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Verkehr

Gute Fahrt zwischen Usedom und Wollin

Der Swinetunnel hat seine Bewährungsprobe bestanden

Erwin Rosenthal
03.10.2023

Wer von der Ostseeinsel Usedom auf die benachbarte Insel Wollin reisen will, muss die Swine, den mittleren Mündungsarm der Oder, überqueren. Fähren gibt es hier bereits seit Jahrhunderten, aber erst in neuester Zeit macht ein etwa 1,8 Kilometer langer Tunnel unter der Swine zumindest die Autofähren überflüssig. Der tiefste Punkt des Tunnels befindet sich rund elf Meter unter der Sohle der Swine, die in Swinemünde eine Tiefe von 13 bis 15 Metern hat. Der Außendurchmesser des Tunnels beträgt 13,46 Meter, was für zwei Fahrbahnen ausreicht. Die Geschwindigkeit im Tunnel ist auf 50 Kilometer pro Stunde beschränkt, die Durchfahrt ist kostenlos und dauert drei bis vier Minuten.

Baubeginn für den längsten Unterwassertunnel Polens war im Februar 2019 gewesen. 85 Prozent der Kosten, die mit
220 Millionen Euro angegeben werden, trägt die EU, den Rest übernimmt die Stadt Swinemünde. Die Stadt plant – nicht zuletzt durch den Tunnel – die Zahl seiner Touristen von aktuell 1,5 Millionen auf jährlich 2,5 Millionen zu erhöhen.

Der am 30. Juni 2023 eröffnete Straßentunnel hat bereits seine Bewährungsprobe bestanden. Die Mehrzahl der Nutzer ist des Lobes voll, denn vor der Eröffnung des Tunnels mussten Autofahrer Fähren zur Überfahrt nutzen. In Spitzenzeiten bedeutete das für Benutzer der Kaseburger Fähre nicht selten eine Wartezeit von zwei Stunden. Einheimische durften die günstigere Stadtfähre nutzen.

Für Fußgänger und Radfahrer bleibt die Stadtfähre auch weiterhin erhalten, während die größere Fähre bei der Insel Kaseburg stillgelegt wird. Kassandrarufe der regionalen Presse wie „Swinetunnel undicht“ oder „Tunnel schon wieder geschlossen“ sollten die Nutzer des neuen Bauwerks nicht abschrecken. Der Verkehr rollt allgemein störungsfrei. Gründe für die kurzzeitige nächtliche Schließung waren notwendige Konservierungsarbeiten, Tests, Überprüfungen und die Montage von neuen Geräten.

Es ergibt sich die Frage, ob den Polen mit dem Tunnelbau verkehrstechnisch der ganz große Wurf gelungen ist? Ja und nein, kann die Antwort nur lauten, denn ebenso wie in der Wissenschaft gebiert auch in der Technik die Lösung eines Problems allgemein eine Reihe neuer, noch zu lösender Probleme.

So mehren sich in Swinemünde Befürchtungen, dass der zunehmende Verkehr, an Spitzentagen werden 10.000 Fahrzeuge den Swinetunnel passieren, die Straßen verstopfen wird, zumal es zu wenig Parkplätze gibt. Vor der Tunnelöffnung hatten die langsamen Fähren den Pkw-Verkehr reguliert.


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