28.11.2022

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Weihnachtliches

Hansestadt Stralsund – Stadt der Sterne

… sie erleuchten den ältesten Weihnachtsmarkt an der Ostseeküste und bringen Licht in alle Stadtteile

Brigitte Stramm
21.12.2021

Faszinierend anzusehen sind sie, die großen, beleuchteten Sterne, die auf Initiative des Oberbürgermeisters erstmalig im letzten Jahr zur Adventszeit aufgestellt wurden. Fünf große Sterne waren es, die Licht und Zuversicht in die dunkle Jahreszeit bringen sollten. „2021 legen wir nochmal eine Schippe drauf und erhöhen die Zahl der Siebenmeterriesen auf 20“, freut sich der Oberbürgermeister Alexander Badrow. Und ergänzt: „Damit erleuchten wir nach und nach jeden Stadtteil – bis es am Ende so aussieht, als würde sich der Himmel in unserer Hansestadt spiegeln.“

Hinzu kommen vier kleinere Sterne in den Kirchtürmen von St. Marien und St. Nikolai sowie im Hospiz und der katholischen Gemeinde. Sie sind mit „nur“ zwei Metern Spannweite zwar nicht ganz so groß, hängen dafür teilweise aber umso höher. Somit gleicht der Aufbau einer sportlichen Extremleistung. Hergestellt werden die Sterne von der masson GmbH vor den Toren der Hansestadt. Geschäftsführerin Susanna Masson betont: „Auch wenn unsere Sterne international bis nach Australien reisen, ist Stralsund weltweit die einzige Kommune, in der alle Stadtteile ihren eigenen Stern haben. Die Stralsunder Sterne werden bis zum 2. Februar 2022 (Maria Lichtmess) die Herzen der Menschen erfreuen. „Ich freue mich auf unsere gemeinsame Weihnachtszeit am Strelasund – mit den Stralsunder Sternen, mit dem ältesten Weihnachtsmarkt im Ostseeraum und hoffentlich einem besonderen Feuerwerk zum Jahreswechsel“, schließt der Oberbürgermeister.
(Sehenswert: www.stadt-der-sterne.de)

Ältester Weihnachtsmarkt

In der historischen Altstadt Stralsunds, auf dem Alten Markt erfreut alljährlich der Weihnachtsmarkt die Besucher. St. Nikolai, das Rathaus und das Commandantenhus schauen von jeher dem bunten Treiben zu.

Der Stralsunder Gunnar Möller hat sich intensiv mit den Märkten und Gebräuchen um Weihnachten und Neujahr im alten Vorpommern befasst und seine Forschungsergebnisse in einem Buch veröffentlicht. Er beschreibt das historische Geschehen bis zur Jetztzeit.

Der älteste Weihnachtsmarkt an der Ostsee und zweitälteste in Norddeutschland ist der in Stralsund. Am 27. Juli 1512 gestattete der pommersche Herzog Bogislaw X. dem Rat von Stralsund, den bisher an St. Vitus (am 15. Juni) abgehaltenen Markt nunmehr mit allen Vorrechten, Freiheiten und Privilegien an St. Nikolai (6. Dezember) acht Tage lang abzuhalten.

Um 1700 gab es nicht viele Märkte in der Adventszeit im Norden Deutschlands. In einem 1710 in Leipzig erschienenen Jahrmarkts- und Messeverzeichnis sind Märkte aus Braunschweig („8 Tage vor Weynachten“), Danzig („3. Sonntag nach Martini“ – das fällt mit dem ersten beziehungsweise zweiten Adventssonntag zusammen), Schwerin, Stargard in Pommern und Stralsund an Nikolai vermerkt.

Andere, heute berühmte und wesentlich bekanntere Weihnachtsmärkte entstanden meist erst im 17. Jahrhundert (Lübeck mindestens seit 1648, Nürnberg seit 1628) oder gar im 19. Jahrhundert. Gerade das frühe 19. Jahrhundert war die Zeit, in der zahlreiche Weihnachtsmärkte ins Leben gerufen wurden; nicht zufällig in einer Zeit, in der sich eine Reihe der uns heute noch vertrauten Weihnachtssitten herausbildeten. Für Stettin ist ein kurz vor Heiligabend veranstalteter „Stettiner Weihnachts-Markt“, zu dem auch auswärtige Händler kamen, für das Jahr 1838 erwähnt.

„Wihnachten is de Koplü' ehr Aust“ („Weihnachten ist die Erntezeit der Kaufleute“). Deshalb zog der Markt zahlreiche Händler von weither an. Ursprünglich war der Nikolaimarkt – außer für die Krämer – weniger für einheimische, sondern mehr für auswärtige Handwerker vorgesehen. Die Stralsunder Bäcker, Schuster oder Täschner mussten sich in dieser Zeit meist aus ihren Häusern heraus mit dem Verkauf der von ihnen hergestellten Waren begnügen.

Im örtlichen Stadtarchiv findet man Klagen von Stralsunder Zuckerbäckern vor, aus denen hervorging, dass ihnen der Verkauf ihrer Waren in der Vorweihnachtszeit unterm Rathaus und auf dem Markt untersagt war, während Frauen und sogar „Soldatenweiber“ mit Zucker- und Pfeffernüssen handeln durften. Erst im späteren Verlauf des 18. Jahrhunderts gestattete der Rat den einheimischen Zuckerbäckern, wieder zum Kinderjahrmarkt unter dem Rathaus zu verkaufen.

Es gab nichts, was es nicht gab

Von 1694, 1739 bis 1744 und von 1789 bis 1804 sind im Stralsunder Stadtarchiv Verzeichnisse erhalten geblieben, aus denen hervorgeht, wie viele und was für Händler aus welcher Stadt den Weihnachtsmarkt am Strelasund aufsuchten, darunter etliche Franzosen, sowie mindestens 20 weitere Händler an den Hafenbrücken, die in verschieden großen Buden sowie hinter Verkaufstischen standen. 1743 kamen 63 Händler unter anderem aus Greifswald, Rostock, Lübeck, Neubrandenburg, Friedland, Hamburg, Berlin, Magdeburg und Leipzig. Unter diesen Kaufleuten waren viele Galanterie- und Kurzwarenhändler, Leinwandverkäufer, Eisenkrämer, Glashändler, Tabak- und Seidenhändler, Kleinkaufleute, die mit Strümpfen, Gips- und sonstigen Bildern, Baumwollwaren, Keramiken und (Kunst)Blumen sowie diversen „Olitäten“ handelten. Letztere waren Kleinkrämer, die zumeist aus Thüringen stammten und in ihren Kiepen wohlriechende und angeblich gesundmachende Öle, Essenzen und Salben in kleinen Flakons und Töpfchen anboten.

Händler aus Mailand und Paris

Auch ein Schausteller mit einem „Spiel Schap“ (wohl ein Puppentheater) war anwesend. Hinzu kamen Handwerker wie Beutler (Taschen- und Beutelmacher) und Buntmacher (Kürschner) sowie Zuckerbäcker. Später tauchten regelmäßig Handelsreisende aus Frankreich und Italien auf, nach 1815 auch aus Großbritannien. 1765 annoncierte der Mailändische Kaufmann Torchiana, dass er „unter dem Rathauses ... die beßten Mayländischen seidenen Tücher, bey ganze und halbe Dousin, imgleichen gestrickte seidene Strümpfe“ anbiete, und 1782 empfahl sich Antoine Robert, Modehändler aus Paris, den Stralsunder Damen mit dem allerneuesten und geschmackvollsten Sortiment.

Es gab von Jahr zu Jahr unterschiedliche Angebote und kaum etwas, was es nicht gab. Die einheimische Löffler'sche Buchhandlung warb mit speziellen Kinderbüchern, wie zum Beispiel „Hedwigs liebe Puppe. Ein Lese- und Bilderbuch für kleine artige Mädchen“. Damals wie heute gab es viele Verkaufsstände, die gezielt Kinder und Eltern mit ihren Waren zu begeistern suchten, wie jener Händler Schmaltz, der am 3. Dezember 1831 in der „Stralsundischen Zeitung“ annoncierte: „Mein Lager von Kinder-Spielsachen ist in diesem Jahre ebenso aufgestellt wie gewöhnlich zu Anfang des Weihnachts-Markts. Ich empfehle mich daher mit einer vollständigen Auswahl der schönsten an- und unangekleideten Puppen, Bälgen, Puppenköpfe mit und ohne Haarfrisur, einer vollständigen Auswahl der schönsten Kinder-Spielsachen von Zinn und Porzellan, so wie mit meinen sonst führenden Waren zu billigen Preisen. C.F. Schmaltz.“

1937: Markt nicht mehr zeitgemäß

Man kann sich das lebhafte Treiben auf dem Stralsunder Markt im Laufe der Jahrhunderte sehr gut vorstellen. Es gab natürlich auch Zeiten, in denen er nicht stattfand. Kriege und Seuchen sorgten immer wieder dafür, dass der Nikolaimarkt ausfiel, so nach dem Ersten Weltkrieg. Erst nach 1930 wurde wieder an die Tradition angeknüpft, nun aber eher in Form eines Rummels und nur noch mit wenigen einheimischen Händlern. 1937 meinten die damals Verantwortlichen, dass der Weihnachtsmarkt nicht mehr zeitgemäß sei, und untersagten ihn.

Bereits 1947 eröffnete nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg wieder ein Weihnachtsmarkt in Stralsund, der bis heute jährlich weitergeführt wurde, allerdings 2020 mit „Coronapause“. Es gibt sogar zwei Märkte in der Stadt, einmal den historischen auf dem Alten Markt und im historischen Rathauskeller und einen Jahrmarkt auf dem Neuen Markt.

Auszugsweise aus dem Buch von Gunnar Möller

• Info Das Buch von Gunnar Möller: „Weihnachten und Neujahr im alten Vorpommern“, 250 Seiten, 81 teilweise farbige Abbildungen, gebunden, hat die ISBN-Nummer 978-3-412-52273-5 und ist erschienen im Böhlau Verlag Köln. www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com



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