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Kunst im Salzstollen: Ausstellung über das NS-Kunstdepot in Altaussee
Foto: Salzwelten/SchmidKunst im Salzstollen: Ausstellung über das NS-Kunstdepot in Altaussee

Salzkammergut

Gesalzenes Programm

Kunstraub, Kunstmusik und Comic-Kunst – In der diesjährigen Kulturhauptstadtregion um Bad Ischl wird mehr als nur Salz gewonnen

Helga Schnehagen
02.04.2024

Bereits vor über 7000 Jahren wurde im Salzkammergut – man ahnt es – Salz gewonnen, und noch immer ist es von seinem weißen Gold geprägt. Es fehlt daher auch nicht im Programm der Kulturhauptstadtregion 2024, das unter dem Motto „Kultur ist das neue Salz“ steht.

Heutzutage ist die Ausübung der Rechte zum Aufsuchen, Gewinnen und Aneignen des bundeseigenen mineralischen Rohstoffs Salz in Österreich der Salinen Austria AG überlassen. Diese gewinnt jährlich an den Standorten Altaussee, Hallstatt und der Kulturhauptstadt Bad Ischl vier Millionen Kubikmeter Sole, aus denen 1,2 Millionen Tonnen Salz
gewonnen werden. Am Dürrnberg bei Hallein wird dicht an der deutschen Grenze nur noch eine kleine Menge Natursole gewonnen, aus der die Salz-Manufaktur exklusives Gourmetsalz produziert.

60 Kilometer Soleleitungen verbinden die Abbaustätten mit der Saline in dem am Traunsee gelegenen Ort Ebensee, wo die Herstellung und Veredelung der vielfältigen Salzprodukte stattfindet. Der Soleweg entlang der Pipeline zählt zu den schönsten Wanderwegen Österreichs. Hauptattraktion der Region aber sind die von der Salinen Austria AG 2005 gegründeten Salzwelten mit ihren Schaubergwerken in Hallstatt, Altaussee und dem Halleiner Stadtteil Bad Dürrnberg.

In Altaussee sieht man, wie sich die Nationalsozialisten die konstante Temperatur der Stollen von acht Grad Celsius bei etwa 75 Prozent Luftfeuchtigkeit einst zunutze machten: Von 1943 bis 1945 versteckten sie darin Tausende wertvoller Kunstwerke für das geplante „Führermuseum“ in Linz. Um ein Haar hätten sie den Genter Altar oder Bruegels Bauernhochzeit mit ihren eigenen Bomben in den letzten Kriegstagen noch in Schutt und Asche gelegt. Doch durch Widerstand und Hilfe der Bergleute konnte die Katastrophe in letzter Minute verhindert werden.

Zum Kulturhauptstadtjahr inszeniert Simon Schwarz, Graphic Novellist aus Hamburg, die dramatische Rettung der eingelagerten Kunstwerke neu. Präsentiert wird seit März sein jüngst erschienener Comic „Verborgen im Fels“ (40 Seiten, 18 Euro) im Steinberghaus, dem Eingang zum heutigen Schaubergwerk.

Mit Objekten, Film- und Fotoarbeiten sowie Installationen widmet sich eine ganze Riege internationaler Künstler im historischen Sudhaus von Bad Ischl nicht nur dem Salz, sondern auch den Themen Wasser und Holz, ohne die die Salzgewinnung nicht möglich war und ist. Die bis zum 31. Oktober laufende zentrale Hauptausstellung „Sudhaus – Kunst mit Salz und Wasser“ wird begleitet von der Konferenz „Wasser ist das Gold der Zukunft“.

Musikalisch findet das kristalline Leitthema in einer Produktionshalle der Saline Ebensee seine Verarbeitung. Dort soll am 15. Juni die Veranstaltung „Bruckners Salz“ zu einem „Großereignis der Sonderklasse“ werden, wenn anlässlich des 200. Geburtstags des Komponisten Anton Bruckner Motetten, Sinfonieteile, Improvisiertes und Unerwartetes von Chören Oberösterreichs sowie dem Bruckner-Orchester Linz unter Leitung von Markus Poschner zum Besten gegeben werden.

Ins digitale Zeitalter passt das Projekt „7000 Jahre Salz“. Das virtuelle Museum Salzkammergut, in dem sich alle Museen der Kulturhauptstadtregion vernetzen können, soll auf moderne Weise zu mehr Wissens- und Datenaustausch führen. Die Präsentation der Web-App ist für diesen Monat geplant. Wer es lieber analog mag, dem sei die Zeitreise von der Steinzeit bis in die Gegenwart im Welterbemuseum Hallstatt empfohlen.Helga Schnehagen

www.salzwelten.atwww.anton-bruckner-2024.at, www.salzkammergut-2024.at


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