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Eine von mehreren Baustellen bei Tesla: Die immer noch nur als Prototyp existierende Sattelzug-Zugmaschine Tesla Semi
Foto: KorbitrEine von mehreren Baustellen bei Tesla: Die immer noch nur als Prototyp existierende Sattelzug-Zugmaschine Tesla Semi

Tesla

„Genießen Sie es, solange es andauert“

Der GLJ-Research-Mitgründer Gordon Johnson und der Short-Seller aus dem Film „The Big Short“, Michael Burry, sehen Elon Musk auf dem absteigenden Ast

Norman Hanert
16.03.2021

Brandenburgs SPD-geführte Landesregierung und auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sehen die Pläne für die Tesla Gigafactory im Berliner Umland bislang als großen industriepolitischen Coup. Erst im Dezember lobte Altmaier: „Wir alle sind froh, dass Elon Musk und Tesla Milliarden in Deutschland investieren und Tausende von Arbeitsplätzen schaffen."
Allerdings ist noch lange nicht sichergestellt, dass Teslas neue Großfabrik wirklich so ein Erfolg wird, wie ihn sich der Tesla-Chef Musk sowie Politiker wie Altmaier und Brandenburgs Regierungschef Woidke erhoffen. Trotz massiver staatlicher Förderung sind die Absatzzahlen von Tesla in Deutschland bislang gering. Laut Daten des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) sind auf den deutschen Straßen noch immer mehr Fahrzeuge des Typs Trabant aus DDR-Produktion zugelassen als Tesla-Fahrzeuge.

Optimismus bei deutschen Politikern

In den USA haben die Einschätzungen von zwei Beobachtern viel Beachtung gefunden, die Tesla sogar auf dem absteigenden Ast sehen. Im Februar hatte Tesla ein Milliardeninvestment in die Kryptowährung Bitcoin bekanntgegeben und angekündigt, in Zukunft auch Zahlungen in Bitcoin akzeptieren zu wollen. Nach der überraschenden Ankündigung brach der bisherige Höhenflug der Tesla-Aktie erst einmal ab.

Gordon Johnson, Analyst und Mitgründer von GLJ Research, sprach im Zusammenhang mit Teslas Bitcoin-Engagement von einem „Akt der Verzweiflung von einem CEO, dessen Unternehmen zum ersten Mal mit echter Konkurrenz konfrontiert ist". Johnson spielt damit auf neue E-Auto-Hersteller wie NIO an, aber auch auf etablierte Autobauer wie VW, die nun auf dem Gebiet der Elektrofahrzeuge immer mehr aufholen. Johnson wies zudem auf Teslas sinkende Verkaufszahlen in China, Probleme bei der Qualitätskontrolle, Verzögerungen beim Bau der Gigafactory bei Berlin und die verschobene Markteinführung des Tesla Semi hin. Die elektrisch betriebene Sattelzug-Zugmaschine (semi-trailer truck) wollte Tesla eigentlich schon 2019 auf den Markt gebracht haben. Aktuell gilt nun Ende 2021 als Zielmarke. Angesichts der vielen Probleme will sich Tesla nach Meinung von Johnson mit der Bitcoin-Investition eine Sicherheit verschaffen, um Verluste im eigentlichen Kerngeschäft ausgleichen zu können.

Ein derartiges Vorgehen würde tatsächlich zu Tesla passen. Obwohl der E-Auto-Pionier seit Dezember nun auch im Börsenindex S&P 500 gelistet wird und im Index sogar zu den Schwergewichten gehört, macht Tesla mit seinem eigentlichen Geschäft, dem Verkauf von Autos, bislang keinen Gewinn. Milliarden verdient das Unternehmen dagegen mit dem Verkauf von Emissionsrechten an General Motors und Fiat Chrysler.

Pessimismus bei US-Fachleuten

Aktienexperten wiesen darauf hin, dass auch Teslas Aufnahme in den Börsenindex S&P 500 den Aktienkurs befeuert hat. Passive Fonds, die den Index nachbilden, sorgen nun nämlich für zusätzliche Nachfrage nach Tesla-Aktien.

Dies haben einige Großinvestoren möglicherweise als Gelegenheit gesehen, Tesla-Aktien wieder zu Geld zu machen. Der Investor Ron Baron hat in den letzten Monaten insgesamt 1,7 Millionen Tesla-Aktien verkauft. Gegenüber der Öffentlichkeit behauptete Baron trotzdem, er glaube weiterhin an ein enormes Aufwärtspotential von Tesla. Dass er sich trotzdem von Tesla-Aktien trennte, begründete Baron damit, dass die starke Wertsteigerung dafür gesorgt habe, dass die Tesla-Aktie nun einen übergroßen Anteil am Portfolio des Baron-Capital-Fonds ausmache. Mit einer ähnlichen Begründung hat sich auch der schottische Großinvestor Baillie Gifford in letzter Zeit von einem Teil seiner Tesla-Aktien getrennt.

Behält der Hedgefondschef Michael Burry mit seiner Prognose recht, dann haben diese Investoren nach dem Höhenflug der Tesla-Aktie im vergangenen Jahr womöglich genau den richtigen Zeitpunkt abgepasst, um ihre Engagements zu verkleinern. Schon im Januar hatte Burry einen Absturz der Tesla-Aktie prognostiziert. Burry hält es sogar für möglich, dass das Papier unter die Marke von 100 US-Dollar fällt. Vor dem Hintergrund dieser Einschätzung gab er Anlegern die Empfehlung: „Genießen Sie es, solange es andauert."

Die Meinung von Burry hat an den Finanzmärkten Gewicht. Er gehört zu den wenigen Akteuren, die schon ab 2005 die massenweisen Ausfälle von Immobilienkrediten in den USA korrekt vorausgesehen hatten. Mit seiner milliardenschweren Wette auf das Platzen der Immobilienblase wurde der Hedgefondsmanager später zur Vorlage für das Buch „The Big Short" und den gleichnamigen Spielfilm.

Ähnlich wie Johnson warf Burry dem Tesla-Chef vor, mit seinem Bitcoin-Investment ein Ablenkungsmanöver gestartet zu haben: „Chinesische Aufsichtsbehörden berufen Tesla wegen Qualitätsproblemen ein, da sich die Verbraucher über die Qualität beschweren ... aber Tesla hat Bitcoin gekauft." Positiv sieht der gebürtige Kalifornier die Chancen von Volkswagen. Der deutsche Autobauer hat laut Burry das Potential, Tesla als Hersteller von E-Autos zu schlagen. Investoren würden allerdings die Größe, die Ressourcen und das Durchhaltevermögen von VW unterschätzen.



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Kommentare

sitra achra am 17.03.21, 14:50 Uhr

Die klugen Genossen haben es wieder einmal geschafft: Umweltzerstörung und Geldverbrennung im großen Stil.
Statt der versprochenen Arbeitsplätze dürfen sich die Arbeitssuchenden auf ein Leben im Hartzghetto einrichten.
Die Teslafabrik wird wohl das Schicksal des Zeppelinwerks erleiden, den Luft-Schiffbruch.
Also nicht als heiße Luft, wie immer bei den unfähigen "Demokraten" beheimatet.
Was soll man von denen schon erwarten?

Siegfried Hermann am 16.03.21, 10:36 Uhr

Wieder so eine Schnapsidee vom Musk....wie jetzt Invest bei Bitcoin.
Geld verbrennen ohne Ende.

Schauen wir im Rückspiegel: Versuche mit Elektroantrieb, auch im NKW-Bereich, gibt es schon seit den 20ziger Jahren, 1920ziger wohlgemerkt. Und bisher ist jeder Versuch konkurrenzfähige Produkte zu bekommen jämmerlich gescheitert. Allein dieser BVG-Gaga-Total-Fehlschuss mit ihren Polen-E-Bussen sollte doch die Vernunft zurück kommen lassen.
Eine Marktlücke sehe ich allenfalls im städt. Zubringerdienst --- NUR im Sommer, aber nicht die 40-Tonner-weltweit-Transporte bei jeden scheixx-Eis-Wetter. Bei den geplanten Giga-Akkus dampfen diese das Brutto/Nutzgewicht-Verhältnis massiv ein (Musk nennt wohlweislich KEINE Daten dazu!), sodass eine ökonomische Nutzung unter der derzeitigen Wettbewerbs-bedingungen NICHT möglich ist.
Genauso kompletter Schwachsinn ist
die Annahme an jeder beliebigen Ecke in Europa eine "Power-Ladestrom-Station mit Solarpanel" zubekommen. Da müsste dutzendweise neue Atomkraftwerke gebaut werden, von den Kupferkabeln ganz zu schweigen.
VW
Deren ID-Reihe ist technisch Tesla weit überlegen. Zudem stimmt die Qualität-- nach Kinderkrankheiten. Größter NKW ist derzeit der crafter/TGE (Man). Daneben nutzt MAN die Elektroantriebstechnik, die für Solaris-Busse entwickelt worden ist, nun für abgewandelte Diesel-LKW in der mittleren Gewichtsklasse, eben für Zubringerdienste. Und das wohl nur mit Druck durch die Konzernzentrale in Wolfsburg und deren mörkelhörigen Managern.
Mercedes hält sich bisher bedeckt und zurück. Die bauen lieber ihre Zetros-Diesel-Reihe mit Gewichten bis zu 120 Tonnen für massiv-Offroad aus und verdienen sich damit doof und dämlich und das mit normal Euro3 bis max Euro 5. Und die ganze Fernreise-Branche wartet sehnsüchtig auf Diesel-Euro6, weil sonst keine Zulassung in D und EU.
Ergo:
Dieser ganze Gretel-Klima-E-Spuk wäre innerhalb 1 Woche beendet, wenn alle Spediteure ihren Diesel in der Garage lassen würde und den Klima-Kids, Elitepolidiekern und deren "Experten" doch Fuß laufen empfehlen würden...

89 erlebt Schlömmer am 16.03.21, 07:37 Uhr

Der VEB WagenBau Wolfsburg (VW) setzt nun auch vollends auf Elektro, ignorierend, dass selbst Firmen Ur Gründer Ferdinand P. dereinst schon wusste, dass Elektro ganz ganz dolle von direkter Primärenergie-Zufuhr abhängig ist. Bestes Bsp war sein Kampfwagen "Ferdinand", der die Energieversorgung in Form von Maybach Benzinern direkt dabei hatte. Alle weiteren Ideen von wenig energiedichten Speichern sind was für Leute, die nicht ganz dicht sind, sinngemäß der "Ferdi".

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