03.12.2021

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Kann sich für CO₂-Reduktion Zeit lassen: Chinas Unterhändler Xie Zhenhua
Foto: ReutersKann sich für CO₂-Reduktion Zeit lassen: Chinas Unterhändler Xie Zhenhua

UN-Klimagipfel

Für Deutschland wird Glasgow ein Desaster

Die Politik feiert die Ergebnisse der Weltklimakonferenz als Erfolg für die Welt. Doch es gibt klare Sieger und Verlierer. Für Letztere ist das Resultat verheerend

Hans Heckel
17.11.2021

Die Abschlussreden des zweiwöchigen UN-Klimagipfels In Glasgow strahlten von Zufriedenheit. „Es geht voran, alles wird gut“, jubelte auch eine große deutsche Tageszeitung.

Dass Industrieländer ihre „Klimaschutz“-Investitionen auch in anderen Staaten, etwa in Entwicklungs- und Schwellenländern, tätigen können, um auf diese Weise ihre Klimabilanz zu verbessern, gilt schon seit sechs Jahren. Doch das Verfahren galt als schwer überprüfbar. In der schottischen Hauptstadt wurde nun ein „Regelbuch“ beschlossen, womit die CO₂-Ausstöße genau gemessen und bilanziert werden können, wie es heißt.

Mit anderen Worten: Ein an sich falsches System funktioniert in Zukunft vielleicht ein bisschen besser. Falsch aber bleibt es, und zwar von Grund auf. China, Indien und andere Schwellen- und Entwicklungsländer mussten sich auf der Konferenz lediglich verpflichten, sich um weitere CO₂-Reduktion zu „bemühen“. Für Länder wie Deutschland dagegen gelten strenge, klar definierte Zahlen zum Abbau der Emissionen.

Damit ist die Abwanderung großer Industrien forciert worden, von Deutschland in den Fernen Osten, wo China sich die Hände reibt. Nicht nur werden die Energiekosten in Deutschland – ohnehin schon die höchsten der Welt – weiter steigen. Auch wird der halsbrecherische rasante Umstieg von grundlastfähigem Strom aus Kohle oder Atom auf die unsicheren Lieferanten Sonne und Wind die Stabilität der deutschen Stromversorgung untergraben. Gleichzeitig sollen immer mehr E-Autos rollen, was den Strombedarf erhöht, und wir sollen Milliarden an Schwellen- und Entwicklungsländer zahlen, damit diese ihre „Klima-Anstrengungen“ auch finanzieren können.

Wie nach einem verlorenen Krieg

Zusammengefasst: Die industrielle Basis Deutschlands wird untergraben, Abwanderung von Industrie in Länder mit billigerem und vor allem weiterhin zuverlässigem Strom ist vorherbestimmt. Und diesen Aderlass sollen die Deutschen auch noch selbst bezahlen, solange sie bis zur Zerrüttung ihrer immer noch stolzen Industrie dazu in der Lage sind.

Manch Beobachter fühlt sich angesichts von Glasgow an einen Diktatfrieden nach einem verlorenen Krieg erinnert, an Demontagen und Zwangszahlungen („Reparationen“), die mit Kriegsschuldbehauptungen gerechtfertigt werden. Das Absurde besteht darin, dass es unsere eigenen Regierungen sind, die ihre Völker wie einst Besiegte dastehen lassen.

Klima-Aktivisten sind tatsächlich in eine verräterische Rhetorik verfallen, die solche Vergleiche stützt. So sprach Greta Thunberg unlängst von der „historischen Schuld“, die Deutschland auf sich geladen habe. Womit? Sei meint damit allen Ernstes die Industrialisierung, die seit dem frühen 19. Jahrhundert alle klassischen Industrienationen erfasst hatte.

Dass Wohlstand, Gesundheit oder Freiheit der Lebensgestaltung, wie wir sie heute genießen, ohne diese Pionierleistungen nie denkbar gewesen wären, vergräbt Thunberg unter ihrer Schuldzuweisung. Auch verschweigen die Klima-Apokalyptiker, dass noch nie so wenige Menschen (insbesondere gemessen an der Gesamtbevölkerung) in Naturkatastrophen sterben mussten wie in unserer Epoche, ebenfalls ein direktes Ergebnis der Errungenschaften des hart erarbeiteten industriellen Fortschritts.

Die Klima-Apokalyptiker legen es darauf an, Angst in die Herzen der Menschen zu pflanzen und ihnen aberwitzig begründete Schuldkomplexe einzureden. Warum tun sie das? Weil sie (oder ihre Stichwortgeber) wissen, dass Schuldgefühle und Angst zwei Treiber sind, mit denen man Menschen und ganze Gesellschaften schon seit jeher gefügig machen und vor sich her jagen konnte.

Dahinter sind unschwer nationale Ziele (wie im Falle Chinas und anderer), schlichtes Streben nach Macht über die Menschen und nicht zuletzt massive finanzielle Interessen zu erkennen. Und unsere Politik schreitet vorneweg.



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Kommentare

Dr. Dr. Hans-Joachim Kucharski am 22.11.21, 11:26 Uhr

Dazu nur ein paar Anmerkungen (das Energiewendethema ist viel zu komplex, um sich auf ein paar Andeutungen beschränken zu können, man müßte Einzelthemen herausgreifen):
Während die Rede davon ist, daß weltweit bis zu 1400 Kohlekraftwerke gebaut werden und 950 in Planung sind, streitet sich unsere Politik über das Jahr, in dem das letzte von unseren wenigen abgeschaltet sein soll.
Während die Rede davon ist, daß weltweit etwa 70 Kernkraftwerke (man nennt sie bei uns ‚Atomkraftwerke, um sie gedanklich mit ‚Bombe’ zu assoziieren) gebaut werden und etwa 170 in Planung sind, plant Merkel den Ausstieg unserer wenigen mit der Begründung von Fushima, obwohl es bei uns weder Tsunamis gibt, und Erdbeben in der Nähe von Kernkraftwerken im Vergleich zu Japan bei uns vernachlässigbar sind. (In beiden Fällen fehlen mir die letzten genauen Zahlen. Zu sagen wären bei Kernkraftwerken eigentlich auch etwas zu Generation, automatischer Selbstabschaltung, CO2-Reduzierung, Entsorgung und Größe).
Wir werden mit unseren rigorosen Maßnahmen bei einem weltweiten CO2-Emissionsanteil von etwa 2 %, die unsere Wirtschaft und Konkurrenzfähigkeit ruinieren, das Weltklima nicht retten können, weil andere die klimaschädlichen Maßnahmen mehr steigern als wir sie reduzieren. Aber die Träumer sterben eben nicht aus.

Jürgen Rentsch am 18.11.21, 16:32 Uhr

Die Kommentare von Herrn Haeckel sind immer sehr gut, aber nach der Hauptstadt von Schottland sollte er noch mal googlen. Herzliche Grüße aus Sachsen ( Ostpreußen Nachfahre)

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