19.02.2026

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Mit Junkers-Flugzeugen ging es los: Blick in die Dessauer Ausstellung
Bild: PiaseckiMit Junkers-Flugzeugen ging es los: Blick in die Dessauer Ausstellung

Kranichlinie

Geburtsstunde einer Luftfahrtlegende

Vor 100 Jahren fusionierte Junkers Luftverkehr mit der Deutschen Aero Lloyd zur Deutschen Lufthansa – Ausstellung in Dessau

Stefan Piasecki
19.02.2026

Im Dessauer Technikmuseum Hugo Junkers beginnt ein Jubiläumsjahr, und dieses bietet einen bewussten Perspektivwechsel. Im Februar wurde dort die Ausstellung „100 Jahre Deutsche Lufthansa“ eröffnet – nicht als Unternehmensschau im engeren Sinn, sondern als Erinnerung an die Ursprünge der zivilen Luftfahrt in Deutschland und an die Lebensleistung von Hugo Junkers. Während die heutige Lufthansa ihren hundertsten Geburtstag im April in Frankfurt am Main begehen und dabei die eigene Verstrickung in die NS-Zeit in den Mittelpunkt stellen wird, wählt Dessau einen breiteren, technisch-wissenschaftlichen Zugang.

Denn Junkers war weit mehr als ein Flugzeugkonstrukteur. Er entwickelte nicht nur Flugzeuge, sondern begriff Luftfahrt als Gesamtsystem. Er gründete Fluglinien, initiierte internationale Streckenverbindungen und plante Flugplätze – lange bevor ziviler Luftverkehr zur Selbstverständlichkeit wurde. Die Ausstellung erinnert an diese frühe, ausdrücklich friedliche Nutzung der Luftfahrt, die dem Menschen dienen sollte und in den 1920er Jahren eine technologische und organisatorische Pionierleistung darstellte.

Als Junkers Luftverkehr 1926 mit der Deutschen Aero Lloyd zur Deutschen Lufthansa vereinigt wurde, existierten bereits nationale und internationale Flugverbindungen bis nach Asien, die von Junkers mit aufgebaut worden waren. Parallel dazu war Junkers einer der weltweit führenden Hersteller von Ganzmetallflugzeugen. In den 1920er Jahren erreichten Junkers-Flugzeuge einen geschätzten Weltmarktanteil von rund 40 Prozent – eine Größenordnung, die sich heute am ehesten mit der Stellung von Airbus vergleichen lässt. Für das Dessauer Museum steht deshalb nicht die spätere Unternehmensgeschichte im Vordergrund, sondern die wissenschaftliche, geschäftliche und ingenieurtechnische Leistung eines Mannes, der industrielle Forschung, Serienfertigung und Verkehrskonzepte miteinander verband.

Das Jahr 2026 steht für das Museum vollständig im Zeichen dieses Jubiläums. Erste Ausstellungswände wurden zur Eröffnung präsentiert, weitere Module sollen bis zum Flugplatzfest an Pfingsten ergänzt werden. Gezeigt werden neben großformatigen Tafeln auch originale Flugscheine, historische Flugpläne und Dokumente, die den Aufbau früher Luftverkehrsnetze nachvollziehbar machen. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Berliner Flugplatz Tempelhof, der bereits in der Weimarer Republik eine zentrale Rolle spielte und erst in der NS-Zeit zu der monumentalen Anlage umgebaut wurde, die heute das Bild prägt.

Klaus-Lothar Bebber, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins, freut sich bereits ganz besonders auf die Großveranstaltung. Er sagt: „Zu Pfingsten plant das Technikmuseum Hugo Junkers ein Flugplatzfest, bei dem historische Flugzeuge wie eine Junkers A50 oder eine Junkers F13 erwartet werden. Die Maschinen sollen auf dem Flugplatz wenige hundert Meter vom Museum entfernt landen und anschließend als Höhepunkt des Festes direkt vor das Museumsgebäude rollen. Begleitet wird die Veranstaltung von einem stimmungsvollen Fliegerball mit Musik der 1920er Jahre. Wenn die Big Band unter dem Mitteltriebwerk einer Ju 52 aufspielt, entsteht ein außergewöhnlicher akustischer und visueller Höhepunkt.“

Eine „Lufthansa“ aus DDR-Zeiten
Auch die komplizierte Nachkriegsgeschichte der Lufthansa wird in Dessau nicht ausgespart. Nach 1945 existierten zwei deutsche Staaten, die beide Anspruch auf den traditionsreichen Namen erhoben. Die Deutsche Demokratische Republik gründete eine eigene Lufthansa und nutzte bewusst das historische Erbe. Vor dem Museum steht bis heute ein Passagierflugzeug aus DDR-Zeiten im Lufthansa-Design – ein sichtbares Zeugnis dieser Phase.

Nach verlorenen Rechtsstreitigkeiten musste die DDR die Nutzungsrechte jedoch an die 1954 im Westen neu gegründete Lufthansa in Frankfurt abgeben. 1961 wurde die ostdeutsche Fluglinie in Interflug umbenannt. Die Ausstellung macht deutlich, wie stark politische Systeme selbst über Namen, Symbole und Traditionen der Luftfahrt entschieden.

Über die historische Rückschau hinaus formuliert das Technikmuseum ambitionierte Ziele für die Zukunft. Geplant ist die Umsetzung einer historischen Rundbogenhalle, die Hugo Junkers selbst entworfen und errichtet hatte. Sie soll von einem anderen Standort nach Dessau verbracht und dort originalgetreu wiederaufgebaut werden. In dieser Halle sollen künftig Großexponate untergebracht werden: Militärflugzeuge ebenso wie zivile Passagiermaschinen, die derzeit noch ungeschützt auf dem Museumshof stehen. Damit würde nicht nur wertvolle Substanz gesichert, sondern auch ein zentraler architektonischer Gedanke Junkers' wieder sichtbar gemacht.

Auch hier formuliert Fördervereinschef Bebber anspruchsvolle Ziele: „Die Umsetzung der historischen Leichtlamellenhalle nach einem Entwurf von Hugo Junkers würde dem Museum dringend benötigte zusätzliche Ausstellungsfläche verschaffen. Zugleich entstünde ein authentischer Ort zur sachgerechten Unterbringung und Präsentation unserer Großexponate, die derzeit auf dem Museumsvorplatz stehen: eine DDR-Lufthansa oder auch Kampfjets. Für die Realisierung des Projekts sind wir aber dringend auf die Unterstützung der Stadt Dessau-Roßlau angewiesen. Inklusive Fundament, 1000 Quadratmeter Fußboden, Dach, Schiebetoren und Elektrik ließe sich für 2,65 Millionen Euro ein Anziehungspunkt für die Stadt einrichten, der ihre bedeutungsvolle Technikgeschichte unterstreicht.“

Die Ausstellung „100 Jahre Deutsche Lufthansa“ in Dessau versteht sich damit nicht als nostalgische Rückschau, sondern als Einladung zur Einordnung. Sie erzählt von technischer Kühnheit, unternehmerischem Mut und wissenschaftlicher Neugier – und von einem Luftfahrtverständnis, das lange vor den Katastrophen des 20. Jahrhunderts auf zivile Nutzung, internationale Vernetzung und Fortschritt setzte. In Dessau steht damit nicht das Unternehmen im Mittelpunkt, sondern der Mensch Hugo Junkers und die Frage, was von seiner Idee der Luftfahrt heute noch trägt.

Technikmuseum, Kühnauer Straße 161a, 06846 Dessau, täglich geöffnet von 9 bis 16 Uhr, ab März von 10 bis 17 Uhr, Eintritt: 9 Euro. www.technikmuseum-dessau.org 


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