04.02.2026

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Einsam und verlassen steht er auf einer Anhöhe über dem Tal der Inster: Der verfallende Bismarckturm
Bild: GreizerEinsam und verlassen steht er auf einer Anhöhe über dem Tal der Inster: Der verfallende Bismarckturm

Insterburg

Historiker wollen Bismarckturm retten

Aufnahme ins Register der Kulturerbestätten – Experten setzen sich für den Erhalt ein

Manuela Rosenthal-Kappi
04.02.2026

Während in den vergangenen Jahren viele Baudenkmäler im nördlichen Ostpreußen restauriert bzw. Maßnahmen zum Erhalt der Ruinen getroffen und sie Besuchern zugänglich gemacht wurden – erwähnt sei die Sanierung von Ordensburgen wie Insterburg, Ragnit oder Brandenburg – fristen andere Bauwerke ein trauriges Dasein.

Ist es in Fällen wie beim Wiederaufbau des Leuchtturms in Rinderort mit Ausflugslokal gelungen, aus einem einst verfallenen Gebäude eine attraktive Sehenswürdigkeit erstehen zu lassen, die Touristen in der Region einiges zu bieten hat, ist der Erhalt vieler anderer Gebäude aus deutscher Zeit bislang entweder nicht gelungen oder kaum noch möglich. Zu diesen zählt der verfallende Bismarckturm bei Insterburg. Vor Kurzem regten Experten deshalb an, die Ruine in das staatliche Register der Kulturerbestätten aufzunehmen. Einen entsprechenden Antrag veröffentlichten sie im Internet.

Bauwerk von 1913
Der Insterburger Bismarckturm wurde im Jahr 1913 nach nur dreimonatiger Bauzeit nach Plänen des Architekten Theodor Schlichting gebaut. Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts war der Bau von Gedenktürmen zu Ehren des ersten Reichskanzlers des Deutschen Reichs, Otto von Bismarck, sehr beliebt. Den Bau eines solchen Gedenkturms bei Insterburg regte der Rittergutsbesitzer Richard Wagner aus Neu-Lappönen an, der bei einer Bismarck-Feier im Jahr 1908 die Initiative ergriff. Als Standort wählte man eine Anhöhe bei Georgenburgkehlen nordwestlich von Insterburg.

Der Turm wurde aus Feldsteinen erbaut und im Inneren mit rotem Backstein ausgekleidet. Er war ursprünglich 15 Meter hoch und mit einer Aussichtsplattform versehen, die eine Feuerschale auf Stelzen krönte. Innen maß der Turm sechs mal sechs Meter. Die Baukosten für das dreistöckige quadratische Gebäude mit abgerundeten Ecken in Höhe von 8.000 Mark wurden allein durch Spenden aufgebracht.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bismarckturm nur leicht beschädigt, doch die Sowjets gaben ihn in der Nachkriegszeit auf und überließen ihn dem Verfall. Heute ist das Gebäude stark beschädigt. Der obere Teil fehlt und kann nicht mehr restauriert werden. Die Betontreppe im Inneren ist nur noch teilweise erhalten.

Im Jahr 2018 stürzte der obere Teil des Turms ein. Die Aussichtsplattform und die Feuerschale gingen damals verloren. Auch die Steinverkleidung der Außenwände begann zu bröckeln. Da der Insterburger Bismarckturm neben dem in Ragnit das einzige Bauwerk dieser Art im nördlichen Ostpreußen ist, schlugen Historiker nun Alarm für den Erhalt des seltenen Denkmals. Der Bismarckturm befindet sich auf einem gut 14.000 Quadratmeter großen kommunalen Areal, das laut den Denkmalschutz-Experten nach der Instandhaltung des Turms erhalten bleiben sollte. Frühere Pläne der Stadtverwaltung hatten ein wesentlich kleineres Gelände um den Turm vorgesehen.

Erste Initiative zum Erhalt war zum Scheitern verurteilt
Eine vielversprechende Initiative zum Erhalt des Kulturerbes hatte es bereits im Jahr 2011 gegeben, als der in Berlin lebende russische Architekt Dmitri Suchin im Rahmen des von ihm ins Leben gerufenen Projekts „InsterJAHR“ Studenten verschiedener Hochschulen zu Sommerpraktika einlud. Besonderes Interesse zeigten dabei Schüler der Kasaner Bauhochschule. Während ihres Aufenthalts in Insterburg vermaßen sie den Bismarckturm und die noch erhaltenen Scharoun-Häuser der „Bunten Reihe“ (siehe PAZ Nr. 48 vom 3. Dezember 2011).

Leider wurde dieses ehrgeizige Projekt nicht umgesetzt, wobei es nicht nur aufgrund der fehlenden Finanzierung scheiterte – die Stadtverwaltung stellte damals umgerechnet 12.000 Euro zur Verfügung, Moskau zeigte kein Interesse –, sondern ein Problem der Umsetzung war schlicht der Mangel an Handwerkern. Selbst wenn das Geld für eine Baumaßnahme zusammengekommen wäre, hätte es vor Ort keine Zimmerer, Tischler, Maurer und Putzer gegeben.

Inzwischen sind einige Jahre ins Land gezogen und der langanhaltende Ukrainekrieg, dessen Folgen Russen unter anderem das Reisen ins westliche Ausland erschwert, hat dafür gesorgt, dass Moskau stärkeres Interesse am Königsberger Gebiet als Urlaubsregion für seine zahlungskräftigen Bürger zeigt. Seitdem fließen auch Gelder aus dem Staatssäckel in die Entwicklung der Region und in den Erhalt des deutschen architektonischen und kulturellen Erbes. Insofern könnte sich dies für den Erhalt des Bismarckturms als förderlich erweisen.


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