15.07.2024

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Vereinigte Staaten

Geburtsstunde einer globalen Ordnungsmacht

Die vor 200 Jahren verkündete Monroe-Doktrin bestimmte fortan die Leitlinien der US-Außenpolitik und gilt bis heute als wirkmächtigste Erklärung eines US-Präsidenten auf außenpolitischem Gebiet

Wolfgang Kaufmann
01.12.2023

Vor 200 Jahren, am 2. Dezember 1823, hielt der von 1817 bis 1825 amtierende fünfte Präsident der USA, James Monroe, vor dem Kongress seines Landes eine Rede zur Lage der Nation, in der er die nach ihm benannte Doktrin verkündete. Damals befanden sich die USA in einer etwas anderen Situation als in der Gegenwart. Heute spricht man – vor allem im Westen – gerne von der „internationalen Gemeinschaft“, wenn man die „Führungsmacht im Bündnis“, die USA meint. Damals befand sich die junge Republik eher außerhalb der „internationalen Gemeinschaft“, in einer Welt, die im Zeitalter der Restauration von europäischen Monarchien geprägt war. Von derartigen Monarchien sahen sich die USA auch bedroht. Der nördliche Nachbar Kanada gehörte zum britischen Empire. In Alaska drangen die Untertanen des Zaren immer weiter nach Südosten vor. Und in Süd- und Mittelamerika bestand die Gefahr, dass Spanien intervenierte, um seine einstigen dortigen Kolonien zurückzuerlangen.

Es waren jedoch nicht nur defensive Motive, die es Monroe und seinen politischen Gefolgsleuten wünschenswert erscheinen ließen, die europäischen Großmächte aus Amerika rauszuhalten. Vielmehr waren sie von dem Sendungsbewusstsein getrieben, „God's own country“ komme eine außergewöhnliche Position in der Welt zu und es sei verpflichtet, seine Werte und Ideale zu exportieren – und zwar insbesondere auf dem amerikanischen Doppelkontinent. Hierzu gehörte die territoriale Expansion, und dabei konnte die Konkurrenz europäischer Großmächte nur hinderlich sein.

Trennung in alte und neue Welt
Vor diesem Hintergrund sprach Monroe zunächst von der Existenz zweier politischer Sphären und beschwor dann das Prinzip der gegenseitigen Nichteinmischung. Die Vereinigten Staaten sollten sich aus den europäischen Konflikten heraushalten und die europäischen Mächte ihre Kolonisierungsbestrebungen in der westlichen Hemisphäre aufgeben. Darüber hinaus kündigte er an, dass die USA intervenieren würden, wenn Europa diesen politischen Grundsatz zu ignorieren wage. Hieraus entstand dann bald die griffige Parole „Amerika den Amerikanern“.

Die unmittelbare Wirkung der Dok-trin Monroes war zunächst relativ gering, da die USA anfänglich nicht das militärische Potential besaßen, ihr nachhaltig Geltung zu verschaffen. Doch auch ohne große US-amerikanische Militärmacht war der Unabhängigkeitskampf der vormaligen spanischen Kolonien erfolgreich und stimmte Russland einer Siedlungsgrenze in Nordwestamerika entlang des 55. Breitengrades zu.

Krieg gegen Mexiko
Einen großen Gebiets-, Macht- und Prestigegewinn brachte den USA der Sieg im sogenannten Mexikanisch-Amerikanischen Krieg. Diese Bezeichnung ist wie ihre englische Entsprechung „Mexican-American War“ an und für sich Unsinn, denn Mexiko ist nicht weniger amerikanisch als die USA. Passender sind da die spanischen Bezeichnungen „Guerra Estados Unidos–México“ (Krieg Vereinigten Staaten–Mexiko) und „Intervención estadounidense en México“ (Intervention der Vereinigten Staaten in Mexiko). Analog zur im Westen gängigen Bezeichnung für den Ukrainekrieg könnte man auch vom einem US-amerikanischen Angriffskrieg gegen Mexiko sprechen. Damit wäre auch gleich die Kriegsschuldfrage geklärt.

Diesem US-amerikanischen Kriegssieg von 1848 folgte die erste Erweiterung der Monroe-Doktrin. Sie lief auf ein Verbot des Transfers jeglichen kolonialen Besitzes in Lateinamerika und der Karibik an andere Mächte hinaus.

Das hinderte die USA nicht daran, sich 1898 nach dem Sieg gegen Spanien im sogenannten Spanisch-Amerikanischen Krieg im Frieden von Paris selbst zum Nutznießer eines Transfers kolonialen Besitzes in Lateinamerika und der Karibik zu machen. Die USA traten nun ebenfalls als imperialistische Kolonialmacht in Erscheinung, indem sie die Kontrolle über die Konkursmasse des spanischen Kolonialreiches in der Karibik und im Pazifik übernahmen (siehe PAZ Nr. 5. Vom 3. Februar). Ab 1904 beanspruchten die USA mit dem nach dem damaligen US-Präsidenten Theodore Roosevelt benannte Roosevelt-Zusatz zur Monroedoktrin die Rolle der Ordnungsmacht für sich, damals noch auf den eigenen Kontinent begrenzt.

Im 19. Jahrhundert war es den USA weitgehend gelungen, entsprechend dem Grundsatz „Amerika den US-Amerikanern“ ihren „Hinterhof“ von Einflüssen von Staaten außerhalb Amerikas freizuhalten. Im 20. Jahrhundert mit seinen beiden Weltkriegen gingen die USA nun dazu über, ihrerseits außerhalb des eigenen Kontinents zu intervenieren. Auch für diesen Schritt diente das eigene Sendungsbewusstsein zur ideologischen Rechtfertigung. Als „mächtigste und vitalste Nation der Welt“ hätten die USA, so der einflussreiche Verleger Henry Luce im Kriegsjahr 1941, die Pflicht und die Möglichkeit, ihren „vollen Einfluss auf die Welt auszuüben, zu den Zwecken, die wir für richtig halten, und mit den Mitteln, die wir für richtig halten“.

Auf der Bühne der Weltpolitik
Nach den Weltkriegen und im beginnenden Kalten Krieg wurde die Monroe-Doktrin nochmal ergänzt beziehungsweise modifiziert. Im März 1947 verkündete der damalige US-Präsident Harry Truman die nach ihm benannte Doktrin, der zufolge die USA fortan „allen Völkern, deren Freiheit von militanten Minderheiten oder durch einen äußeren Druck bedroht ist“, Beistand gewähren wollen. Damit war der endgültige Übergang von einer isolationistischen und auf die westliche Hemisphäre fixierten Außenpolitik zu einer globalen imperialistischen Politik vollzogen.

Alles in allem wurden die ursprünglichen Leitlinien Monroes seit 1823 um die 30-mal geändert oder ergänzt. Was die Geltung der Monroe-Doktrin im 21. Jahrhundert angeht, wurden gegensätzliche Ansichten geäußert. Barack Obamas Außenminister John Kerry erklärte sie im November 2013 offiziell für tot. Hingegen sagte Donald Trumps Sicherheitsberater John Bolton sechs Jahre später: „Die Monroe-Doktrin lebt.“


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Kommentare

Gregor Scharf am 01.12.23, 08:38 Uhr

Präsidenten, die vehement für die Ideale der Gründungsväter eingetreten sind, kamen allesamt gewaltsam ums Leben während ihrer Amtszeit. Was für Zufälle es doch gibt.
Die USA sind zu einem halbherzigen, unzuverlässigen Misthaufen verkommen, dem man leider nicht mehr über den Weg trauen kann. Was war es doch für ein Paradies in den Fünfzigern bis in die Achtziger hinein? Heute völlig innerlich zersetzt und zerrissen. Von außen konnte man das Imperium nicht knacken. Die Wühler und Zerstörer tun , was sie immer getan haben, saugen sich fest, nutzen die Mächtigen für ihre Intrigen, wechseln die Seiten und zerstören ihre einstigen Beschützer. Weitaus größere Weltreiche kollabierten auf diese Weise. Von wegen, die Menschen lernen aus der Vergangenheit.
Uncle Sam, eine Tragödie in mehreren Akten. Die Halbherzigkeit bei Unterstützung der Ukrainer ist ein weiterer Beweis für die Charakterlosigkeit, denn wenn man es ernst gemeint hätte, gäbe es heute keine russische Bedrohung mehr. So treibt man den Hass auf die USA und den Westen auf die Spitze.
The Land of the free nur noch ein Schatten seiner selbst und doch ein Beweis dafür, dass es ein freies Leben ohne Knechtschaft geben kann.

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