28.01.2026

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Das Weiße Haus veröffentlichte dieses Watschel-Bild, bei dem wohl der Wunsch Vater des Gedankens war. Hätte man dem US-Präsidenten nicht mal sagen können, dass es auf Grönland gar keine Pinguine gibt?
Bild: White House/XDas Weiße Haus veröffentlichte dieses Watschel-Bild, bei dem wohl der Wunsch Vater des Gedankens war. Hätte man dem US-Präsidenten nicht mal sagen können, dass es auf Grönland gar keine Pinguine gibt?

Leitartikel

Getöse oder Gier

Sverre Gutschmidt
28.01.2026

In Skandinavien ist das Entsetzen über Trumps Drohgebärden einhellig und überall greifbar. Auf dem Gipfel in Davos (Weltwirtschaftsforum) hat der US-Präsident in Bezug auf Gebietsansprüche gegen Grönland zwar eingelenkt, aber die Lage bleibt angespannt. Norweger fürchten, Spitzbergen könne das nächste US-Ziel sein, Schweden und Finnen bangen um die NATO und um die US-geführte Sicherheitsarchitektur Europas, der sie gerade beigetreten sind. Direkt betroffen sind indes die Dänen. Deren Ministerpräsidentin Mette Frederiksen gab Trump knapp zu verstehen, das Grönlands Zukunft allein von den Grönländern und Dänen bestimmt werde und erinnerte an die besagten „roten Linien“, denn Souveränität werde nicht abgetreten.

Tiefe Unruhe hat Dänemark befallen, spürbar an den Aktienmärkten, wo dänische Firmenwerte seit Trumps Zoll-Drohungen vergangene Woche Montag stärker einbrachen als andere europäische Werte. Zwar sind neue Zölle vorerst vom Tisch, doch viele Dänen fragen sich, was den US-Präsidenten generell umtreibt, wenn er von seinen Plänen für Grönland spricht: Mineralien, Sicherheit oder – schlechteste Variante, so der Tenor, – der Wunsch nach Territorium. Die Verbindungen nach Grönland sind in Dänemark selbst in der Grenzregion zu Deutschland spürbar. Grönländer wohnen hier, kommen nach Dänemark zum Arbeiten, Einkaufen oder Zahnarzt, oder bieten traditionelle Schnitzereien auf Märkten an. Mit dem Flugzeug ist ihre Heimatinsel gut zu erreichen. Stellengesuche in Grönland sind am dänischen Arbeitsmarkt normal. Mancher Däne arbeitet zumindest ein paar Monate dort. Das dänische Königspaar wählte als zweite Vornamen Ivalo und Minik für Kronprinz Christian und Prinzessin Josphine, um die grönländischen Namen ins Königshaus zu bringen. Eine weitere Aufwertung Grönlands zeigt das von König Frederik X. angeregte neue Staatswappen Dänemarks.

Grönland taucht mehrfach in der nationalen Verteidigungsstrategie auf, die das US-Verteidigungsministerium jetzt veröffentlicht hat. Nun fürchten viele, Trumps imperialistischen Gelüste nach der Insel, die rund sechsmal so groß ist wie Deutschland, könnte reine Vergrößerungssucht sein. Es wäre die denkbar schlechteste Verhandlungsgrundlage. Der Schock sitzt umso tiefer, da Dänemark sich als einer der engsten Verbündeten der USA wähnte. Tausende Dänen protestierten in den vergangenen Tagen in Kopenhagen gegen Pläne Trumps, die Insel den USA einzuverleiben. Im Livechat diskutiert Dänemarks großer TV-Sender tv2 mit Bürgern die Rolle des Königshauses und dessen Möglichkeiten im Konflikt. Ratlosigkeit und Zorn sind greifbar.

Auch wenn eine militärische Aktion der Amerikaner vorerst abgewendet ist, hängen Verhandlungen und damit dänische Zugeständnisse als Damoklesschwert über dem Land. Dänische Wissenschaftler legen dar, dass bisher die Autonomieregierung in Grönlands Hauptstadt Nuuk US-Firmen bei dem Wunsch, Bodenschätze auszubeuten, kaum Hindernisse in den Weg legte – es liege schlicht am mangelnden US-Interesse an deren kostspieliger Förderung. Auch das Sicherheitsargument Trumps sehen die Dänen nicht als stichhaltig an. Mützen und Basecaps mit Dannebrog werden zum Widerstandssymbol.

Ruhe vor dem Sturm
Die Dänen fragen nun nach Trumps Plänen eines Verteidigungssystems „Golden Dome“, der sich seit den Gesprächen in Davos als eine Hauptmotivation der Amerikaner herauskristallisiert. Um diesen Plan drehen sich Kompromissvorschläge. Ein Vertrag zwischen Dänemark und den USA von 1951 über die militärische Präsenz der USA soll neu verhandelt werden. Brisant aus dänischer Sicht: ein US-Mitspracherecht bei Investitionen von Drittstaaten auf Grönland sowie die Ausklammerung der Frage, ob die Insel zu Dänemark gehören soll.

Viele Dänen sehen die Gefahr, für den US-Abwehrschild der Zukunft finanziell und politisch zur Kasse gebeten zu werden, ohne davon zu profitieren. Der Kampf um Grönlands Zukunft hat erst begonnen, urteilen viele Dänen. Auch nach Ende der akuten Krise bleibt aus ihrer Perspektive die Krise bestehen. In den dänischen Liveblogs teilen Experten ihre Sicht mit, das Verhältnis USA-EU sei für immer verändert, ein erneutes Springen des US-Präsidenten in den Drohmodus jederzeit möglich. Dänemark fürchtet, die solidarische Einigkeit Europas könne bald Risse bekommen. Das dänische Fernsehen DR berichtet sogar live über den „Kampf um Grönland“. Die neue Bezeichnung Grönlands als „Schlüsselterritorium“ in der aktualisierten US-Verteidigungsstrategie richte sich gegen China und Russland, so der Expertentenor dort, doch viele Fragen bleiben offen.

Als positiver Effekt der fremden Ansprüche rücken Dänen und Grönländer nach jahrelangen Querelen über Kolonialpolitik und Unabhängigkeit enger zusammen. Nach aktuellen Meinungsumfragen lehnen 85 Prozent der Grönländer es ab, Teil der USA zu werden. Nur 17 Prozent der Dänen wollen Grönland aus dem Königreich entlassen, so Meinungsforscher von Epinion. Schon im Januar 2025 ergab eine Meinungsumfrage (Voxmeter) unter 1.000 Grönländern über 18 Jahren eine Zustimmung von 64 Prozent für den Verbleib bei Dänemark. Gleichzeitig sagten 58 Prozent, Kopenhagen solle zustimmen, wenn das lokale Parlament Inatsisartut die Unabhängigkeit anstrebe. Dessen fünf Parteien erklären jetzt einmütig: „Wir sind weder Amerikaner noch Dänen – wir wollen Grönländer sein.“ Die Meinungsumfragen auf der Insel zeigen zwar große Zustimmung zur Unabhängigkeit, aber nicht auf Kosten des von Kopenhagen mit rund 500 Millionen Euro jährlich finanzierten Wohlstandes. Die dänischen Fördermittel belaufen sich auf über ein Drittel des Autonomie-Haushalts.

Die Angst vor Unterwanderung durch Trumps Umfeld gipfelt in einem Skandal um den Ehemann der grönländischen Außenministerin Vivian Motzfeldt, Jørgen Wæver Johansen. Ihm wird vorgeworfen, Geschäfte mit Trump-Unterstützern zu machen, während seine Frau nach außen eine harte Haltung einnimmt. Der Geschäftspartner Johansens ist ausgerechnet Milliardär Ronald Lauder, der Trump erst auf die Idee gebracht hatte, Grönland zu übernehmen. Die Übernahme per Geld fürchten viele Dänen als einen Hebel, mit dem Trump die Stimmung beeinflussen oder Grönland übernehmen könnte.


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