02.08.2021

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Berliner Schloss

Geduld ist gefragt

Die Corona-Pandemie hebelt auch den Eröffnungstermin des Humboldt-Forums aus. Dafür gibt es am 16. Dezember einen digitalen Rundgang

Dirk Klose
09.12.2020

Es wäre zu schön gewesen! Am 17. Dezember sollte das Humboldt-Forum im nach siebenjähriger Arbeit wiederaufgebauten Berliner Schloss eröffnet werden. Aber daraus wird nichts. Corona-bedingt wurde der Termin verschoben. Stattdessen wird es am 16. Dezember um 19 Uhr einen digitalen Live-Rundgang durch die ersten Ausstellungsräume geben.

Mit nur wenig verlängerter Bauzeit und üblicher Kostenüberschreitung – am Ende werden statt der geplanten 552 Millionen Euro etwa 677 Millionen Euro zu Buche stehen – hat sich hier ein kleines Berliner Wunder ereignet. Ein Wunder vor allem deswegen, weil das Schloss, an dessen Wiederaufbau noch lange nach der deutschen Vereinigung niemand ernstlich geglaubt hatte, nun doch und äußerlich in alter Pracht wiedererstanden ist.

So rechte Freude will gleichwohl nicht aufkommen, nicht nur wegen Corona, sondern auch weil das Schloss unversehens in schlechten Ruf geraten ist. Wegen der einmaligen völkerkundlichen Sammlungen, die Berlin nun einmal hat und die künftig hier gezeigt werden, ist das Humboldt-Forum unversehens in den Geruch eines Symbols des deutschen Kolonialismus geraten. So verrückt das ist, so hat es doch Methode.

Das Schloss zur Königskrönung

Wenn überhaupt, dann ist das Schloss ein Symbol für Preußen. Fast 600 Jahre lang haben die jeweiligen Hohenzollernherrscher ihre Spuren hinterlassen: erster Bau, Abriss und Neubau, weiterer Ausbau zur Königsresidenz, Ausschmückung zahlreicher Innenräume als Glanzpunkte des deutschen Barock und des Klassizismus, und das alles mit den besten Baumeistern, Architekten und Bildhauern, die Preußen jeweils aufbieten konnte.

Unter Kurfürst Friedrich II. wurde am 31. Juli 1443 der Grundstein gelegt. Acht Jahre später war der Bau, eher eine befestigte Burg als ein Schloss, fertig, sehr zum Ärger der Bürger Berlins und Cöllns, deren Widerstand als „Berliner Unwille“ in die Geschichte eingegangen ist.

Im 16. Jahrhundert wurde diese Burg freilich schon wieder abgetragen und stattdessen ein schlossähnlicher Bau im Renaissancestil errichtet, von dem sich bis 1945 vor allem die an der Westseite weit in die Straße, die heutige Karl-Liebknecht-Straße, ragende Hofapotheke erhalten hatte – Berlins älteste Giftküche, wie man später spöttelte.

Doch auch dieser Bau hatte keinen Bestand. Kurfürst Friedrich III. hatte sich 1701 in Königsberg eigenhändig zum preußischen König Friedrich I. gekrönt, und nun musste auch seine Residenz königlich werden. Dazu wurde das alte Schloss umgebaut und erweitert. Beauftragt wurde der gleichermaßen als Architekt, Baumeister und Bildhauer schon berühmte Andreas Schlüter, der dem Bau seine gewaltige, immer wieder imponierende Form gab, ferner die prachtvollen Fassaden, zwei ebenso prächtige Innenhöfe, ferner Wohn- und Repräsentationsräume, die alle Vergleiche mit Meisterwerken in Italien und Frankreich aushielten.

Schlüters Tätigkeit ist von Tragik umwittert. Aus Prestigegründen wurde neben dem Schloss ein Münzturm gebaut, mit 94 Metern das damals höchste Gebäude in Europa. Schlüter hatte den sumpfigen Untergrund aber zu wenig einkalkuliert. Wegen Einsturzgefahr musste der halbfertige Turm wieder abgetragen werden. Schlüter wurde in Ungnade seines Postens enthoben, blieb allerdings weiter als Bildhauer tätig. So wurde hinter der südöstlichen Schlossecke sein Reiterstandbild des Großen Kurfürsten (heute im Charlottenburger Schloss) aufgestellt.

Schlüters Werk vollendete im Wesentlichen sein Konkurrent Johann Friedrich Eosander. Er baute auch das große Portal auf der Westseite, über dem erst 1854 von Friedrich August Stüler die markante Kuppel aufgesetzt wurde.

Honeckers Schlossportal

Ebenfalls ein Werk des 19. Jahrhunderts ist der Neptunbrunnen von Reinhold Begas, der heute vor dem Roten Rathaus steht. Nach 1918 waren in dem nun herrenlosen Schloss Behörden und wissenschaftliche Institute untergebracht. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss am 3. Februar 1945 schwer getroffen, freilich nicht so stark, dass nicht doch ein Wiederaufbau möglich gewesen wäre. Aber der SED passte dieses „Symbol des preußischen Militarismus“ ganz und gar nicht. Gegen viel Widerstand wurde die Ruine im Herbst 1950 gesprengt.

Das Portal IV, von dem aus der Sozialistenführer Karl Liebknecht am 9. November 1918 die „freie sozialistische Republik Deutschland“ ausgerufen hatte (zwei Stunden zuvor hatte Philipp Scheidemann vom Reichstag aus die „deutsche Republik“ proklamiert), war ausgebaut und wurde in den 1960er Jahren als Entree in das neue Staatsratsgebäude der DDR eingefügt, vor dem SED-Chef Erich Honecker meist seine Gäste empfing.

Die Fläche, auf der das Schloss stand, war jahrelang als Marx-Engels-Platz ein öder Aufmarschplatz. Das wurde schließlich auch der SED zu viel. Von 1973 bis 1976 wurde der Palast der Republik hochgezogen, ein Mehrzweckbau mit riesiger Tagungsstätte, Restaurants und Vergnügungsmöglichkeiten, der sich rasch allgemeiner Beliebtheit erfreute. Bald nach der friedlichen Revolution aber, als im Bau Asbest festgestellt wurde, kam das Aus.

Eröffnungstermin bleibt offen

Der 1992 gegründete Förderverein Berliner Schloss konnte nach langen Diskussionen die Politik von einem Wiederaufbau des Schlosses überzeugen. Den 2007 ausgeschriebenen Architekturwettbewerb gewann der Italiener Franco Stella, der sich an die alte Kubatur, die Bauform, hielt. Lediglich die östliche Spreefassade besitzt fürs Humboldt-Forum eine modernistische Form. Am 12. Juni 2013 legte der damalige Bundespräsident Joachim Gauck den Grundstein.

Sechs Jahre später, also 2019, hätte die Einweihung stattfinden sollen. Da es zu Bauverzögerungen gekommen war, hatte man die Eröffnung auf den September dieses Jahres verschoben. Dieser Plan konnte wegen „Kapazitätseinschränkungen“ infolge der Pandemie ebenfalls nicht eingehalten werden. Im April wurde zudem durch einen Brand auf der Baustelle ein Teil der Barockfassade in Mitleidenschaft gezogen. Der Schaden war schnell behoben. Wann aber das Humboldt-Forum für das Publikum nun geöffnet werden kann, ist noch völlig offen. Man wird sich noch eine Weile gedulden müssen. Aber die Berliner sind das schon gewohnt.

• Livestream am 16. Dezember unter: www.humboldtforum.org



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Kommentare

Heinz-Gerd Schlagregen am 14.12.20, 20:09 Uhr

Hier wurde mal wieder Kunst mit künstlich verwechselt. Der Betonnachbau eines Schloßes aus dem 15. Jahrhundert gehört in die Schublade auf der KITSCH steht. Es gehörte den Preußen und nun will man sich auch noch aus der auf ein Mal zu deutsch nationalen Ecke mit der Bezeichnung Humboldt-Forum stehlen. Da paßt nichts zusammen. Kommt einem vor als würde die Mauer noch stehen.

sitra achra am 10.12.20, 12:41 Uhr

Seit wann gehören die Humboldts zur Kaiserdynastie?
Welch ein Frevel, das Schloss nach ihnen (nach welchem Spross genau?) zu benennen! Der einzig würdige Repräsentant ist und bleibt Georg-Friedrich von Preußen!

Siegfried Hermann am 09.12.20, 13:06 Uhr

Die wunderbare Laudatio hat jetzt die PAZ gesprochen/geschrieben.
Was soll!?
Hauptsache das goldene Kreuz ist drauf und das historische Vorbild super nachempfunden.
Das bisschen Corona-Warten tut dem kein Abbruch und die "Königskrönung" wird gerüchteweise auch noch kommen. Die Kaiserkrönung dann entweder in Aachen, oder Wien, weil dort die Stefanskrone aufbewahrt ist.
Alles wird gut!

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