27.09.2021

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Berliner Speckgürtel

Großstädter wollen naturnah wohnen

Lärm, hohe Mieten und knapper Wohnraum in Berlin – Das Umland schiebt sich in die Spitzenklasse

Norman Hanert
01.08.2021

Ob München, Hamburg, Berlin oder Köln – Deutschlands Großstädte haben in der Vergangenheit wie Magnete neue Bewohner angezogen. Inzwischen zeigt sich jedoch, dass das Wachstum der Metropolen kein Selbstläufer mehr ist.

Zumindest als Wohnort verlieren die Stadtzentren zunehmend an Attraktivität, gefragt ist vor allem das Umland jenseits der Stadtgrenzen. Ob sich diese schon seit einigen Jahren abzeichnende Entwicklung durch die Corona-Pandemie verstärkt hat, war eine Frage, mit der sich das Münchner ifo-Institut beschäftigt hat. Zusammen mit dem Immobilienportal immowelt haben die Münchner Wirtschaftsforscher dazu deutschlandweit mehr als 18.000 Personen befragt. Dabei gab fast jeder Achte, der in einer Großstadt mit mehr als einer halben Million Einwohnern lebt, den Wunsch an, bis zum Sommer 2022 wegziehen zu wollen.

Jeder achte Großstädter will weg

Es waren vor allem Menschen im mittleren Alter und insbesondere Familien mit Kindern, die solche kurzfristigen Wegzugspläne aus den Metropolen haben.

Darüber hinaus förderte die Befragung zutage, dass auf längere Sicht sogar noch wesentlich mehr Großstadtbewohner Wegzugsgedanken haben. Weitere 18,5 Prozent gaben an, sie würden im Zeitraum von zwei bis sechs Jahren einen Wegzug planen. Als Umzugsziele wurden meist Städte mit weniger Einwohnern und die sogenannten Speckgürtel der Metropolen genannt.

Zum Teil profitiert von den Umzugswünschen auch Kleinstädte und Dörfer abseits der Ballungsräume. Immerhin knapp elf Prozent der Befragten gaben ländliche Regionen als ihr Umzugsziel an. Fast die Hälfte (46 Prozent) derjenigen mit den kurzfristigen Umzugsplänen erklärte, die Corona-Pandemie habe ihre Entscheidung beeinflusst.

„Viele Befragte geben an, in Zukunft weniger Kompromisse bei den eigenen Wohnverhältnissen machen zu wollen, da sie aufgrund der Pandemie mehr Zeit zu Hause verbringen“, so Jan-Carl Mehles, Leiter der Marktforschung bei immowelt und Ko-Autor der Studie.

Fast zwei Drittel der befragten Großstädter gaben als Grund für ihre Umzugspläne den Wunsch nach mehr Naturnähe und einer Aufwertung der eigenen Wohnverhältnisse an. Ganz oben rangierte dabei der Wunsch nach mehr Wohnfläche und nach einem besseres Wohnumfeld für die Familie.

Die Abwanderung aus den Stadtzentren bringt nach Ansicht des ifo-Instituts neue Herausforderungen mit sich, etwa in der Verkehrsinfrastruktur. Der suburbane Raum muss besser als bisher an den urbanen Raum angeschlossen werden. Durch den Zuzug von Familien muss in den betroffenen Kommunen auch die Bildungsinfrastruktur ausgebaut werden.

Zusätzlich zu diesen vom ifo-Institut genannten Punkten könnte sich eine weitere Frage ergeben, falls die Abwanderungsbewegung langfristig anhält. Wie sinnvoll ist es beispielsweise, die Berliner Innenstadt immer mehr für zusätzlichen Wohnungsbau zu verdichten, wenn es ein gutes Viertel der Einwohner ohnehin ins Umland oder aufs Land zieht?

Die Politik muss sich auch darauf vorbereiten, dass die demographische Entwicklung für einen grundlegenden Wandel auf dem Arbeitsmarkt sorgen wird. In den kommenden Jahren steht nämlich auf breiter Basis der Rückzug der sogenannten Baby-Boomer-Generation aus dem Arbeitsleben an.

Bereits ab 2025 ist damit zu rechnen, dass ein Mangel an Arbeitskräften vielerorts das Wirtschaftswachstum bremsen wird.

Arbeitskräftemangel prognostiziert

Das Hamburger Prognos-Institut geht in einer sogenannten Langfrist-Konjunkturprognose, die es im Auftrag des „Handelsblatts“ angefertigt hat, davon aus, dass bis zum Jahr 2030 nur noch 15 deutsche Regionen einen Zuwachs an Erwerbstätigen haben werden.

Gleichzeitig sehen die Forscher aber das Angebot an Arbeitskräften als den entscheidenden Faktor an, ob Kommunen und Regionen zukünftig zu den Gewinnern oder den Verlierern gehören werden. Vor diesem Hintergrund sieht das Beratungsunternehmen insbesondere für Städte und Gemeinden in den östlichen Bundesländern gute Chancen.

Rostock zählt für die Forscher beispielsweise bundesweit zu den zehn Standorten mit den besten Aussichten. Arbeitsmarktchancen, ein gutes Wohnungsangebot, Hochschulen und das Kulturleben machen auch Potsdam und Leipzig zu Magneten für Zuzügler.

Mit Blick auf die Landkreise Dahme-Spreewald und Oder-Spree im Speckgürtel Berlins spricht Prognos sogar von einem „Tesla-Effekt“. Für beide Landkreise prognostiziert das Beratungsunternehmen, dass sich Teslas Giga-Fabrik und der neue Flughafen Berlin Brandenburg zu starken Jobmotoren entwickeln.

Diese beiden Landkreise sowie Potsdam und Potsdam-Mittelmark sieht Prognos zusammen mit Städten und Regionen wie Wolfsburg, Regensburg, Darmstadt und drei Landkreisen im Münchner Umland bis 2030 zu den wachstumsstärksten Regionen in Deutschland überhaupt.



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Kommentare

Peter Freimensch am 22.08.21, 13:18 Uhr

Am Rand des Berliner Ostens lebt es sich nach wie vor noch recht zivilisiert und prima.

Da spielt es auch keine Rolle, ob da ein B auf dem Autokennzeichen steht, oder aber ein BAR, MOL bzw. LOS.

Für den gelegentlichen Besuch exotischer Reiseziele nehme ich U- bzw. S-Bahn und steige Warschauer, Alex oder Friedrichstraße in eine andere Linie um. Macht gesamt zwei Fahrscheine zu je drei Euro.

Berlin hat den riesengroßen Vorteil, nicht nur eine Stadt zu sein. Sondern viele gleichzeitig ...

Tom Schroeder am 03.08.21, 18:42 Uhr

Als Dörfler, der nun in der Stadt wohnt, kann ich nur empfehlen den unwillkommenen Neuzugängen aus der Stadt schnell beizubringen, dass sie auf dem Dorf unwillkommen sind - bis in die 80er Jahre hinein hatten wir da noch so unsere Methoden. Spätestens 6 Monate später zogen solche Assis wieder weg! Wurde zu teuer die ständig kaputten Reifen und sich immer angstvoll umdrehen, wenn man besoffen nach hause kam machte dann nicht lange Spass! Die netten Leute kann man ja akzeptieren.

Frank Schneider am 02.08.21, 13:42 Uhr

Die hochverehrten Städter sollen hinziehen wo der Pfeffer wächst, aber uns indigenen, autochthonen Landbewohner mögen sie bitte mit ihrer "woken" Anwesenheit verschonen!

Michael Holz am 01.08.21, 14:39 Uhr

Kein Wort über die überstarke Präsenz von "Goldstücken" im urbanen Raum Herr Hanert?
Was glauben Sie, warum so viele aus den Drecknestern weg wollen? Es sind nicht nur die beengten Wohnraumverhältnisse.
Arbeitskräftemangel prognostiziert? Wie denn das, es kommen doch genug Fachkräfte, wie z.B. Atomwissenschaftler, Raketeningenieure und andere Spezialisten aus dem Irak, Syrien oder Afgahnistan. Die "paar" deutschen Malorcher, welche wegziehen, auf die kann Mutti oder KGE doch verzichten.
Wenn Sie sich auf Institutionen Merkel-Deutschlands verlassen, sind Sie verlassen, Herr Hanert.

Siegfried Hermann am 01.08.21, 08:52 Uhr

"wie Magnete neue Bewohner angezogen"
Jetzt muss ich aber mal richtig meckern. Das die PAZ jetzt anfängt diesen kruden links-faschistisch polidiesch korräkten gender-rassism-sprech einzuführen...
pöse, pöse, pöse.
Gemeint ist massenhafte importierte bunte 2015er Kriminalität, Gewalt-"Kabul-Normalität" und Deutschen Diskriminierung wo es nur geht. Auch auf dem Wohnungsmarkt.
Offiziell waren von 2015-2018 nach Berlin 40.000 Wirtschaftsmigranten zugezogen.... ohne auch nur für einen qm Wohnfläche zu sorgen!!
Bis heute dürfen das mit illegalen geduldeten weit über 150.000 sein plus was seitdem noch nach-produziert wurde.

Mit Kokolores hat sich nun eine unverhoffte Alternative für besser organisierte und gebildete Deutsche
ergeben. "homeoffice", "Werkstatt außerhalb", der Rest wird im web bestellt.
Die explodierende Immobilienpreise tun ein übriges. Wer kann und will sich heute als Deutscher (Linker) und Familie am Paul-Linke-Ufer, oder am Nollendorfplatz, oder links, rechts an der Kantstraße eine Bleibe mieten oder kaufen??? Von völlig abgerockte Hinterhof-Stricherbuden aus Actionfilmen abgesehen
Ich kenne keinen!!!
In Hennigsdorf am Stadtrand von Berlin ist man noch unter sich (Deutschen) und sozial angepassten, die Preise (selbst für Eigenheime) erträglich, das Umland grün und weniger als 1 Stunde Fahrzeit ins Zentrum. Was will man da mehr!?

Zurück bleiben die sozial abgehängten, Deutschen Armutsrentner, die Studenten sind heute sowieso total verstrahlt und der Rest liebt es in Kiffercafes, Suff und Kalkutta-Müll zu leben.
Sarazin hat recht.

Im Ergebnis stimme ich Herrn Hanert zu!
Es entwickelt sich ein 2- oder 3 Paralleluniversen, die sich gegenseitig abschotten (Deutschland wird sich verändern, link Göring und Konsorten) und seit 40 Jahren (!!!) von der kompletten bunten SED-Einheitsbrei srgbrgl-Diktatur- Wahlgeschehen auch sooo schon immer gewollt war. Rühmliche Ausnahme die AfD und ihr geistig nahestehende Kleinstparteien und temporäre Widerstandsgruppen wie ID.
Persönlich bin ich ja auch aus der Sturm- und Drangzeit. ;-) Im Nestbaubetrieb waren wir schon durchaus angetan "ländlich und naturnah" zu wohnen, zeitweise habe ich deshalb auch über 1 Stunde Fahrzeiten in Kauf genommen. Und. Das war vor 30 Jahren!!! Und aus den gleichen Gründen. Es hat sich seitdem nur noch alles wesentlich verschärft!
Mahlzeit!

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