/Spree aufgeben will, kündigte kürzlich auch Konkurrent Michelin einen massiven Abbau an Produktionskapazitäten an.

Gründe, die zu diesen Entscheidungen geführt haben, sind zu hohe Energiekosten, wachsender Konkurrenzdruck und Überkapazitäten. Die Reifenhersteller beklagen, dass der Markt von Billigimporten aus Asien überschwemmt werde. „Die Industrie befindet sich in einer Abwärtsspirale. Deutschland braucht ein umfassendes Standortprogramm. Es ist nicht mehr ausreichend, mit Absichtserklärungen zu agieren. Es müssen Taten folgen“, sagte Michelin-Vorstand Maria Röttger und richtete damit deutliche Kritik an die politisch Verantwortlichen.

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen steigt wieder an. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform rechnet für das laufende Jahr mit 18.100 insolventen Unternehmen. 2022 zählte sie 14.700 Konkurse. Im kommenden Jahr dürfte es in Deutschland um die 20.000 Unternehmen geben, die vor dem Insolvenzrichter antreten müssen. „Wir sehen keine Insolvenzwelle, die volkswirtschaftlich alles mitreißt“, sagt zwar Creditreform-Manager Patrik-Ludwig Hantzsch. Da eine Pleite aber Lieferanten, Kunden, Arbeitnehmer und Finanzierer trifft, seien die Folgen jedoch schon erheblich. Besonders betroffen sei derzeit die Bauwirtschaft.

Die Gründe der Abwärtsspirale
Insgesamt liegt die Zahl der Firmen-Pleiten zwar unter dem Niveau während der großen Finanzkrise 2008. Hantzsch weist allerdings darauf hin, dass damals ein Krisenende absehbar gewesen sei. Das sei diesmal anders. Wegen der vielen Probleme der Firmen-Belastungen etwa durch die Kosten der grünen Transformation, mangelnde Digitalisierung, fehlende Arbeitnehmer und hohen Zinsen sei keine Besserung zu erkennen, erklärt der Bank-Manager.

Die Probleme der deutschen Wirtschaft haben mittlerweile auch Experten in anderen Teilen der Welt aufmerksam werden lassen. Der amerikanische Politologe Peter Zeihan prophezeit Deutschland gar den Untergang als moderne Wirtschaftsmacht. In einem Video nennt der „New York Times“-Autor drei Faktoren, die für ihn „das Ende Deutschlands als moderne Volkswirtschaft“ wahrscheinlich machen. „Die Energieversorgung, die Fokussierung auf Russland und China als Wirtschaftspartner und der demographische Wandel hin zu einer alternden Bevölkerung sind Probleme, die Deutschland kaum noch lösen kann“, sagte Zeihan. Auch der überstürzte Atomausstieg Deutschlands sei ein großer Fehler gewesen, die Fokussierung auf die Solarenergie ein Flop.

Da tröstet es kaum, dass nicht nur Deutschland, sondern der gesamte Euroraum tiefgreifende Probleme hat. Die Europäische Zentralbank (EZB) erwartet für das kommende Jahr bestenfalls ein leichtes Wirtschaftswachstum von bis zu einem Prozent.


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Kommentare

Udo Dotzki am 20.12.23, 06:56 Uhr

[...]"Die Europäische Zentralbank ( EZB) erwartet für das kommende Jahr ein leichtes Wirtschaftswachstum von bis zu einen Prozent."

"von bis zu", also kein Wachstum?

[...]"Laut "Einstein" werden Probleme niemals mit derselben Denkweise gelöst, durch die sie entstanden sind!"

Wirtschaftswachstum durch "grünes" Wirtschaftswachstum ersetzen?

Das geht nicht, sagt Einstein. Darüber sollten unsere Politiker nachdenken.

[...]"das Universum und die Dummheit des Menschen sind unendlich, wobei ich mir beim Universum nicht sicher bin!"

(Ein weiterer Satz von Einstein)

Rolf Rothmann am 19.12.23, 11:18 Uhr

Zitat: "Aber mehr als 35 Prozent gaben an, dass ein Abbau von Arbeitsplätzen zu befürchten sei."

Na wunderbar, dann haben wir ja bald keinen Fachkräftemangel mehr und können endlich auch diese unselige Migrationspolitik beenden!

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