20.05.2024

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Auch ein Magier muss sich mal waschen: Geoffrey Bayldon als Catweazle nimmt ein Bad
Foto: imago/United ArchivesAuch ein Magier muss sich mal waschen: Geoffrey Bayldon als Catweazle nimmt ein Bad

Unterhaltung

Hineingezaubert in die Gegenwart

Ein anarchischer Antiheld aus dem Mittelalter – Vor 50 Jahren eroberte Catweazle die deutsche Fernsehlandschaft

Bettina Müller
20.04.2024

Deutschland im Jahr 1974: Am 6. April gewann die Popgruppe ABBA mit „Waterloo“ den Grand Prix de la Chanson. Und am 28. April betrat ein zerzauster alter Mann die Fernsehbühne – und machte ebenfalls Furore. Sein Name war Cat­weazle, und er war der Held einer 13-teiligen englischen Kinderserie.

Der Plot war genial. Das Schicksal hatte einen Magier aus dem Mittelalter in das England der 1970er Jahre verschlagen. Von den Normannen gejagt, war er in purer Verzweiflung in einen See gesprungen und 900 Jahre später in einem Dorftümpel wieder aufgetaucht. Auf der Suche nach Nahrung begegnete Catweazle dem Landwirtssohn Edward, der fortan ständig damit beschäftigt war, den Zauberer vor der Menschheit zu verstecken.

Dann vertauschten sich die Rollen, als Catweazle auf moderne Technik traf und er wieder zum ängstlichen Kind wurde, das lärmende Traktoren und Flugzeuge für eine Erfindung des Teufels hielt. Edward wiederum übernahm die Erwachsenenrolle für den angeblichen Magier, der schwerer zu beaufsichtigen war als ein Sack Flöhe. Da kletterte Catweazle schon mal auf den Dorfkirchturm, weil er zurück in seine Zeit fliegen wollte, oder verstörte ein anderes Mal den Pfarrer. Am Ende jeder Folge siegten immer die Gerechtigkeit und die Vernunft, während Catweazles Wunsch, wieder in seine Zeit zurückzukehren, immer drängender wurde.

Ausgedacht hatte sich das Ganze der englische (Dreh-)Buchautor Richard Carpenter, dessen Skript der Fernsehsender „London Weekend Television“ begeistert angenommen hatte. Der 45-jährige Schauspieler Geoffrey Bayldon ergatterte mit seiner ungewöhnlichen Physiognomie die Hauptrolle, der Kinderdarsteller Robin Davies spielte den 15-jährigen Edward.

Es waren in der Folge nicht nur die Abenteuer, die Kinder (und Erwachsene) verzauberten, sondern auch die historische Landschaft in der Grafschaft Surrey, die das große Ganze ausmachten. Und die simple Botschaft, die da hieß: Toleranz. Es war okay, anders zu sein. Diese Botschaft war zeitlos und funktionierte in der ganzen Welt.

So universell das Sujet auch war, so unverkennbar britisch war wiederum das Ambiente der Serie: Das alte Dorf mit dem Friedhof, das Pfarrhaus, aber auch ein Glaube an Geister und Gespenster. Moderne Autos wirkten da schnell wie ein Fremdkörper. Und ständig verkehrten sich die Wahrnehmungen, woraus sich auch die Komik ergab, wenn Catweazle zum Beispiel einen Friseursalon für eine „Folterkammer“ hielt.

Am 30. Juni 1974 endete bereits die Geschichte von Edward und Catweazle. Der Abschied war schmerzhaft. Cat­weazle hatte begriffen, dass das Wasser ihn wieder in die Zeit zurücktransportieren konnte. Und so musste Edward entsetzt mit ansehen, wie Catweazle im See immer durchscheinender wurde, bis er schließlich ganz verschwunden war.

Die beiden Hauptdarsteller sind bereits tot. Robin Davies, der den Edward so mitfühlend spielte, verstarb 2010 im Alter von nur 56 Jahren an Lungenkrebs. Sieben Jahre später wurde auch Geoffrey Bayldon in Leeds zu Grabe getragen. Für die Fans sind sie unsterblich, sie leben in ihren Herzen weiter.


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ gern mit einer

Anerkennungszahlung


Kommentar hinzufügen

Captcha Image

*Pflichtfelder

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag. Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

powered by webEdition CMS