07.08.2020

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Malerische Lage am Meer: Der ehemalige deutsche Gouverneurspalast in Lomé wurde nach langer Umbauphase der Öffentlichkeit übergeben
Foto: Palais de Lomé/Louis VincentMalerische Lage am Meer: Der ehemalige deutsche Gouverneurspalast in Lomé wurde nach langer Umbauphase der Öffentlichkeit übergeben

Gouverneurspalast in neuem Glanz

In der einstigen deutschen Kolonie Togo wurde ein Kunst- und Kulturzentrum eröffnet

Bodo Bost
13.01.2020

Der Gouverneurspalast von Lomé in Togo wurde von 1898 bis 1905 unter der technischen Leitung des deutschen Ingenieurs Furtkamp erbaut, nachdem Gouverneur August Köhler, der Lomé als Hauptstadt der deutschen Kolonie Togo errichtete, beschlossen hatte, einen Palast zu errichten. Bauplan und Ort für den Palast entstammten den Ideen Köhlers, dessen Nachfolger Waldemar Horn (1902–1904) und Graf von Zech (1904–1905) die Koordinierung der Bauarbeiten weiter übernahmen. Die Bauarbeiten führte im September 1905 der deutsche Architekt Ernst Schmidt zu Ende.

Stolz der deutschen Kolonie

Der Palast in der Nähe des Meeres sollte noch von vielen Kilometern Entfernung vom Meer aus sichtbar sein und Eindruck erwecken. Das Gebäude ist ein wahres Meisterwerk der „funktionalen Form". Es war in einer Zeit der Suche nach Prestige und Machtdemonstration der ganze Stolz der deutschen Kolonie.

Der Gouverneurspalast passte zur „deutschen Musterkolonie", die Togo zu der Zeit war. Togo war zwar die kleinste deutsche Kolonie in Afrika, aber auch die einzige, die wirtschaftlich für die Kolonialherren rentabel war.

Für den Bau griffen die deutschen Erbauer auf eine clevere Kombination aus heimischen Materialien, importierten Materialien und deutscher Technologie zurück. Gebrannte rote Ziegel, Eisen- und Stahlstangen, Zement, Massivholzbretter, Platten und Wellbleche sind die Hauptbauelemente dieser Struktur.

Das Gebäude wird von zwei „Kronen" überragt, von denen eine „männlich" und mit der Kaiserflagge in Richtung Meer und die andere „weiblich" und auf die Stadt und das „Hinterland" gerichtet ist. Ein Symbol für den Dualismus einer abschreckenden Präsenz auf der einen, und Prestige, Majestät oder Kaisertum auf der anderen Seite, die beide in diesem Gebäude zugewiesenen Funktionen vereinte. Das Gebäude enthält eine große Terrasse, und umfasste auch eine strategische „Untergrundbahn" als Fluchtmöglichkeit bei eventuellen Aufständen.

In der Blütezeit war der Haupteingang des Gebäudes mit zwei beeindruckenden Elefantenstoßzähnen aus Togo verziert, die jeweils mehr als zwei Meter hoch waren. Im Erdgeschoss befanden sich Büros, während sich die Wohnungen des Gouverneurs vom Errichtungsdatum bis 1914 im ersten Stock befanden.

Umgestaltung durch Franzosen

Nach dem Verlust der Kolonie fanden einige Umgestaltungen statt: In der französischen Ära wurde der Verandaboden mit Holz veredelt. Das Innere des Gebäudes wurde renoviert, aber einige Zimmer haben ihren ursprünglichen Zustand beibehalten. Eine Reihe von Nebengebäuden wurde seinerzeit von den Franzosen gebaut.

Der Palast diente nach der Unabhängigkeit Togos 1960 bis 1970 auch als Sitz des Staatspräsidenten, von 1976 bis 1991 wurde er in einen Palast für hohe Staatsgäste umfunktioniert. 1983 wohnte der damalige bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß während eines Staatsbesuchs bei Präsident Eyadema in dem Gebäude. Beide wollten aus der einstigen „Musterkolonie" wieder ein „Musterland" machen. Das Projekt scheiterte nach dem versuchten Staatsstreich gegen die Eyadema-Familie 1990/91, bei dem auch um das Gebäude gekämpft wurde. Die Eyadema-Familie hält noch immer die Zügel der Macht in Togo.

Das Gebäude steht in der Mitte eines riesigen Parks im Stadtzentrum. Die Stadt um den Palast herum hatte zur deutschen Zeit etwa 5000 Einwohner, davon 300 Deutsche, heute leben in Lomé 1,7 Millionen Menschen, doppelt so viele wie damals in der ganzen deutschen Kolonie.Der ehemalige Gouverneurspalast von Lomé erstrahlt nach fünfjähriger Umbauphase in neuem Glanz. Er wurde in ein Kunst- und Kulturzentrum, das internationalen Standards gerecht wird, umgewandelt. Er erhielt neben Ausstellungsräumen für Kunst und Kultur auch Galerien und Restaurants, jetzt wurde er wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Umbau kostete den togolesischen Staat umgerechnet 3,6 Millionen Euro. Die Renovierung wurde von einer internationalen Architektengruppe geplant und die Projektleitung zehn togolesischen Unternehmen übertragen.

Kuratoren der ersten Ausstellungen über togolesische Volkskunst, zu der auch die geheimnisumwobenen tanzenden Masken gehören, und Geschichte, zu der die koloniale deutsche Vergangenheit zählt, sind Bernard Müller („Togo der Könige") und Sandra Agbessi („Hommage an Kossi Aguessy, Designer").



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